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Digital Life

DaVinciLab: Mädchen müssen für Technik nicht begeistert werden

Der Frauenanteil bei technischen Studienabschlüssen zählt mit knapp 26 Prozent zu den niedrigsten, wie Statistik Austria belegt. Auch in technischen gewerblichen Schulen sind Buben mit über 70 Prozent deutlich überrepräsentiert – ein ähnliches Fazit ergibt sich für technische Lehrberufe. Für Unternehmen und Wirtschaft wäre ein erhöhter Anteil an weiblicher Arbeitskraft jedoch ein Gewinn. Jene Betriebe, die auf Diversität setzen, erbringen mehreren Studien zufolge bessere Leistungen, haben engagiertere Talente und treffen bessere Entscheidungen als jene, die Vielfalt und Integration nicht berücksichtigen.

Es liegt weniger am Interesse, sondern an den zahlreiche Versäumnissen der Technik- und IT-Branche, warum der Frauenanteil nach wie vor gering ist: Bis heute gibt es hier kaum weibliche Vorbilder, dafür aber eine erlebte Benachteiligung sowie Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

"Ich bin überzeugt, dass man Mädchen für die Technik gar nicht wirklich begeistern muss. Es geht eher um die richtigen Rahmenbedingungen, damit alle Mädchen im Laufe deren Ausbildung in Kontakt mit der Technik, mit allen deren Ausprägungen - von Software-Design, Robotik bis hin zu Mediengestaltung und Datenanalyse, kommen", sagt Anna Gawin, CEO des Bildungsunternehmens DaVinciLab. Nur dann können auch alle jungen Frauen deren Talente entdecken.

Frühe Coding-Erfahrung

Um hierbei zu unterstützen hat das DaVinciLab gemeinsam mit dem Verein MadeByKids 2018 den außerschulischen Youth Hackathon ins Leben gerufen. Unterstützt wird der ehrenamtliche Hack-Marathon vom Verein fit4internet und dem Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort. „Wichtig ist für junge Menschen, einmalig in Kontakt mit Coding und Softwareentwicklung zu treten. So können sie entscheiden, ob es ihnen gefällt und sie es weiterentwickeln möchten“, sagt Anna Gawin.

Dass das Interesse von Mädchen und jungen Frauen an Technik groß ist, hat sich vor allem beim heurigen Wettbewerb deutlich abgezeichnet: So haben heuer gleich viele Mädchen wie Buben am Wettbewerb teilgenommen. Insgesamt reichten etwa 1.200 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrlinge zwischen 7 und 18 Jahren über 200 Spiele und mehr als 100 Apps für den von f4i organisierten Youth Hackathon Award ein. Nicht nur fördert der Wettbewerb gezielt die Kreativität der Kinder und Jugendlichen, sondern legt ihnen auch erste IT-Konzepte sowie ein Grundverständnis für die Funktionsweise digitaler Technologien nahe.

Spiele und Apps

Das wirkt, wie die kreativen Projekte zeigen. In einem virtuellen Treffen haben die Gewinnerinnen in den unterschiedlichen Altersgruppen mit Digitalministerin Margarete Schramböck nicht nur über ihre eigens entwickelten Games und Apps gesprochen, sondern auch über ihre Ansprüche an digitale Bildung. Katarina Stojadinovic (21) und Anisa Dsariewa (22) von der Wüstenrot AG haben beim Lehrlingshackathon etwa die Firmen-App “Wüstenrot Infoclick” entwickelt. Die hilft den Finanz-Mitarbeitern, eine Übersicht ihrer Ziele darzustellen und ermöglicht somit eine leichtere Organisation.

Die von den 17-Jährigen Selina Seiter und Lara Paul entwickelte App „Younghealth“ greift hingegen das Thema gesunde Ernährung auf und soll zu einem gesünderen Lifestyle inspirieren. Durch ein Foto von einem oder mehreren Lebensmitteln und bei Eingabe von etwa Frühstück, Mittagessen oder Abendessen, schlägt die App gesunde Rezepte vor, die diese Lebensmittel enthalten.

Die jüngsten Gewinnerinnen sind mit 12 Jahren Julia Gawin und Theresia Schmutz. Sie haben mit dem Spiel „You Decide“ den Award für sich entscheiden können. „In diesem Spiel geht es um ein Mädchen, das sich gesund ernähren will“, sagt Julia. Dafür muss es gesunde und ungesunde Nahrungsmittel einsammeln. Bei ungesunden gibt es Minuspunkte.

In dem Spiel "You Decide" muss die Figur gesunde Lebensmittel einsammeln.

Gute Aussichten

Die 12-Jährigen können sich gut vorstellen, einmal im Technik-Bereich zu arbeiten: „Technologie wird in Zukunft eine große Rolle spielen, daher finde ich es wichtig, sich in diesem Bereich auszukennen“, so Julia. Woran es ihnen zufolge jedoch heute in den heimischen Schulen noch mangelt, sei eine ausreichende technische Ausstattung und das nötige Knowhow. Ihnen zufolge sollten nicht nur Lehrer besser über Computer und Programme geschult werden, sondern auch die Schüler erlernen, wie sie Technologien verwenden können, um Innovationen zu schaffen.

Das soll in Zukunft auch geschehen, wie Margarete Schramböck ihnen mitteilt. „Ab Herbst nächsten Jahres, bekommen alle Schüler in der 1. und 2. Klasse der Sekundarstufe ein mobiles Endgerät. Dann kommt die nächste Stufe und spätestens in 4 Jahren haben wir alle Klassen durch“, sagt sie. Für Lehrkräfte werde es zudem vorausgewählte, einheitliche Software geben, mit der sie unterrichten. Digitales Knowhow soll künftig in verschiedene Unterrichtsthemen und Fächer einfließen und Programmieren etwa Teil der Mathematik werden. Schließlich soll laut Schramböck jede Schule mit gutem WLAN ausgestattet werden.

Da zahlreiche Unternehmen laut Schramböck Coding-Lehrlinge suchen, wurde zudem die Digitallehre vor allem für junge Frauen mit Interesse an technischen Berufen geschaffen. Nach dem Lehrabschluss sei ein Studium immer noch möglich. „Es geht darum, dass jungen Frauen es Spaß und Freude macht, in diesem Bereich aktiv und kreativ zu sein“, sagt die Ministerin. Es braucht nur Möglichkeiten, die sie auch nutzen können.

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Andreea Iosa

Andreea Iosa hat im Juni 2019 das Team von futurezone verstärkt. Davor hat sie beim KURIER für die wöchentlich erscheinenden Magazine IMMO und JOB KURIER sowie für den Weekend Verlag und der Nachrichtenagentur pressetext geschrieben.

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