Great Firewall
11/03/2010

Chinesen surfen mit E-Reader Kindle zensurfrei im Internet

Facebook und andere zensurierte Webseiten können mit dem 3G-fähigen Kindle angesteuert werden. Noch lassen die chinesischen Zensur-Behörden dies zu.

von David Kotrba

Verblüffende Fähigkeiten machen Amazons E-Reader Kindle in China zu einem begehrten Produkt. Das Gerät mit 3G-Konnektivität kann Chinas staatliche Internet-Zensur, meist "Great Firewall" genannt, umgehen. Amazon selbst exportiert den Kindle gar nicht nach China. Dennoch sind die Geräte über Händler etwa auf dem Shopping-Portal Taobao erhältlich. Dort verkauft sich das Gerät für einen Preis zwischen 120 und 380 Euro. Über den Kindle-Browser sind ansonsten gesperrte Seiten, wie Facebook, frei zugänglich.

Ein Verkäufer erzählte der South China Morning Post, er habe 300 Kindle-Geräte im letzten Monat verkauft. Den Datenverkehr auch für den E-Reader zu zensurieren, würde für China keinen allzu großen Aufwand darstellen. :aut Spekulationen über die Gründe für das Schlupfloch könnte Amazons Kindle durch seinen E-Book-Fokus für die Behörden einen harmlosen Eindruck erwecken.

Amazon hat Partner in China

Amazon betreibt ein eigenes 3G-Netz namens Whispernet, das mit Partnern für internationale Anbindung an die eigenen Server sorgt, über welche Daten transferiert werden. Auf einer Netzabdeckungs-Karte von Amazon sind zahlreiche chinesische Städte inkludiert. Ein chinesischer Telekom-Betreiber dient dabei als Trägernetz.

Für viele Käufer könnte der Kindle einen einfachen Weg ins freie Internet darstellen, ohne sich mit technischen Maßnahmen, mit denen man die "Great Firewall" umgehen kann, auseinanderzusetzen, etwa Proxy-Services wie das Tor-Netzwerk.

(David Kotrba)