Er kommt: Der Elektroantrieb - früher oder später

© Jürg Christandl

Leistungsschau
09/22/2013

Elektromobilität sucht nach noch mehr Auftrieb

Elektrofahrzeuge und Infrastruktur sind bereit für Kunden, signalisierte das "E-Mobility on Stage"-Event in Wien. Mehr Anreize sollen nun Fahrer zum Umstieg bewegen.

von David Kotrba

Noch ist zwar einiges in puncto Infrastruktur und Anreizen zum Umstieg auf "saubere" Fahrzeuge zu tun, aber prinzipiell ist die Elektromobilität technisch schon sehr fortgeschritten. Dies ist eine der Kernbotschaften, welche die Elektromobilitätsallianz Austrian Mobile Power mit ihrem Event "E-Mobility on Stage" neben dem Wiener Burgtheater vermitteln wollte. Zwei Tage lang konnte man bei der offenen Veranstaltung kostenlos E-Bikes oder E-Trikkes testen oder sich über verschiedene Ladenetze und andere Produkte zur E-Mobilität informieren.

Mehrere Fahrzeughersteller präsentierten Modelle mit Elektroantrieb. Erstmals in Österreich wurden der VW E-UP! und der Ford Focus Electric präsentiert. Daneben konnte man auch unter anderem den Citroen C-Zero, den Opel Ampera, den Renault ZOE oder den Tesla Model S sehen. Mit den meisten Elektroautos vor Ort konnte man auch eine kostenlose Testfahrt durch die Wiener Innenstadt machen.

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Bedeutung für Österreich

"Bei dieser Veranstaltung im Herzen Wiens soll ein breites Publikum hautnah erleben, wie viel Spaß e-mobile Fortbewegung macht und wie viele marktreife Produkte es bereits gibt", meint Heimo Aichmaier, der Geschäftsführer von Austrian Mobile Power. Unterstützt wird die Veranstaltung auch vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT). Ministerin Bures betont bei der Eröffnung am Freitag auch die unternehmerische Perspektive auf Elektromobilität: "Dieser Wirtschaftszweig gewinnt für heimische Unternehmen zusehends an Wichtigkeit."

Österreichs Automobilindustrie bemüht sich, beim Elektrofahrzeug-Trend an vorderster Front mitzuwirken, um Arbeitsplätze und Wertschöpfung abzusichern. Das Land soll weiterhin ein attraktiver Standort für die Automobilindustrie bleiben. Wie man bei "E-Mobility on Stage" sehen kann, forscht etwa Bosch in Österreich an Hard- und Softwarelösungen für Elektrofahrzeughersteller oder Ladeinfrastruktur-Betreiber.

Statistisch belegtes Wachstum

Dass Elektrofahrzeuge im Kommen sind, mag zwar im täglichen Verkehr noch wenig auffallen, wird aber von der Statistik belegt. 2012 wurden 45.000 E-Bikes verkauft, was ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. 2012 wurden 2.600 Elektro- und Hybridfahrzeuge neu zugelassen. Die Anzahl hat sich seit 2009 mehr als verdoppelt. Momentan sind rund 9.500 Elektro- oder Hybridfahrzeuge auf Österreichs Straßen unterwegs - wobei der Großteil auf Hybridautos entfällt.

Bei der Ladestelleninfrastruktur findet ein langsamer, aber stetiger Ausbau statt. Erst unlängst wurde mit Smatrics ein neuer Marktteilnehmer in diesem Bereich vorgestellt. Derzeit gibt es in Österreich rund 2.000 Ladepunkte, wobei private Anlagen inkludiert sind. Dagegen sind erst rund 100 intelligente Ladesäulen im Einsatz. Hier bestehe noch einiger Handlungsbedarf, meint Heimo Aichmaier. Ein Entwurf der EU-Kommission sieht 116.000 Ladepunkte für das Land bis 2020 vor. Mit maximaler Anstrengung seien allerdings eher 70.000 Ladepunkte realistisch.

Integration in Flotten

Großes Potenzial für den Ausbau der Elektromobilität stecke in der Integration von Elektrofahrzeugen in die Flotten von Unternehmen. "Elektroautos sind gut für Einsätze, bei denen kalkulierte Runden gefahren werden, etwa im Zustellverkehr", meint Aichmaier. Ein vermehrter Einsatz in Flotten hätte eine große Hebelwirkung. 56,7 Prozent aller PKW-Neuzulassungen erfolgten 2012 für den Flottenbetrieb. Ein Anstieg bei Elektroautos in Flotten würde auch den Gebrauchtwagen-Markt ankurbeln. Aichmaier: "So werden E-Autos Schritt für Schritt auch breiter und zu günstigeren Preisen verfügbar."

Stecker-Landschaft

Ein klarer Fortschritt ist bei der Vereinheitlichung von Steckersystemen zu erkennen. Gab es früher einen Konkurrenzkampf verschiedener Stromstecker aus Europa, Asien und Amerika, so gäbe es nun eine europäische Einigung und eine klare Tendenz hin zu so genannten Typ-2-Steckern. Daneben ist das japanische CHAdeMO-System sehr verbreitet. Aichmaier sieht in den verschiedenen Steckern kein Problem. "Ladesäulen werden in Zukunft einfach beides bereitstellen. Wie heute auf der Tankstelle, wo man Normalbenzin, Super oder Diesel tankt."

Interoperabilität

Was beim Aufladen von Elektrofahrzeugen besonders wichtig sei, sei Interoperabilität, meint Aichmaier: "Unterschiedliche Ladesäulen müssen mit unterschiedlichen Elektrofahrzeugen kommunizieren können." Auch das Stromtanken bei verschiedenen Anbietern sei ein großes Thema. "Da leben wir in einer spannenden Zeit. Wird ein anbieterübergreifendes System entstehen oder nicht?" Momentan gäbe es individuelle Verträge zwischen einigen Stromanbietern, um den jeweiligen Kunden eine möglichst weitreichende Versorgung zu bieten.

Konkrete Anreize gefragt

Schlussendlich sei auch die Politik gefragt, um erfolgversprechende Anreize für potentielle Elektrofahrer zu setzen. Die Befreiung von der NOVA und der Versicherungssteuer ist der Status quo. Abgesehen davon sollte man aber auch Vergünstigungen oder den Erlass von Parkgebühren oder der Autobahnmaut andenken, meint Aichmaier. "Eine Ankaufsförderung ist nicht dauerhaft durchführbar. Aber man sollte klare Ansagen machen, etwa dass es bis zu einem gewissen Zeitpunkt diese oder jene Anreize geben wird."

Derzeit seien viele Elektromobilitätsangebote "Insellösungen", meint Aichmaier. Nur durch stabile Rahmenbedingungen wird es möglich sein, diese Inseln zu einem dichten Netz zu verbinden.

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