Digital Life
02.05.2018

Amazon-Chef Jeff Bezos verbietet Powerpoint-Präsentationen

Bei Amazon-Geschäftsmeetings sind Powerpoint-Folien Tabu. Mitarbeiter müssen spannend geschriebene Aufsätze schreiben.

In seinem jährlich versendeten Brief an Mitarbeiter und Aktionäre hat Amazon-CEO einmal mehr auf das Verbot von Powerpoint-Präsentationen im Konzern hingewesen. Derartige Präsentationen mit Folien und Aufzählungspunkten seien weiterhin Tabu. Mitarbeiter müssen für Meetings sechsseitige Memos schreiben, die in ganzen Sätzen und in Erzählform das Vorhaben beschreiben. Am Anfang des Meetings wird der Text ausgeteilt. Nach 30 Minuten stillen Lesen wird dann über das Vorhaben bzw. die Vorschläge diskutiert.

Geschichte erzählen statt Powerpoint

Eine erzählerische Struktur zur Erklärung von Ideen und Visionen sei weitaus effektiver als eine Powerpoint-Präsentation, fügte Bezos bei einer kürzlich besuchten Konferenz hinzu. Für viele, die neu bei Amazon anfangen, sei das ein ziemlicher Kultur-Schock. Dazu gehöre auch, dass Anekdoten von Kunden vom Chef persönlich bearbeitet bzw. an verantwortliche Manager weitergeleitet werden. Derartige Anekdoten würden oft einen wertvolleren Einblick geben als die komplizierte Auswertung von gesammeltem Datenmaterial.

In dem Brief gibt Bezos allerdings auch zu, dass das Schreiben von einem sechsseitigen Memo gelernt sein will. Manche würden glauben, so einen Text in ein bis zwei Tagen produzieren zu können. In Wahrheit müsse man einen derartigen Aufsatz aber mehrmals überarbeiten, bis er so gestaltet ist, dass er seinen Zweck optimal erfüllen und andere mitreißen kann. Habe man es allerdings mit einem gut geschriebenen Memo zu tun, würden sich daraus die fruchtbarsten Diskussionen im Raum entwickeln.

Steve Jobs als Vorbild

Der Amazon-Chef ist längst nicht der erste CEO eines Technologiekonzerns, dem Powerpoint-Präsentationen ein Gräuel sind. Steve Jobs etwa wird in der autorisierten Biographie von Walter Isaacson mit den Worten zitiert, dass "Leute, die wissen, wovon sie reden, kein Powerpoint benötigen." Jobs habe derartige Präsentationen etwa bei Produkt-Meetings schnell verbannt. Anstatt mitzudenken und sich aktiv in eine Diskussion einzubringen, würden sich Mitarbeiter hinter den Folien verstecken, klagte Jobs damals.