Digital Life
20.11.2013

Cisco bringt Spitalsysteme auf einen Nenner

Ein neue Lösung macht möglich, dass Krankenhäuser nicht nur national, sondern global miteinander kommunizieren und Gesundheitsdaten austauschen können.

„Wir stehen im Gesundheitssystem vor einer neue Ära“, sagt der Österreich-Chef des US-Technologie-Unternehmens Cisco, Achim Kaspar. Viele Spitäler haben ihre eigenen Datensilos, ihre eigenen Krankeninformationssysteme (KIS) gebaut, und die sind mitunter so gestaltet, dass die Kommunikation untereinander nicht oder (international betrachtet) nur sehr schwer möglich ist. Und diese Krankeninformationssysteme wiederum unterscheiden sich von Kontinent zu Kontinent.

Cisco will dies ändern und hat gemeinsam mit Tiani “Spirit“ auf Basis eines internationalen Standards IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) ein System entwickelt, das einen globalen Austausch von Gesundheitsdaten möglich macht. „Der komplexe Datenaustausch zwischen Spitälern ist nur mit standardisierten Systemen möglich“, sagt Kaspar. „Wir können ein sehr erfolgreiches Referenz-Projekt in Slowenien vorweisen, dort konnten wir 28 Spitäler miteinander verknüpfen; und das in nur sechs Monaten.“ Möglich ist dies durch die Lösung, die Cisco Medical Data Exchange Solution (MDES) genannt wird, also eine Medizinische-Daten-Austausch-Lösung.

IHE Connectathons

„Früher hatte jedes System eine eigene Schnittstelle, mit dem MDES kann man verschiedene Systeme miteinander verbinden, weil sie sich verstehen. Das war nicht immer so, aber seit einigen Jahren werden so genannte „Connectathons“ durchgeführt, das sind Veranstaltungen, bei denen die Platzhirschen der Branche – von AGFA bis GE Healthcare ihre Software auf internationale Standards hin abchecken. Bis zu 500 Software-Ingenieure sitzen in einem Raum und prüfen, wie gut sich die einzelnen Systeme untereinander verstehen. Cisco gemeinsam mit ihrem Partner Tiani “Spirit“ ist seit fünf Jahren mit Abstand Nummer eins auf diesen Connectathons und damit die bei weitem standardisierte Lösung am Markt. „Da die Systeme im Gesundheitswesen nun standardisiert sind, können auch die Kosten für die Gesundheitsprovider gesenkt werden“, sagt Thomas Schwab vom Healthcare Competence Center, bei Cisco für Gesundheitsprojekte verantwortlich.

Musterbeispiel Niederösterreich

Derzeit wird ein Projekt in Niederösterreich realisiert, und zwar werden alle 27 Landesspitäler auf „einen Nenner“ gebracht. In Niederösterreich sind vier verschiedene Krankeninformationssysteme im Einsatz. „Es gibt für Niederösterreich ein Datencenter, in dem alle Patientendaten gespeichert werden“, erklärt Cisco-Österreich-Chef Kaspar. „Jedes Spital ist mit einem Router ausgestattet, der die entsprechenden Daten übernimmt und an das Datencenter standardisiert übergibt.„Das kann man durchaus mit einem Netzwerk vergleichen, das es für alle Krankenhäuser gibt und im dem alle Daten, vom Entlass Brief über die Radiologie samt Bilder, Labordaten und abgespeichert und abgerufen werden können. “ Freilich über sichere Datenverbindungen. Und mit Stresstests werden die Komponenten auf Systemsicherheit abgecheckt. Mit Niederösterreich machte man den Anfang, auch andere Bundesländer, wie etwa Oberösterreich und Kärnten sollen folgen.

Wertschöpfung & Partner

Interessant ist die MDES vor allem auch für die Wertschöpfung eines Landes, weil lokale Partner in die Projekte eingebunden werden bzw. auf dem Cisco-System aufbauen können. In Österreich ist es unter anderem das oberösterreichische Unternehmen X-tention aus Wels. Vor fünf Jahren schon hat Tiani “Spirit“ das Potenzial des Datenaustausches zwischen Spitälern, Ärzten und auch Pflegeheimen erkannt, und auf Basis des Cisco-Systems eine Lösung kreiert, die sie international zu einem der Marktführer gemacht hat.