Digital Life
05.05.2014

"Click Bait": Die neue Macht im Social Web

Sie werden nicht glauben, was Sie hier über den Medienwandel lesen.

Dieser Hund versucht so sehr, sich mit der Katze anzufreunden … du wirst vom Stuhl fallen." So lautet der Titel des aktuellsten Eintrags bei "Heftig", einer neuen Seite aus Deutschland, die seit einigen Monaten das Social Web in Aufruhr versetzt. Noch ein Beispiel: "Das kann doch nicht wahr sein. Was ist mit diesem 7-jährigen Mädchen los?" Reinklicken, liken, sharen. Das simple System ist bereits erprobt. Im englischsprachigen Raum lehren Buzzfeed, Upworthy und Co. klassischen Medien schon länger das Fürchten und generieren zigtausende Likes und Shares, die Währung der sozialen Medien. "Bored At Work Network" - einfach zu konsumierende, leicht unterhaltende Nachrichten - hat Buzzfeed-Gründer Johah Peretti diese neue Art der Nachrichtenseiten genannt und es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis es solche Seiten auch in deutschsprachiger Ausführung geben würde.

Neben "Heftig" bieten aktuell auch das "LikeMag" und "Storyfilter" ein ähnlich like-trächtiges Angebot. Mit ähnlich durchschlagendem Erfolg wie ihre englischsprachigen Vorbilder. Wie Jens Schröder in der auf Social Media-Daten spezialisierten Website 1000flies berichtet, finden sich in den aktuellen Top 25 der Geschichten mit den meisten Likes und Shares 15 Artikel aus den genannten Webseiten. Der Top-Beitrag der vergangenen 30 Tage trägt demnach den unverkennbaren Titel: "Bei dieser 79-Jährigen Tänzerin gähnen zuerst alle… doch plötzlich geschieht etwas Unfassbares…WOW!" mit über 225.000 Likes auf Facebook. Die einfache Geschichte dahinter, mit der Platzhirsche wie bild.de oder Spiegel Online verdrängt wurden: Das Video einer Kandidatin bei der britischen Talenteshow "Britain’s got Talent". Sprich: Große Aufmachung mit wenig Inhalt. "Click-Bait" (Klick-Köder) werden diese absurden Ankündigungstexte genannt.

Sie glauben nicht, was das für ein Erfolg ist

Laut 1000flies hat allein heftig.co damit im April über 1,8 Millionen Reaktionen in den sozialen Medien erreicht. Ein Wert, der die deutsche (und auch österreichische) Medienbranche nicht kalt lassen kann - zumal auch der Aufwand, der dahintersteckt geradezu dreist minimal ist. Im Fall von Heftig, würden vor allem Inhalte von viralnova.com einfach übersetzt, berichtet gefaelltmir.sueddeutsche.de unter Berufung auf den Medienjournalisten Lars Wienand. Der Serverdienst Alexa.com listet die Seite mittlerweile auf Platz 120 aller Internetseiten in Deutschland - und damit 21 Plätze vor der HuffingtonPost Deutschland, die erst im Oktober vergangenen Jahres mit großem medialen Tamtam gestartet war.

Auch wenn die Seiten mit klassischem Journalismus nicht viel am Hut haben, dürften doch sämtliche Verlage längst an eigenen Konzepten arbeiten. Denn dass es sich bei den Seiten um ein kurzfristiges Phänomen handelt, darf angesichts des anhaltenden Erfolgs der amerikanischen Vorbilder bezweifelt werden.