Digital Life
16.03.2018

A1 zeigt "Telefonzelle der Zukunft" und Blockchain-Paketdienst

Die mehr als 14.000 Telefonzellen in Österreich sollen modernisiert und als 5G-Small-Cells und Paketstellen genutzt werden.

Kaum jemand nimmt sie noch wahr oder nutzt sie noch: Die Telefonzelle. Dennoch gibt es noch knapp 14.000 Telefonzellen in ganz Österreich. Diese sollen in Zukunft deutlich moderner und funktionaler gestaltet werden. Im Zukunft eines Events präsentierte A1 das Konzept für eine „Telefonzelle 2.0“. Diese trägt den Namen „Smart 9“ und wurde gemeinsam mit der Linzer Firma Keba entwickelt.

Smart 9 in Bildern

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Der Name weist auch auf die Vielzahl an Funktionen hin. Statt, wie bisher, lediglich Telefonie zu bieten, kann die Telefonzelle modular erweitert werden. So kann die Telefonzelle noch mit einem Bankomaten, einem Feinstaubmessgerät, einer E-Ladestelle für Elektroautos, einem WLAN-Hotspot, Paketschließfächern, einem Touchscreen sowie einer digitalen Werbefläche ausgestattet werden. Zudem soll die neue Telefonzelle eine zentrale Rolle im Ausbau des Netzes spielen: Neben einer 5G-Small-Cell, die dort verbaut werden kann, können dort Glasfaserverbindungen gespleißt und auf nahegelegene Haushalte aufgeteilt werden.

Erster Prototyp bereits im Sommer

„Das Projekt hatte eine extrem schnelle Entwicklungsphase, in knapp drei Monaten waren wir fertig“, erklärt Walter Gritzner von Keba. Derzeit konnte man dennoch nur gerenderte Modelle präsentieren, ein erster Prototyp soll bis zum Sommer gebaut und voraussichtlich in Wien aufgestellt werden. Dabei will man Praxiserfahrungen sammeln und diese in die Entwicklung miteinbeziehen. Längerfristig soll die „Smart 9“ jedoch die klassische Telefonzelle ersetzen und meist auch an den gleichen Standorten aufgestellt werden. Die Maße sind mit 1,2 mal 1,2 Meter ident zum Klassiker.

Auch für Standorte, bei denen zwei oder mehrere Telefonzellen nebeneinander stehen, hat man bereits ein Konzept. Die zusätzliche Fläche soll voraussichtlich vor allem für Paketboxen genutzt werden. Diese sollen aber nicht ausschließlich von einem Partner, beispielsweise der Post betrieben werden, sondern auch auf eine neue Technologie von A1 zurückgreifen.

Blockchain für Abholbox

Das „Universal Lock“ genannte Projekt entstand im Rahmen des A1 Intrapreneurship-Programmes und soll mithilfe der Blockchain vor allem die Logistik-Branche unter Druck setzen. Ein Shop könnte beispielsweise - ohne Mittelsmann, wie die Post oder andere Zusteller - eine Bestellung in einer lokalen Abholbox hinterlegen, die rund um die Uhr zugänglich ist. Über eine Blockchain-Lösung kann der Shop dann dem Käufer die Freigabe erteilen, die Abholbox zu öffnen.

Der Vorteil: Der Shop erspart sich die Kosten für einen Logistik-Unternehmer und der Kunde kann jederzeit seine Bestellung abholen. Laut Boris Grabner, dem Verantwortlichen bei A1, arbeite man gemeinsam mit Keba auch an Paketautomaten, die Betreiber-unabhängig - also fernab von Post, DHL und Co. - genutzt werden können. Ab Sommer wolle man die Lösung auch in der Praxis erproben. Unklar ist, wie man gegenüber dem Betreiber seine Identität verifizieren wird, hier werde aber an Lösungen gearbeitet.

Das Blockchain-Projekt soll nach seiner Fertigstellung als Open-Source-Projekt öffentlich gemacht werden. 

Smarter Spiegel von HTL-Schülern

Beim Event im Wiener Weltmuseum demonstrierte A1 auch zahlreiche andere Lösungen aus dem „IoT Lab“, die vom Telekommunikationskonzern und Partnern entwickelt wurden. So zeigte man die bereits im Vorjahr vorgestellte „Smart Home“-Lösung, mit der man das eigene Zuhause mit Sensoren versehen kann. Neben der eigenen Lösung bietet man zahlreiche andere Geräte von Drittherstellern an, beispielsweise die smarte Türklingel „Ring“, die kürzlich von Amazon für 1,1 Milliarden US-Dollar übernommen wurde, sowie das smarte Türschloss Nuki vom gleichnamigen Grazer Start-up.

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Mehrere Schüler der HTL Rennweg präsentierten zudem ihren „Smart Mirror“, einen vernetzten Spiegel, der Informationen wie das Wetter, Termine oder Nachrichten anzeigt. Er kann per Gesten- und Sprachsteuerung bedient werden und soll schon bald auf den Markt kommen. Die Schüler wollen intensiv daran arbeiten, dass der Spiegel noch 2018 Marktreife erlangt und unter 300 Euro kostet.

Bewegungsströme über Mobilfunkdaten

Des weiteren demonstrierte A1 Lösungen im Bereich Smart City, die man gemeinsam mit Nokia umsetzt. So wurden Graz und Villach bereits zum Teil digitalisiert, sodass beispielsweise über ein Dashboard die Auslastung der Parkplätze, Beleuchtung, die Luftgüte, der Füllstand der Mistkübel sowie der Verkehr über ein einfaches Dashboard in Facebook-Optik überwacht werden können.

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Dazu passend demonstrierte man einen 3D-LiDAR von Hitachi und Emron, der in Echtzeit die Zahl der Kunden und deren Bewegungen erfassen kann. Das soll unter anderem der Analyse vom Kaufverhalten im Einzelhandel dienen - laut A1-CTO Marcus Grausam sei aber keine Identifikation einzelner Personen darüber möglich. Ebenso anonym soll die Bewegungsstrom-Analyse über das Mobilfunknetz verlaufen. Diese wird über das A1-Start-up Invenium umgesetzt, das so beispielsweise zeigen kann, dass besonders viele Besucher des Stephansplatzes direkt danach die Mariahilferstraße besuchen.

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Ähnliche Lösungen zeigte A1 auch im Landwirtschaftsbereich, beispielsweise das Unternehmen Bladescape, das per teilautomatisierter Drohnenaufnahmen Daten für den Weinbau erhebt. Das Grazer Unternehmen smaXtec ist wiederum nach eigenen Angaben der „Weltmarktführer im Bereich der Messung von Kuhdaten direkt im Pansen der Kuh“. Ein Sensor liefert dabei in Echtzeit Informationen über den Gesundheitszustand der Kuh.

Bis 2020 80 Millionen vernetzte Geräte in Österreich

A1-CTO Grausam sieht die Entwicklung des Internets der Dinge als ähnlich wichtig an wie den „Sprung vom Vierteltelefon zum Handy“ und dass es alle Lebensbereiche umfassen wird. „Wir als A1 sagen dabei offen, dass wir das nicht alleine schaffen könnten, weswegen wir auch gemeinsam mit Nokia das IoT Lab gegründet haben.“ Dort sollen, gemeinsam mit Firmen, Start-ups und Bildungseinrichtungen, alltagstaugliche Lösungen für vernetzte Geräte entwickelt werden. „2020 wird es bereits mehr als 20 Milliarden Geräte weltweit geben, davon 80 Millionen allein in Österreich, das hat gewaltiges Potenzial“, sagt Grausam