Digital Life
13.06.2018

Bildanalyse: Immer weniger Parlamentarier tragen Schnurrbart

Der Politikwissenschaftler Flooh Perlot wollte wissen, was Googles Bildanalysesoftware Vision wirklich kann und hat sie mit mehr als 1700 Porträts österreichischer Abgeordneter gefüttert.

„Die Schnurrbartdichte hat abgenommen“, so lautet die auf Twitter veröffentlichte Erkenntnis von Perlot, nachdem er mehr als 1700 Bilder österreichischer Nationalratsabgeordneter seit 1920, die er auf der Homepage des Parlaments fand, durch die automatische Bilderkennung von Google Vision schickte.

„Spielerei“

 „Es war eine Spielerei, nicht mehr“, sagt Perlot, der von Beruf Poltikwissenschaftler ist, zur futurezone. „Es hat mich interessiert, was das Programm aus Bildern von Abgeordneten macht.“

Mit seiner Cloud Vision API verspricht Google leistungsstarke Bildanalyse. Bilder werden anhand von Tausenden von Kategorien beschlagwortet, auch Stimmungen und Farben sollen erkannt werden.

Tiefschürfende Erkenntnisse ließen sich aus der Bildanalyse keine gewinnen, denn dafür sei sie zu fehleranfällig, meint Perlot, der die Ergebnisse des Experiments auf seiner Website drawingdata.net zugänglich gemacht hat.  Dort kann man die Porträts etwa nach Schlagworten, Emotionen und der Drehung des Kopfes filtern und nach Zeit, Partei und Geschlecht sortieren.

Wahrscheinlichkeiten

In manchen Bereichen, etwa wenn es um das Erkennen von Emotionen gehe, funktioniere die Bildanalyse sehr gut. Auch Bärte, Brillen und ähnliches würden meistens erkannt. Dabei liefere das Programm aber keine absoluten Antworten, sondern Werte zwischen 0 und 1, sagt Perlot. Es werde nur eine Art Wahrscheinlichkeit wiedergegeben. Der Schwellenwert sei mit 0,5 auch sehr niedrig angesetzt. In anderen Bereichen funktioniere die Bilderkennung hingegen kaum. Krawatten würden etwa auf Schwarz/Weiß-Bildern nicht erkannt.

Strohhalme

Interessant sei, wie sich das Programm an bestimmte visuelle Strohhalme klammere, sagt der Politikwissenschaftler. Wenn etwa im Hintergrund ein Notenblatt zu sehen sei, würden dem Bild Eigenschaften zugeordnet, die mit Musik zu tun hätten. Perlot: „Man muss aufpassen, was auf einem Bild drauf ist.“

Generell könne man sagen, dass Abgeordnete heute mehr lachen als früher. Dass sei aber eine gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung: „Früher war es nicht en vogue auf Porträts zu lachen.“ Die Google Bildanalyse stellte bei den Abgeordnetenporträts in den 1990er Jahren auch ein, laut Perlot, „kurzes farbliches Aufbäumen“ fest, das aber bald wieder durch die Dominanz dunkler Farben abgelöst wurde. „Als Laie sehe man Bilderkennung zu verklärt“, sagt der Politikwissenschaftler: „Manche Sachen gehen, andere nicht.“