Digital Life
17.02.2015

BitTorrent will mit P2P-Browser das Web neu organisieren

Mit einem Browser, der auf Peer-To-Peer-Technologie aufbaut, will BitTorrent zentrale Server größtenteils überflüssig machen und Webseiten auf den PCs von Internet-Usern hosten.

BitTorrent, das Unternehmen hinter dem gleichnamigen P2P-File-Sharing-Protokoll, experimentiert mit so genannten Torrent-Webseiten. Diese liegen nicht auf einzelnen, zentralen Servern, sondern sind in P2P-Manier lokal auf Computern der Internet-User gespeichert.

Abgerufen werden können diese P2P-Webseiten mit einer modifizierten Version von Chromium, der Open-Source-Version von Googles Chrome Browser. Ziel dieses Experiments namens Project Maelstrom sei es, die Funktionsweise des Webs durch Dezentralisierung effizienter zu organisieren, erklärt Robert Velasquez, Produktmanager des Project Maelstrom gegenüber der futurezone.

Effizienz bei hohem Traffic

Wird eine Webseite online gestellt, wird der Inhalt auf einem Rechner gehostet. Dank P2P-Technologie speichert jeder Besucher der Webseite einen Teil der Inhalte auf seinem eigenen Computer, sodass die Daten dezentralisiert gespeichert werden. Je mehr Besucher umso mehr Quellen gibt es, von denen die Inhalte bezogen werden können.

Dies wäre vor allem eine Möglichkeit, mit speicherintensiven Webinhalten, hohem Datentransferaufkommen und großen Nutzeransturm effizienter umgehen zu können. Gerade bei Video-Streamingseiten könnte Maelstrom seine Stärken ausspielen.

Außerdem könnte bei Black-Outs oder Naturkatastrophen das Abrufen von Informationen weiterhin gewährleistet werden und ganz nebenbei könnte man DDoS-Attacken großteils einen Riegel vorschieben.

BitTorrent sieht die ganze Sache aber auch etwas ideologischer: "Ursprünglich war das Internet als dezentrales Netzwerk gedacht. Es wurde aber immer zentralisierter. Wir glauben an die Kraft dezentraler Technologien und Project Maelstrom ist ein Schritt in diese Richtung", sagt Velasquez.

Maelstrom Torrent-Browser

Damit das Browsen im P2P-Web nicht zuviel lokalen Speicherplatz in Anspruch nimmt, könne man selbst festlegen, wie viel man von seiner eigenen Festplatte für Torrent-Websites zur Verfügung stellen will, erklärt Velasquez. "Das geschieht auf ähnliche Weise wie bei herkömmlichen Browsern. Der Cache kann auch jederzeit geleert werden."

Der Maelstrom-Browser kann sowohl die im Torrent-Stil gehosteten Websites als auch herkömmliche Webseiten abrufen. Langfristig könnte die "Maelstrom-Technologie" von einem der großen Browser-Anbietern übernommen werden oder per Add-On angeboten werden. "Auch eine mobile Version ist geplant", so Velasquez.

Datenschutz und Sicherheit

Dass diese Art des dezentralen Hostings ein Sicherheitsrisiko, etwa für Man-in-the-Middle-Angriffe, darstellen würde, glaubt Velasquez nicht: " Allen Torrents ist ein 'Info Hash' zugewiesen. Dieser Hash ist verschlüsselt und repräsentiert die tatsächlichen Dateien, auf die die Torrents verweisen. So wird sichergestellt, dass jeder exakt das bekommt, was auch beabsichtigt ist."

"Da kein Database-Layer mit dem BitTorrent-Protokoll verbunden ist, werden sensible Daten wie Passwörter nur lokal auf den PCs der User gespeichert", erklärt Velasquez. Um Bezahlfunktionen anbieten zu können, gäbe es immer noch die Möglichkeit Dritt-Anbieter-Services wie etwa PayPal einzubinden.

Im Laufe des Jahres erhältlich

Maelstrom wird derzeit von ein paar tausend Web-Entwicklern getestet. Einer von ihnen hat bereits ein WordPress-Plug-in entwickelt, mit dem man Torrent-Webpages unkompliziert online stellen kann.

Aktuell kann der Torrent-Browser ausschließlich per Einladung getestet werden. Im Laufe des Jahres soll es dann eine öffentliche zugängliche Version geben.