Digital Life
17.09.2013

Der Zero-G-Hyperloop in den Alpen

Parabelflug-Pilot Paul Bierl will Österreichs Berge um eine futuristische Attraktion bereichern. Für seine Idee sucht er visionäre Partner wie Hyperloop-Erfinder Elon Musk.

"Stargate" lautet der vorläufige Name für eine Konstruktion, die es zahlenden Kunden erlauben soll, Schwerelosigkeit zu erleben, ohne dafür in ein Flugzeug zu steigen oder ins Weltall zu reisen. Das Prinzip, das dabei zur Anwendung kommen soll, ist jenes des Parabelflugs. Statt die Phase zwischen Steig- und Sinkflug in einer "Zero-G"-Umgebung verbringen zu können, soll dies in einer bodengestützten Anlage möglich werden.

Ähnlichkeit zu Hyperloop

Paul Bierl, dem Erfinder von "Stargate", schwebt eine Art "Hyperloop" in den Alpen vor. Der Hyperloop ist eine von Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk vorgeschlagene Transportlösung, bei der Menschen zwischen Großstädten in Kapseln mit Schallgeschwindigkeit durch eine Vakuum-Röhre geschickt werden. Die Rohrpost für Menschen wurde unlängst vorgestellt und sorgte für großes Aufsehen.

Die Pläne für "Stargate" gab es schon lange davor, betont Paul Bierl. Der Landwirt und Pilot hat jahrelang mit seiner Frau und Freunden an dem Konzept getüftelt. Elon Musks Hyperloop erinnerte ihn stark an das eigene Projekt. Auch bei "Stargate" sollen Menschen in einer Kapsel durch eine Röhre transportiert werden, in der geringerer Luftdruck oder gar Vakuum für weniger Widerstand sorgen sollen.

Mit 280 km/h über den Berg

Im Gegensatz zum Hyperloop soll Stargate aber nicht über relativ flaches Terrain führen, sondern über einen Berg. Der Berg soll als Fundament für eine möglichst perfekte Parabelkurve dienen. Bierls Plan sieht einen Höhenunterschied von 1.500 Metern zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Bahnpunkt vor. Inklusive Anlauf- und Auslaufweg soll die gesamte Streckenlänge sechs Kilometer betragen.

Die Kapsel im Inneren der Stargate-Röhre soll wie bei einer Magnetschwebebahn reibungslos auf einer Schiene aus Elektromagneten bewegt werden. Durch Elektromagnetismus soll die Kabine sowohl auf bis zu 280 km/h beschleunigt als auch abgebremst werden. Alles zusammen bedeute laut Bierl eine Anlage, die wetterunabhängig ist, das ganze Jahr über betrieben werden kann, ohne fossilen Treibstoff auskommt und gleichmäßige Schwerelosphasen erzeugt.

Alpen als idealer Standort

Die Alpen seien als Standort für das Stargate aufgrund ihrer Topografie perfekt, meint Bierl. Die touristische Infrastruktur sei aufgrund der zahlreichen heimischen Skigebiete gegeben. Stargate solle aber nicht alleine durch Privatpersonen genutzt werden. Industriepartner könnten durch die Anlage Anwendungen in der Schwerelosigkeit testen. Auch Praxistrainings für Profi-Raumfahrer könnte man darin abhalten.

Pro Fahrt sollen sechs zahlende Passagiere in einer Kapsel chauffiert werden, die in etwa dieselben Innenausmaße wie ein Modul der Internationalen Raumstation aufweisen soll. Begleitet werden die sechs Passagiere von drei Instruktoren. Während einer Fahrt wird man zehn Mal über den Berg geschossen. Bei jedem Durchgang erlebt man rund 20 Sekunden Schwerelosigkeit, insgesamt also rund drei Minuten. Der Preis für eine Fahrt soll 600 bis 700 Euro pro Person betragen.

Erfahrung

Die Kosten stünden laut Bierl in einem fairen Verhältnis zum Erlebnis der Schwerelosigkeit: "Schwerelosigkeit ist für viele eine Erfahrung, an die man sich immer erinnern wird, die einem niemand wegnehmen kann." Im Falle von Stargate sollen die Passagiere frei in der Kabine schweben können. Dieses Erlebnis bot Bierl bereits zwischen 2002 und 2005 in einem Flugzeug an.

Den Parabelflügen in einem gecharterten Flugzeug wurde jedoch durch neue behördliche Auflagen und der Sorge des Charterunternehmens vor einem erhöhten Triebwerksverschleiß der Riegel vorgeschoben. Bierl setzte seine Leidenschaft fort, indem er bis heute mit seinem Unternehmen blufly Passagiere in Segelflugzeugen die Schwerelosigkeit näherbringt. Zwar am Sitz angeschnallt, dafür mit der einen oder anderen Flugakrobatik-Einlage durch Kunstflug-Piloten.

Schwierige Investorensuche

Die Erfahrungen von Bierls Team bei Parabelflügen führten zu einem engen Erfahrungsaustausch mit Vertretern der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Auch der ESA legte Bierl laut eigenen Aussagen seine Pläne für sein bodengestütztes Zero-G-Projekt vor. Eine gemeinsame Weiterentwicklung des Konzepts scheiterte aber. Nun sucht Bierl nach Investoren, um Stargate zu verwirklichen.

Die Wunschpartner tragen bekannte Namen: Mateschitz, Branson oder Musk. Mit Red Bull hat Bierl bereits Verhandlungen aufgenommen. Diese endeten jedoch mit einer Absage. Kontakt mit finanzstarken Vordenkern wie Virgin-Gründer Richard Branson oder Elon Musk aufzunehmen, ist wiederum sehr schwierig. Banken erschien Bierls Projekt bisher zu riskant. Auch bei der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft blitzte Bierl ab.

Mit einem auf Achterbahn-Bau spezialisierten Ingenieursbüro in München klärte Bierl die Machbarkeit seines Konzepts ab - mit positivem Resultat. In München wurde auch eine Kostenschätzung vorgenommen. Demnach ist von Errichtungskosten von rund 66 Millionen Euro auszugehen. Die jährlichen Betriebskosten würden sich auf rund 14 Millionen Euro belaufen. Dank der Einzigartigkeit des Projekts sowie dem Werbewert sollte Stargate allerdings Bierls Ansicht nach hochprofitabel sein.

Offene Fragen

"Interessierte Konstrukteure sind vorhanden, aber zuerst muss genügend Geld vorhanden sein", fasst Bierl die Lage zusammen, räumt aber auch ein, dass es noch offene Fragen gebe. Das Design der Parabel-Bahn sei etwa variabel. Jene könne auf einer Magnetschiene schwebend in einem Tunnel oder auf klassischen Schienen unter freiem Himmel fahren. Auch die Bauweise der Passagierkapsel sei variierbar, ebenso wie der Antrieb.

Ungeklärt ist auch noch die Frage der Sicherheitseinrichtungen. Wie bewerkstelligt man etwa einen Notstopp, wenn man mit 280 km/h eine Bergflanke hinunterbraust? Welche Folgen hätte eine natürlich oder künstlich herbeigeführte Unterbrechung der Strecke? Auch der Energieverbrauch von Stargate kann derzeit nur grob geschätzt werden. Das Projekt könnte professionelle Hilfe gut gebrauchen, sowie jede Menge Pioniergeist. Bierl: "Am liebsten wäre mir ein Investor, der persönlich involviert wäre und genügend Einfluss hat."