Digital Life
07.05.2015

Das Ende der Lichtverschmutzung

Das Reduzieren der Lichtverschmutzung im öffentlichen Raum ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft. Mit Smart-City-Konzepten will man dem Problem beikommen.

Frank Sinatra hat vor fast 40 Jahren die Stadt als die besungen, die niemals schläft. Doch diese Schlaflosigkeit ist keine Eigenheit New Yorks mehr. Die meisten Metropolen der Welt, von Hongkong über Wien bis London oder Paris, sind bei Nacht in eine leuchtende Hülle verpackt, in ein Lichtermeer eingehüllt. Chicago ist überhaupt die hellste Stadt in den Vereinigten Staaten.

Wien strahlt (ab)

Seit der Einführung des elektrischen Lichts, also der Erfindung der Glühbirne vor fast 135 Jahren, wird der Nachthimmel immer heller. Nachtaufnahmen von Städten in der Nacht sind zwar schön anzusehen, allerdings machen sie unbewusst auf ein Problem aufmerksam, das Lichtverschmutzung oder Lichtsmog genannt wird. Man muss nicht New York oder Las Vegas als Beispiele strapazieren, Wien strahlt nachts zwei Megawatt an Lichtleistung in den Weltraum ab.

Immer heller

In Europa und in den USA wird der Himmel pro Jahr um durchschnittlich sechs Prozent heller. Es ist jetzt schon hell genug, dass der natürliche Tag- und Nacht-Rhythmus empfindlicher Menschen nachhaltig negativ beeinflusst wird. Schlafstörungen und Depression sind die Folge, weil die Helligkeit die Melatonin-Produktion im Körper senkt.

Auch die Lebensbedingungen vieler Tiere haben sich geändert. Die hellen Städte, Wolkenkratzer und Beleuchtungskörper sind nicht nur Insektenfallen, auch Vögel verlieren die Orientierung. Pro Jahr verenden allein in New York laut Schätzungen fast 100.000 Vögel. Daher wurde in der Stadt, die nie schläft, , eine Initiative gestartet: Im Frühjahr und Herbst soll New York abgedunkelt werden, damit Zugvögel – New York liegt mitten in der Zugvogelroute „Atlantic Flyway“ - nicht die Orientierung verlieren. Zwischen 23 Uhr und Sonnenaufgang werden Beleuchtungen, die nicht benötigt werden, abgeschaltet.

Gebäude sind in Städten Treibhausverursacher Nummer 1

Die Lichtverschmutzung tötet nicht nur Lebewesen und bringt den Biorhythmus der Menschen durcheinander, sondern macht auf ein weiteres Problem aufmerksam – sie ist Teil der Klimaverschmutzung. „Denn in New York werden 80 Prozent der Treibhausgase von Gebäuden verursacht, nur 20 Prozent vom Verkehr“, sagt Kevin Self, Vizepräsident von Johnson Controls, einem US-Unternehmen das sich auf Energieeffizienz-Lösungen in Gebäuden spezialisiert hat, beim Cisco-Summit in Montreal.

Städte effizient zu beleuchten sei einer der Aspekte, der auch in smarten Städten (Smart Citys) bedacht wird. Denn die Lichtproblematik hängt mit anderen energie-relevanten Themen in Gebäuden zusammen: „50 Prozent der Energie in den Gebäuden wird verschwendet, vor allem durch Klimaanlagen, Heizungen, Licht und andere Haussysteme. Daher müssen Gebäude smart werden, also effizienter und produktiver“, sagt Self.

Städte müssen immer smarter werden

Eine Verringerung dieser Lichtverschmutzung würde nicht nur Energie, sondern auch Geld sparen – womit wir wieder beim Thema Smart City wären. Bis ins Jahr 2050 sollen die Treibhausgasemissionen in Europa gegenüber 1990 um 80 Prozent gesenkt werden.

Seit 2010 leben bereits mehr Menschen in Städten als im ländlichen Raum, UNO-Prognosen zufolge werden 2050 etwa 70 Prozent der Menschen in Städten wohnen. Und die sind heute schon für etwa zwei Drittel des Energieverbrauchs und drei Viertel der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich. "Smart Cities, die von der Definition her energieeffizient und nachhaltig sind, sind daher das Um und Auf, wenn wir über die Zukunft der Menschen und die Zukunft des Planeten Erde sprechen", sagt Cisco-Österreich-Chef Achim Kaspar. Österreich könne in diesem Bereich zu einem internationalen Beispiel werden, "wir sind beim Thema Smart Energy gut unterwegs, und daher sollten wir auch das Licht-Thema hinsichtlich der CO2-Problematik smart lösen."

Viele Möglichkeiten

Wenn mehr als zwei von drei Erdenbürgern in Städten wohnen, muss man bei Energie- und umweltpolitischen Konzepten in Städten beginnen. Ob das nun Fernwärmenetze sind, eine gut ausgebaute öffentliche Verkehrsinfrastruktur oder auch aufeinander abgestimmte Beleuchtungssysteme. Die Potenziale zur Reduktion des Energiebedarfs reichen von der Gebäudehülle über hocheffiziente Heiz- und Klimatisierungssysteme bis hin zu stromsparender Beleuchtung und effizienter Geräteausstattung.

Aber die Systeme in den Städten müssen nicht nur smart sein, sondern gezielt auf erneuerbare Energiesysteme setzen. Ob das nun der verstärkte Einsatz von Photovoltaikanlagen ist, Solarkollektoren oder auch Windturbinen an Fassaden und Dächern. Die Häuser in einer smarten Stadt müssen sich zu Plusenergiehäusern entwickeln. Sie müssen mehr Energie produzieren als sie verbrauchen, und damit selbst Strom und Wärme ins Netz einspeisen.