Digital Life
05.11.2018

Cybersecurity Planspiel: "Verbesserungspotenzial schon früh erkennen"

Planspiele bieten auch abseits der Cybersicherheit vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, sagt AIT-Wissenschaftlerin Maria Leitner.

Was tun, wenn kritische Infrastruktur angegriffen wird? Beim Cybersecurity Planspiel des Kuratoriums Sicheres Österreich (KSÖ), das im November vergangenen Jahres stattfand, probten rund 200 IT-Sicherheitsexperten von 32 Behörden und Unternehmen den Ernstfall. Konkret ging es um einen Cyberangriff auf eine industrielle Steuerungsanlage, bei dem mittels Phishing-Angriff Schadsoftware installiert wurde. Die Schadsoftware musste aufgespürt und Abwehrmaßnahmen eingeleitet werden.

"Ziel war es, Behörden, Wirtschaft und Forschung zusammenzubringen und gemeinsam an realistischen und möglichen Szenarien zu arbeiten", erzählt Maria Leitner, Wissenschaftlerin am AIT Austrian Institute of Technology, bei der IKT-Sicherheitskonferenz des Bundesheeres Mitte Oktober in Alpbach. Das AIT stellte für das Cybersecurity-Planspiel die Trainings- und Simulationsplattform Cyber Range bereit.

Vernetzung und Austausch

Es sei darum gegangen, die Vernetzung und den Austausch zu fördern und die neuen gesetzlichen Anforderungen durch die EU-Richtlinie für Netzwerk- und Informationssicherheit (NIS), die Meldepflichten für Unternehmen der kritischen Infrastruktur vorsieht, gemeinsam anzugehen, sagt Leitner zur futurezone. "Das war ein wichtiger Aspekt."

Die Teilnehmer seien aktiv an Computern gesessen, hätten Netzwerkprotokolle analysiert, sich ausgetauscht und ihre Informationen über die Meldeprozesse weitergegeben, erzählt Leitner. Im Sicherheitsbereich sei es wichtig, auch nicht-technische Fähigkeiten und Wissen aufzubauen: "Man muss Informationen teilen und austauschen können. Das sind soziale und kommunikative Aspekte. Auch organisatorische Prozesse müssen durchlaufen werden. "

Problemlösungsaspekte

Welche Vorteile haben Planspiele gegenüber anderen Schulungsmaßnahmen? "Der Vorteil ist, dass man sich merkt, was man erlernt", sagt Leitner. Man könne unterschiedliche Wege oder Prozesse probieren, auf einige davon komme man auch erst während des Planspiels, erzählt Leitner. "Der Problemlösungsaspekt ist ein wichtiger Punkt."

Technologien würden sich sehr schnell ändern, Methoden, Prozesse oder Vorgehensweisen aber nicht, sagt Leitner, die Planspiele auch mit dem Lernen einer Sprache vergleicht: "Training sei wichtig, um zu einer flüssigen Sprache zu kommen."

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Einsatzmöglichkeiten für Planspiele sieht Leitner auch in anderen Bereichen. "Da die Digitalisierung in allen Sektoren vorherrschend ist, gibt es sehr viel Potenzial." Vom Gesundheitssektor über digitalisierte Fabriken bis hin zu Rechenzentren seien viele Einsatzszenarien denkbar: "Überall, wo mit Daten oder digitalen Systemen umgegangen wird, gibt es Möglichkeiten."

Augmented Reality und Virtual Reality

Angedacht wird auch bereits, neue Technologien wie Augmented Reality (AR) oder Virtual Reality (VR) in Planspiele einfließen zu lassen. Es gebe sehr viel Forschung auf dem Gebiet, erzählt Leitner. Das stecke aber noch in den Kinderschuhen. Technologien wie AR und VR würden es ermöglichen, Auswirkungen realistischer darzustellen. "Ich kann sehen, was wirklich passiert."

Planspiele und moderne Trainingsplattformen würden viele Vorteile für Unternehmen und Organisationen bieten. Sie könnten verschiedene Situationen testen und würden dabei auch Raum für Experimente und Diskussionen finden. Teams könnten unabhängig vom Tagesgeschäft auf bestimmte Situation vorbereitet und auf Gefahren aufmerksam gemacht werden. Dabei ergebe sich auch Raum für Handlungsoptionen, sagt Leitner: "Man kann Verbesserungspotenziale schon früh erkennen."

Dieser Artikel ist im Rahmen einer bezahlten Kooperation zwischen futurezone und dem Kuratorium Sicheres Österreich (KSÖ) entstanden.