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Multimodalität

Eine App, um alle Verkehrsmittel zu benutzen

Eines der österreichischen Unternehmen, die beim UITP Weltkongress in Mailand Anfang Juni vertreten waren, ist Fluidtime. Das auf IT-Systeme für Mobilitätsdienstleister spezialisierte Unternehmen präsentierte bei einem der Fachvorträge auf der Nahverkehrsmesse das Projekt smile, das im Mai 2015 beendet wurde. Bei smile ging es darum, eine integrierte Mobilitätsplattform zu schaffen, mit der Nutzern die multimodale Fortbewegung - also die Nutzung unterschiedlichster Verkehrsmittel um ein Ziel zu erreichen - möglichst einfach gemacht werden sollte.

Alles in einer App

Während es bereits einige Apps gibt, die Routen auf unterschiedliche Verkehrsmittel aufteilen und genaue Auskünfte über Reisedauer und -Kosten geben können, sollte smile mehr können. Bei dem Projekt, das von den ÖBB und den Wiener Stadtwerken geleitet und von insgesamt 17 Projektpartnern unterstützt wurde, entstand eine App, über die Nutzer verschiedene Verkehrsmittel buchen und bezahlen können.

Die Wahl der Verkehrsmittel wird an die individuellen Voraussetzungen des Nutzers angepasst. Ein Nutzer erhält ein eigenes Mobilitätsprofil. Darin sind seine Mitgliedschaften (etwa Vorteilscard der ÖBB, Jahreskarte der Wiener Linien) und seine Fahrzeuge (etwa Fahrrad oder Auto) verzeichnet. Die Angaben werden bei der Routenwahl berücksichtigt.

Ein intelligenter Algorithmus entscheidet bei vorgegebener Route außerdem über die Relevanz der verfügbaren Verkehrsmittel. Bei allzu häufigem Umsteigen mit Öffis wird etwa der direkte Weg mittels Carsharing bevorzugt. Für die technische Umsetzung bei smile verantwortlich war Fluidtime.

Komfort

Bei seinem Vortrag betonte Fluidtime-Gründer und CEO Michael Kieslinger die Bedeutung von Komfort, um Personen zur Benutzung von Mobilitätsdiensten zu motivieren. Seiner Meinung nach muss sich eine integrierte Mobilitätsplattform genau an die Bedürfnisse ihres Nutzers anpassen. Bei smile kann der Nutzer etwa eine Auswahl der am liebsten benutzten Verkehrsmittel treffen. Routen können nach verschiedenen Kriterien gewählt werden: Kürzeste Dauer, kürzeste Strecke oder geringster Kohlendioxid-Verbrauch.

Soll ein neuer Mobilitätsdienst benutzt werden, so kann man sich direkt über die App bei diesem anmelden. Das langwierige Ausfüllen von Anmeldeformularen soll entfallen, stattdessen sollen alle notwendigen Angaben von der App übermittelt werden. Dabei wird jeweils der minimal notwendige Datensatz verwendet.

Bezahlung

Die App speichert auch die Zahlungsinformationen des Nutzers. Während des Pilotprojekts konnten Nutzer zwischen Kreditkarte und Lastschrift wählen. In einem endgültigen Produkt würde die App noch weitere Zahlungsmöglichkeiten anbieten. Wird eine bestimmte Route gewählt, so können von der App automatisch alle dafür notwendigen Tickets gekauft und Buchungen vorgenommen werden.

Zur Validierung - etwa von Öffi-Tickets - soll NFC zum Einsatz kommen. Alternativ können Öffi-Tickets als QR-Code am Smartphone-Display angezeigt werden. Bei Taxifahrten erhalten die Nutzer eine Prognose der Fahrtkosten. Am Ende der Fahrt soll der Fahrgast dem Fahrer die endgültige Summe mit nur einem Fingertipp bestätigen. Auch hier soll das Zücken der Geldbörse entfallen.

Die Multimodalitäts-App smile soll die Kombination verschiedener Verkehrsmittel erleichtern

Erfahrungen

Laut den Ergebnisse einer Befragung der Testnutzer von smile zeigten sich 75 Prozent zufrieden mit dem Dienst. 48 Prozent gaben an, durch die Nutzung von smile häufiger öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. 21 Prozent verwendeten den privaten PKW seltener. 26 Prozent der Befragten kombinierten Öffis und PKW häufiger, 20 Prozent fuhren häufiger mit Öffis und Fahrrad.

Die ÖBB und die Wiener Stadtwerke wollen die Fortschritte von smile nun für separate Nachfolgeprojekte nutzen. Die Wiener Stadtwerke haben dabei angeblich einen Dienst speziell für den Großraum Wien im Sinn, die ÖBB einen Dienst für ganz Österreich.

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David Kotrba

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