Digital Life 20.11.2017

Wie russische Internet-Trolle arbeiten

© Bild: cc sa by Azov

Ein Unternehmen in St. Petersburg beschäftigt zahlreiche professionelle Autoren, um die öffentliche Meinung im Web zu manipulieren.

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass Russland mithilfe von Social-Media-Posts versucht hat, Einfluss auf politische Vorgänge in anderen Ländern auszuüben. Erst Ende September hat Twitter 200 Nutzerkonten mit entsprechenden Verbindungen abgeschaltet. Produziert werden die Postings von Agenturen, wie der Internet Research Agency (IRA). Ein ehemaliger Mitarbeiter hat gegenüber der NBC nun Einblick in die Arbeit des Unternehmens gegeben.

Der 26-jährige Vitaly Bespalov habe demnach gemeinsam mit anderen ehemaligen Journalisten und Bloggern in der Metropole St. Petersburg gearbeitet. Die Hintergründe des Unternehmens sind unklar, Bespalov sei sich jedoch sicher, die Firma ist eng mit dem Kreml verknüpft. Die russische Regierung dementierte laut NBC jegliches Wissen über die Vorgänge und suggerierte, dass entsprechende Berichte gefälscht seien.

Arbeitsteilung

Je nach Aufgabe waren die Mitarbeiter auf verschiedenen Stockwerken untergebracht. Im ersten Stock fanden sich demnach zumeist professionelle Autoren, die Nachrichtenartikel verfassten, auf die sich Blogger im dritten Stock bezogen.

Andere Mitarbeiter im dritten und vierten Stock erzeugten Fake-Profile und kommentierten die Geschichten und Blogeinträge. Obwohl sich die Inhalte gegenseitig aufeinander bezogen, sind die einzelnen Abteilungen in dem Haus völlig voneinander abgeschottet, wie der ehemalige Mitarbeiter berichtet.

Verdienst

Bespalov selbst habe in einer Abteilung mit Fokus auf die Ukraine gearbeitet, es existiert jedoch auch eine Abteilung im Haus mit Fokus auf die USA. Angestellte in der amerikanischen Abteilung verdienen demnach zwischen 1300 und 2000 Dollar im Monat. Einstiegs-Trolle erhalten rund 1000 Dollar samt Boni.

Beim Erstellen gefälschter Profile von Einzelpersonen haben die Mitarbeiter festgestellt, dass Accounts von Frauen öfters angeklickt werden. Aus diesem Grund haben sie Fotos von attraktiven Frauen gesucht und damit Accounts erstellt und Links gepostet. Irgendwann wären die Konten gesperrt worden und das Spiel ist von vorne losgegangen. „Ich glaube nichts mehr, was über Social Media kommt“, so Bespalov.

( futurezone ) Erstellt am 20.11.2017