Digital Life
28.12.2010

Diaspora: Das Anti-Facebook im ersten Test

Das Soziale Netzwerk Diaspora steht seit Mitte November in der Alpha-Phase auf Einladungsbasis bereit. Der Facebook-Konkurrent will vor allem mit Offenheit und Transparenz punkten. Bisher sind die Funktionen des Dienstes nur sehr begrenzt nutzbar. Die Idee dahinter ist aber stimmig.

Ein Soziales Netzwerk auf Open-Source-Basis, das die Privatsphäre der Nutzer achtet, diesen die Kontrolle über ihre Informationen gibt und bei dem die Sicherheit der Daten nicht zu kurz kommt: Das ist der Grundgedanke des Sozialen Netzwerks Diaspora, das von vier Studenten der New York University gegründet wurde und seit Anfang Mai diesen Jahres für einiges an Aufsehen gesorgt hat. Nach einem arbeitsreichen Sommer und einer Übersiedlung von New York nach San Francisco standen am 23. November die Alpha-Einladungen für den Dienst bereit.

Die FUTUREZONE hat die Alpha-Version des neuen Sozialen Netzwerks unter die Lupe genommen. Erhält man eine Einladung, kann man sich derzeit über den Pod "joindiaspora.com" registrieren und einloggen. Man legt dazu ganz normal einen Nutzer mit Passwort an. Im Anschluss kann man ein Profilbild hochladen, seinen Nutzernamen, Vor- und Nachnamen, sein Geburtsdatum und das Geschlecht eingeben. Hierfür gibt es allerdings kein vordefiniertes Eingabefeld, auch "Transgender"-Einträge sind somit möglich.

Bilder extern noch nicht sichtbar

In Folge kann man das Diaspora-Profil mit seinem Facebook- und Twitter-Account verbinden. Dies ermöglicht, dass Status-Einträge, die man auf Diaspora tätigt, auch auf Facebook oder Twitter erscheinen. Mit Text-Einträgen funktioniert dies bereits. Wenn man ein Bild hinzufügt, bekommt man jedoch eine "500: Internal server error"-Fehlermeldung, wenn man auf Twitter oder Facebook den entsprechenden Link anklickt. Zudem funktioniert Diaspora mit den Browsern Internet Explorer 6 und Firefox 2.0 nicht, auch hier kommt es zu Fehlermeldungen.

Gruppenfunktionen mit " Aspekten"

Die wichtigsten Merkmale von Diaspora sind die Gruppierungen nach "Aspekten". Hier sind "Familie" und "Arbeit" bereits vorgegegeben. Diese Aspekte lassen sich jedoch je nach Belieben erweitern, oder auch löschen. Auf der rechten Seite der Website werden die jeweiligen Mitglieder der einzelnen Gruppierungen angezeigt. Dies geschieht derzeit nur über das User-Icon. Wenn die Nutzer, mit denen man verbunden ist, noch kein Bild ausgewählt haben, muss man mit der Maus über das Standard-Icon scrollen, um den Namen in Erfahrung zu bringen. Dies ist aus "User Interface"-Entwicklersicht sicherlich ein Manko.

Unter dem übersichtlich platzierten Button "Aspekte verwalten" lassen sich per Drag & Drop neue Kontakte relativ unkompliziert in die Gruppe seiner Wahl ziehen. Das Akzeptieren von neuen Kontakten gestaltet sich daher als sehr einfach. Neue Kontaktanfragen werden zudem über ein Briefkasten-Symbol in der obersten Taskleiste mit einer Ziffer angezeigt. Man kann dann entscheiden, welcher Kategorie man dem neuen Kontakt Zugang gewährt.

Daten vorsichtig verbreiten

Die "Aspekte"-Kategorie ist eines der Kernstücke von Diaspora. Damit soll sichergestellt werden, dass man als Nutzer nur die Daten teilt, die man auch tatsächlich preisgeben will. So können etwa harmlose Partyfotos auch mit den Arbeitskollegen geteilt werden, die Fotos vom Strand im Bikini jedoch nur mit der eigenen Familie. Dabei wird niemand sichtlich ausgegrenzt, sondern die jeweiligen Kontakte bekommen gar nicht mit, dass der Nutzer für andere Gruppen weitere Inhalte bereit gestellt hat. Den Arbeitskollegen schreibt man etwa "Gehen wir um 13 Uhr Mittagessen in die Kantine?", der Familie ein "Heute ist die Arbeit wieder besonders anspruchsvoll."

Dieses Konzept ist rasch zu durchschauen und funktioniert. Natürlich lassen sich auch Nachrichten mit allen "Aspekten", oder gar der "Öffentlichkeit" teilen. Dies funktioniert derzeit einwandfrei, solange man keine Bilder mit der Öffentlichkeit teilen möchte. Dies führt derzeit extern zu einer Fehlermeldung, intern sind die Bilder sehr wohl für alle "Aspekte" (also hinzugefügte Kontakte) sichtbar.

Einfaches Löschen möglich

Unter dem Menüpunkt "Kontoeinstellungen" lassen sich beispielsweise die Sprache einstellen, das Passwort ändern, E-Mail-Benachrichtigungen abstellen, seine Daten als .XML-Datei und seine Fotos runterladen, oder aber auch das Konto schließen. Dieser Button ist, im Gegensatz zum Sozialen Netzwerk Facebook, sehr übersichtlich und prominent platziert worden - man kann sein Konto somit jederzeit löschen. Nach der Frage "Bist du sicher?" und einer entsprechenden Antwort wird das Profil gelöscht.

Wenn man zudem nicht in der Diaspora-Suche aufscheinen möchte, kann man dies unter dem Menüpunkt "Profil" einstellen. Der Dienst ist in der Alpha-Phase zudem bereits in insgesamt 26 Sprachen verfügbar, darunter auch "Deutsch". Die Inhalte der "JoinDiaspora"-Website werden außerdem via HTTPS (HyperText Transfer Protocol Secure) abhörsicher übertragen.

Noch keine privaten Nachrichten

Was derzeit noch fehlt, ist etwa die Möglichkeit, private Nachrichten auszutauschen. Wenn man eine Status-Meldung mit einem "Aspekt" teilt, können dies derzeit alle Kontakte, die diesem Aspekt angehören, einsehen. Als vorübergehende Lösung lassen sich für "Privatgespräche" auch eigene "Aspekte" anlegen - man kann Kontakte schließlich relativ einfach mehreren "Aspekten" zuordnen.

"Pods" als Server

Für "einfache Nutzer" enden hier die Möglichkeiten des neuen Sozialen Netzwerks. Allerdings bleibt noch zu erwähnen, dass Diaspora keine einzelne Website ist, sondern eine Kollektion von verschiedenen Websites mit URLs, die von verschiedenen Personen betrieben werden können. Die Server, die auch Pods genannt werden, basieren auf derselben Software und kommunizieren miteinander. Wenn der Dienst wächst, soll es auch immer mehr Pods geben. Derzeit wird der offizielle Pod über joindiaspora.com betrieben. Webaffine Personen können jedoch bereits eigene Pods aufsetzen, Diaspora stellt dazu eine Anleitung bereit.

Als Diaspora Anfang Mai die Entwicklung des offenen Netzwerks angekündigt hat, war das Bedürfnis bei vielen Menschen, dem Sozialen Netzwerk Facebook den Rücken zu kehren, groß. Das Netzwerk ließ in der Vergangenheit immer wieder mit Datenschutzproblemen aufhorchen und änderte ohne Zustimmung der Nutzer häufig die Datenschutzbestimmungen. Die Privatsphäre-Einstellungen galten zudem lange Zeit als intrasparent. Trotzdem ist das Netzwerk weiter gewachsen und umfasst jetzt mehr als 500 Millionen Mitglieder weltweit.

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( Barbara Wimmer)