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TTTech Audi und NASA vertrauen auf Technik aus Österreich.

Der selbstfahrende und selbstparkende Audi
Der selbstfahrende und selbstparkende Audi - Foto: Florian Christof
Neben Boeing und der NASA setzt auch Audi auf Know-how aus Österreich und entwickelt seine selbstfahrenden Autos gemeinsam mit dem Wiener Unternehmen TTTech.

Noch gibt es in Europa keine Genehmigung, diese Autos auf öffentlichen Straßen zu testen, aber „autonomes Fahren ist eine der großen Revolutionen“, sagen die beiden Geschäftsführer von TTTech, Stefan Poledna und Georg Kopetz. Schon bald werden selbstfahrende Autos nicht nur in Kalifornien Nevada, Florida und  Michigan unterwegs sein, sondern auch in Europa – einige europäische Staaten haben bereits angekündigt, Tests zu genehmigen.

„Das ist alles eine Frage der Zeit, die Revolution lässt sich nicht aufhalten“, sagt Stefan Poledna. TTTech ist eines jener österreichischen Unternehmen, das durch sein Know-how weltweit gefragt ist. TTTech stellt Netzwerklösungen her, quasi Zentralrechner für Autos, Flugzeuge oder auch für die Raumfahrt. Kunden sind der Flugzeughersteller Boeing, die NASA, Thales oder eben auch Audi.

TTTech hat eine Steuereinheit namens zFAS entwickelt, die es ermöglicht, dass verschiedenste Funktionen der Bordelektronik von Autos zentral angesteuert werden können. Sie ist kleiner als ein Laptop, macht aber ein Auto zu einem Hochleistungsrechner. Und ein solcher Computer auf vier Rädern war kürzlich in Wien zu sehen. Gemeinsam mit Audi zeigte TTTech der futurezone das erste Fahrzeug des Herstellers mit automatischer Einparkfunktion.

Einparken per Autopilot

Freilich gibt es bereits Autos mit Einpark-Assistenten, allerdings können diese rückwärts oder seitwärts einparken und nehmen dem Fahrer nur das Lenken ab. Audis Parkpilot ist ein vollautomatisiertes System: Man aktiviert die Parkpilot-Funktion im Auto, steigt aus und parkt mit einem Funkschlüssel oder per App mit einem Smartphone (es ist via Bluetooth mit dem Auto verbunden) ein - oder aus. Auch bei sehr engen Parklücken, bei denen ein Aussteigen aus dem Auto sehr schwer oder kaum möglich ist. Über Umfeldsensoren erkennt der Zentralrechner, ob eine ausreichend große Parklücke vorhanden ist.

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Mit der Einpark-App wird das Fahrzeug fernbedient - Foto: Florian Christof

Das hat bei der Demo vor dem Museumsquartier in Wien mehrmals sehr überzeugend funktioniert. Auch wenn kein Lenker im Fahrzeug sitzt, muss dieser bei seinem Auto stehen und den Einpark- bzw. Auspark-Vorgang genau überwachen bzw. durch das aktive Drücken auf einen Knopf in der App durchführen. Sobald der Lenker den Knopf auf dem Smartphone-Bildschirm los lässt, stoppt der Wagen. Das Ausparken funktioniert genauso, hier kann man festlegen, in welche Richtung das Auto aus der Parklücke fahren soll.

Herzstück des selbstfahrenden Audi

Dass alle Funktionen in Sekundenbruchteilen angesteuert werden können, ist dem von TTTech entwickelten zFAS zu verdanken, das übrigens nicht nur im Parkpilot von Audi integriert ist, sondern auch das Herzstück der selbstfahrenden Audi-Flotte darstellt, die derzeit in Kalifornien im öffentlichen Verkehr getestet wird.

Audi ist übrigens an TTTech beteiligt, „aber wir sind freilich kein Audi-Unternehmen, sondern Audi hat einen Vorsprung und kann Innovationen vorab testen“, so Poledna. Auch andere Auto-Hersteller können die Technologie integrieren.

Erfolgsgeschichte

TTTech hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten einen Namen in der Hightech-Branche gemacht. 1998 haben Poledna und Kopetz TTTech als Spin-Off der TU Wien gegründet und im fünften Wiener Gemeindebezirk ihr Unternehmen aufgebaut. „Das ist nahe zur TU Wien und daher optimal für Entwickler, die wir brauchen“, sagt Kopetz.

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Die beiden Geschäftsführer von TTTech Georg Kopetz und Stefan Poledna - Foto: Florian Christof

Die Aufnahmekriterien sind fast so streng wie an den bekannten Elite-Unis Stanford oder Harvard – von 2500 Bewerbern werden im Schnitt 60 aufgenommen. „Wir wollen nur die Besten der Besten“, ergänzt Poledna. Das Unternehmen hat heute etwa 300 Mitarbeiter in neun Ländern.

TTTech im Weltraum

Den beiden Geschäftsführern sieht man ihre Zielstrebigkeit an, ganz vorne mitzumischen, sie wurden 2013 auch „Österreicher des Jahres“ in der Kategorie „Unternehmertum“. „Unsere Spezialität ist die Integration von verschiedenen Systemen und die sichere Vernetzung“, sagt Kopetz. „Je komplexer es wird, desto lieber haben wir es, denn dann können wir unsere Trümpfe ausspielen.“

Das ist auch der NASA aufgefallen, denn im Orion Multi-Purpose Crew Vehicle (Orion MPCV) ist ebenfalls TTTech an Bord. Im Raumschiff EFT-1 (Exploration Flight Test 1), das im Dezember erstmals ins All geschossen wird, wird die Kerntechnologie von TTTech, TTEthernet, eingesetzt. Die NASA verlässt sich bei der Vernetzung im Raumschiff auf Technologie „made in Austria“. „Es ist extrem spannend, die Zukunft mitzugestalten“, sagt Poledna.

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(futurezone) Erstellt am 27.10.2014, 06:00

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