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Büro der Zukunft “Bei Innovation ist auch viel Raten dabei”.

Lösungen wie die "Meeting-Hütte" Toguna sollen im Großraumbüro Rückzugsorte sein
Lösungen wie die "Meeting-Hütte" Toguna sollen im Großraumbüro Rückzugsorte sein - Foto: Bene
Büros stehen laut Designer Tom Lloyd vielen Angestellten eher im Weg als sie zu unterstützen. Abhilfe sollen Lösungen schaffen, die der Smartphone-Generation entgegenkommen.

Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant verändert. Smartphones, Tablets und Laptops finden sich mittlerweile auf jedem Schreibtisch, wirken dabei aber oft wie Fremdkörper. Unter anderem darüber hat am Dienstag eine prominente Runde an Designern, Wissenschaftlern, und Managern im Rahmen des bene Expert Talk diskutiert. “In der Industrie hat sich in den vergangenen 100 Jahren viel verändert, Großraumbüros sehen aber aus wie eh und je”, so Tom Lloyd, einer der Gründer des Designstudios PearsonLloyd. Das führe dazu, dass man überall produktiv ist, nur nicht am eigenen Schreibtisch.

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Belegt wird das auch durch Untersuchungen. Laut Barbara Kellner von Deloitte Human Capital werden nur vier Prozent aller Ideen am Schreibtisch geboren, der Rest entsteht meist weit entfernt davon, sei es nun unter der Dusche oder in den Öffis. Lloyd arbeite nun mit Möbelherstellern wie Bene daran, die Kreativität in das Büro zurückzuholen. “Dazu muss man verstehen, was Personen abseits ihres Schreibtisches, auch privat, machen und das in das Design einfließen lassen.” Ein einfaches Beispiel seien Mobiltelefone in Großraumbüros. In Großraumbüros soll durch einen offenen Arbeitsraum einfache Zusammenarbeit möglich sein, zugleich suchen viele Angestellte aber auch die Ruhe und wollen sich mit ihren Mobiltelefonen zurückziehen.

Kopfstoß gegen hitzige Diskussionen

Abhilfe sollen in das Büro integrierte Lösungen wie die “Phone Booth” schaffen, die Platz für eine Person bietet und diese akustisch und optisch vor dem Rest des Büros abschirmt. Aber auch kleine Inseln für rasche Meetings zwischen zwei Personen, wie zum Beispiel der Toguna, sollen den Geräuschpegel im Rest des Büros gering halten, während man dennoch spontan bleiben kann.

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Inspiration für den Parcs Toguna gaben die gleichnamigen Versammlungsorte der Dogon in Mali. Darin sitzen viele Männer am Tag, um der Hitze zu entkommen und zu diskutieren. Stehen ist aufgrund der niedrigen Höhe nicht möglich, dahinter steckt aber auch eine clevere Idee. "Bei intensiven Diskussionen stößt man sich beim Aufstehen automatisch den Kopf und setzt sich wieder hin", so Lloyd. Das soll auch mit dem Toguna low möglich sein, der lediglich 1,85 Meter hoch ist. Zu Handgreiflichkeiten sollte es aber im Büro eher nicht kommen.

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Derartige Lösungen würden aber nicht überall funktionieren. “Das Planen eines Büros ist wie das Planen einer Stadt. Man muss verschiedene Persönlichkeiten im Team berücksichtigen, das ist jedes Mal anders”, meint Lloyd. Es brauche mehr als nur Loungemöbel. Das sieht auch Alf Netek, Chief Marketing Officer bei Kapsch ähnlich. Für ihn sind Möbel “kein Ziel, Vielfältigkeit aber schon.” Es gehe darum, den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass sowohl langjährige Angestellte als auch neue Mitarbeiter angenehm und produktiv arbeiten können.

"Ein Büro muss wie ein Labor sein"

Bereits einfache Designänderungen, beispielsweise ein runder statt rechteckiger Konferenztisch, können große Auswirkungen haben. Für Markus Peschl, Professor für Kognitionswissenschaften an der Uni Wien, werden dadurch immer noch zu stark Hierarchien betont.  “Ein Konferenztisch muss wie ein Wirtshaustisch sein”, so Peschl. Jeder müsse gleichberechtigt sein seine Ideen austauschen können. Für ihn muss ein Büro eine ähnliche Umgebung bieten wie ein Labor. Mitarbeiter sollen darin ihre Ideen ausprobieren und “ohne Furcht vor Konsequenzen” äußern und austauschen dürfen. Auch Fehler sollen erlaubt sein.

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Das sei in vielen Büros, in denen eher eine angespannte Stimmung herrsche, nicht gegeben. Das sieht Lloyd ähnlich: “Bei Innovation ist auch viel Raten dabei.” Um seine Vermutungen frei äußern zu können, müsse man jedoch seine Deckung fallen lassen und das werde oftmals bereits durch die Einrichtung verhindert. Einrichtung, die keine klassische Büro-Atmosphäre vermitteln, zum Beispiel der Timba-Tisch, würden ansonsten eher steife Meetings auflockern.

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Einen Ausblick auf das gemeinsame Arbeiten in der Zukunft gab die “Nice Wall”, die vom Linzer Start-up we-inspire gemeinsam mit Bene entwickelt wurde. Diese interaktive Wand soll das klassische Whiteboard ersetzen und intuitives Arbeiten auf einer digitalen Leinwand ermöglichen.

Keine Zukunft für Home Office

In einem Punkt war sich die Diskussionsrunde jedoch einig: Der Arbeitsplatz werde weiterhin in den Räumlichkeiten des Arbeitsgebers sein, nicht zuhause. Yahoo-Chefin Marissa Mayer schaffte Anfang 2013 das Home Office im eigenen Unternehmen ab und erntete dafür viel Kritik. Aus Sicht der Diskussionsteilnehmer war das aber der richtige Schritt. Gleichzeitig müsse man den Mitarbeitern aber auch mehr Vertrauen entgegenbringen, beispielsweise bei der Urlaubsgestaltung oder dem Verschieben des Arbeitsplatzes im Büro.

(futurezone) Erstellt am 06.10.2014, 06:00

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