Auch bei Dell spielt Design eine große Rolle

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Elektronikbranche
01/15/2015

Dell-Designer: „Apple hat ein gutes Tempo vorgelegt“

Gutes Design bei Elektronikgeräten wird in der medialen Öffentlichkeit meist nur Apple zugeschrieben. Zu Unrecht, sagt Dell-Designchef Ken Musgrave im futurezone-Interview.

von Martin Stepanek

Wenn man an Dell denkt, ist Design normalerweise nicht das erste, das einem einfällt…
Ja, und das ist wirklich schade. Es hat wohl damit zu tun, dass viele Leute Dell als Consumer-Firma wahrnehmen. Obwohl wir auch dort tolle Produkte haben, auf die wir sehr stolz sind, liegen unsere absoluten Design-Stärken bei den Business-Geräten. Da heben wir uns von der Konkurrenz ab.

Inwiefern unterscheidet sich der Design-Zugang bei einem Business-Gerät?
Für Business-Kunden sind sie die Werkzeuge, von denen ihr Geschäft abhängt. Sicherheit, Verlässlichkeit, Ergonomie, aber natürlich auch Leistung spielen eine entscheidende Rolle. Aber auch, dass Akkus in Notebooks austauschbar sind und Festplatten in unseren Desktop-Geräten vorne einfach entfernt werden können.

Im Business-Segment schlägt Funktionalität also immer schickes Aussehen?
Es darf nie um oberflächliche Design-Spielereien gehen. Vielmehr muss man Business-Kunden erklären können, warum man in einem Produkt etwas so oder so gestaltet hat. Am Arbeitsplatz ist es wichtig, dass Anschlüsse von vorne zugänglich sind oder man den defekten Stromadapter bei Workstations in weniger als einer Minute tauschen kann anstatt zwei Tage zu verlieren. Man muss eigentlich nur auf das Feedback von Kunden hören.

Nervt es, dass eigentlich immer nur Apple so viel Anerkennung für gutes Design bekommt? Oder hat deren Designverliebtheit die Branche schon geprägt?
Beim Thema Design hat Apple ein gutes Tempo etabliert. Und natürlich schaut man immer, wie man gewisse Errungenschaften übertrumpfen kann bzw. selber etwas entwickelt, was die Industrie so noch nie gesehen hat. Natürlich ist Apple auch Konkurrent, wir sind aber in vielen Bereichen tätig und auch federführend, wo Apple gar nicht vertreten ist. Für robuste Business-Lösungen - etwa für den Outdoor-Einsatz - haben wir Materialien entwickelt, die es in dieser Form noch nicht gab.

Wie oft hört man als Designer im Produktionsprozess, dass etwas nicht machbar ist?
Dauernd! In Wahrheit arbeitet die ganze Industrie mit denselben Zulieferern, die uns dann sagen, was alles nicht geht. An einem bahnbrechenden Verarbeitungsverfahren, mit dem ultraflache leichte Magnesiumgehäuse hergestellt werden können, haben wir vier Jahre lang gearbeitet und selber schon fast aufgegeben. Schließlich ein fertiges Produkt in den Händen zu halten, das auf diese Weise noch nie hergestellt wurde, ist eine unglaubliche Erfahrung.

Apple-Designer Jonathan Ive gilt als Fan des Braun-Stardesigners Dieter Rams und greift immer wieder Designideen in aktuellen Produkten auf, die vor Jahrzehnten bereits von Braun umgesetzt wurden. Was macht dieses Design offenbar so zeitlos?
Vieles der Design-Formensprachen von Braun bzw. Dieter Rams ist eng mit der in den 50er-Jahren gegründeten Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG Ulm) verbunden. Der ästhetische Zugang, dass Schönheit bei einem Gerät durch Simplizität erreicht wird, spricht viele Produktdesigner in der Branche an.

Das bestimmt auch viele unserer Überlegungen. Was kann man tun, um ein Gerät bzw. die Teile, aus dem es zusammengesetzt ist, zu vereinfachen? Da kommen die bereits angesprochenen neuen Fertigungsprozesse ins Spiel. Hatten wir früher 8 Grundelemente, aus dem ein Notebook zusammengesetzt wurde, sind es heute nur noch vier. Dadurch werden diese schönen, flachen und noch dazu leichten Geräte überhaupt erst möglich.

In den vergangenen Jahren hatte man das Gefühl, dass viele Technologie- und Design-Innovationen im Consumer und nicht im Businessbereich passierten. Sehen Sie das ähnlich?
Bis vor einigen Jahren war es etwa im Notebook-Segment so, dass technische und Material-Errungenschaften zuerst im Business-Bereich etabliert wurden und später aufgrund des Preisdrucks mit Abstrichen in Consumergeräten landeten. Durch den starken Boom bei mobilen Geräten und der „Bring your own device“-Mentalität am Arbeitsplatz hat sich hier einiges verschoben. Viele Firmen gehen mittlerweile aber wieder davon weg, jedes x-beliebige Gerät im Firmennetzwerk zu erlauben, eben weil Sicherheitsanforderungen oder produktives Arbeiten nicht gewährleistet werden können.

Auf welche Dell-Errungenschaft der vergangenen Jahre sind Sie besonders stolz?
Dass Flachbildschirme sich am Desktop so schnell durchsetzen konnten, ist zu einem großen Teil Dell zu verdanken. Dieser Umstand ist vielen vielleicht nicht bewusst, aber die natürliche Preisentwicklung nach unten wäre ohne Dell viel langsamer verlaufen. Stolz können wir auch auf neue Geräte wie unser Dell-Tablet Venue 8 7000 Serie sein, das derzeit nicht nur das dünnste Tablet der Welt ist, sondern von einigen Medien schon als Anwärter für das beste Tablet des Jahres gehandelt wird.

Zur Person: Ken Musgrave ist langjähriger Leiter der Sparte Industrial Design und Usability bei Dell

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