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Digital Life
08/03/2020

92 Euro für nagelneues iPhone: Betrüger ergaunern 1100 Stück

Apple klagt Schaden in Millionenhöhe ein. Der vor Gericht stehende Mann und seine Mutter wollen in guten Glauben gehandelt haben.

Ein 34-jähriger Chinese und seine 56-jährige Mutter stehen in der Schweiz vor Gericht, berichtet SRF. Sie sollen Apple mit ihrer Betrugsmasche einen Schaden von über einer Million Franken (925.673 Euro) zugefügt haben. Selbst haben sie aber nur über 9.000 Euro damit verdient.

Die Beiden haben gefälschte iPhones in Apple Stores und Apple-zertifizierten Shops gegen echte iPhones getauscht. Diese laut der Staatsanwaltschaft „täuschend echten iPhones“ hatten die Seriennummern von echten iPhones eingraviert, die mit Apples AppleCare+ versichert waren.

Wasserschaden

In den Apple Stores wurden die nicht-funktionierenden Fälschungen als Wasserschaden gemeldet. Dort wurde die IMEI-Nummer am Gehäuse kontrolliert und so der AppleCare+ Versicherungsschutz festgestellt. Die Betrüger zahlten dann die Gebühr von 99 Franken (92 Euro) und bekamen ein nagelneues, echtes iPhone.

Weil die Geräte als Wasserschaden gemeldet wurden, wurden sie nicht im Geschäft zur Inspektion geöffnet. Dies ist Geschäftspolitik, da beim Öffnen ein durch Wasser beschädigter Akku Feuer fangen könnte.

Im Bericht von SRF geht nicht hervor, ob es sich um gefälschte iPhones handelt oder Dummys. Dummys sehen wie echte Geräte aus, haben aber keine elektronischen Komponenten. Diese werden üblicherweise von Geschäften in die Auslagen gestellt, um bei einem Einbruch den Schaden zu reduzieren.

Drahtzieher in Hong Kong

Zwischen 2015 und 2019 hat der Chinese über 1.000 solcher gefälschten iPhones gegen Echte eingetauscht. Seine Mutter hat im Jahr 2016 über 100-mal diese Betrugsmasche gemacht, „wenn ihr Sohn keine Zeit hatte“. Die Beiden gaben vor Gericht aber an, selbst Opfer eines Betrugs zu sein.

Sie haben die gefälschten iPhones aus Hong Kong erhalten. Die echten iPhones haben sie dann nach Hong Kong retour geschickt. Dafür soll der Chinese eine Provision von 10 Franken pro Gerät (9 Euro) bekommen haben. Sie seien im Glauben gewesen, dass es sich um echte iPhones handelt, sie aus Hong Kong bekommen haben. Laut ihren Kontaktmann hätten sie die Geräte in der Schweiz reparieren lassen, weil es in China immer wieder Probleme mit dem Umtausch defekter Geräte gäbe.

Wer die Drahtzieher in Hong Kong sind, ist unbekannt. Auch ist nicht klar, wie diese an die IMEI-Nummern von iPhones kommen, für die Kunden AppleCare+ abgeschlossen haben. Denkbar ist etwa Phishing oder Insider in Apple Stores, die die IMEI-Nummern von neu gekauften iPhones an die Betrüger weiterleiten.

Haft und Ausweisung

Die Drahtzieher in Hong Kong scheinen weltweit zu operieren. Die als Absender angegebene Firma habe auch schon gefälschte iPhones in die USA und andere Länder verschickt. Aufgeflogen ist der Betrug, weil der Schweizer Zoll 2 Pakete mit 50 gefälschten iPhones abgefangen hat, die an den Chinesen adressiert waren.

Die Staatsanwaltschaft fordert 4 Jahre Haft für den Sohn, eine Geldstrafe und die Ausweisung aus der Schweiz für 7 Jahre. Die Mutter soll eine bedingte Haftstrafe für 18 Monate und eine Probezeit für 2 Jahre erhalten. Das Urteil soll diese Woche gefällt werden.

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