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Digital Life
06/05/2020

Experten: „E-Ladestellenpflicht an Tankstellen unnötig“

Mehr Ladepunkte daheim und an Arbeitsplätzen sind laut Experten sinnvoller für die Förderung der E-Mobilität.

von David Kotrba

Die deutsche Bundesregierung hat angekündigt, 2,5 Milliarden Euro in den Ausbau der Infrastruktur für Elektroautos zu stecken. Damit soll die Dekarbonisierung des Straßenverkehrs vorangetrieben und die deutsche Automobilwirtschaft mit ihren 800.000 Arbeitsplätzen unterstützt werden. Im Zuge des Planes sollen Tankstellenbetreiber verpflichtet werden, Stromladepunkte anzubieten. Außerdem wird die Förderprämie für Elektroautos von 4.000 auf 6.000 Euro erhöht, die Förderungen von Plug-In-Hybriden ist geringer. Wie ist die Situation in Österreich?

In Österreich werden Elektroautos beim Neukauf durch Hersteller und Staat gemeinsam mit 3.000 Euro gefördert (bis zu einem Preis von 50.000 Euro), Plug-In-Hybride mit 1.500 Euro. Dazu gibt es eine Befreiung von der Normverbrauchsabgabe (NoVA) und der motorbezogenen Versicherungssteuer. Außerdem werden Wallboxen (200 Euro für private, 600 Euro für Mehrparteienhaus) und intelligente Ladekabel gefördert. Eine Verpflichtung für Tankstellenbetreiber, Ladestationen zu errichten, gibt es hierzulande nicht.

Tankstellen begrüßen E-Autos

Solch eine Verpflichtung wäre auch unnötig, meint Elektromobilitätsexperte Heimo Aichmaier, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Smart Mobility Power: "Zwang ist immer schlecht. Der Umstieg zur Elektromobilität gelingt nur durch Anreizwirkung." 80 bis 90 Prozent der Ladefälle seien daheim oder am Arbeitsplatz. Dort brauche man keine Schnellladestellen, wie sie an Tankstellen notwendig wären. In Österreich gebe es außerdem auf Initiative der ASFINAG bereits ein gut ausgebautes Schnellladenetz auf Autobahnen. Die Tankstellenbetreiber seien außerdem durchaus bereit, aus Eigeninitiative Infrastruktur für E-Autos bereitzustellen.

Gritta Grabner, die Geschäftsführerin des Fachverbands Garagen-, Tankstellen- und Serviceunternehmungen, bestätigt dies: "Wir stehen eigentlich allen Geschäftsfelder im E-Mobilitätskontext offen gegenüber. Wir sehen das als zusätzliches Angebot und Frequenzbringer." Das Tankstellengeschäft lebe ohnehin nicht nur vom Treibstoffverkauf, sondern sei durch Shops, Gastronomie oder Waschanlagen zunehmend diversifiziert. "Pläne, eine Ladestellenpflicht in Österreich einzuführen, sind uns nicht bekannt. Wir lehnen als Fachverband jeden Zwang dazu ab. Das sollte Teil der unternehmerischen Freiheit sein."

Firmenparkplätze

Laut Aichmaier wäre es wesentlich sinnvoller, anstatt Tankstellen das Potenzial von Parkflächen auszunutzen, die viele Betriebe ihren Mitarbeiter und Kunden zur Verfügung stellen. Darauf könne man mit vergleichweise geringem Aufwand Ladestellen mit geringer Ladeleistung errichten. "Man könnte auf diese Weise 200.000 Ladestellen haben. Wenn die Mitarbeiter sie nicht nutzen, können Unternehmen sie der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen." Für das öffentliche Stromnetz seien Ladepunkte mit geringer Ladeleistung weitaus verträglicher, da Lastspitzen vermieden werden.

In Österreich werden Pläne zur Errichtung von privaten Ladestellen oft durch die komplexe Gesetzeslage erschwert. Wer in Mehrparteienhäusern eine Ladestelle installieren will, benötigt etwa die Zustimmung aller Hausbewohner. Eine Novelle des Wohnbaurechts, die in wenigen Monaten in Kraft treten soll, könnte hier Erleichterung bringen. "Mit der Wohnbaunovelle kann man zum Elektriker gehen und sagen 'Ich hätte gerne einen Stecker bei meinem Garagenstellplatz, der mit meinem Stromzähler verbunden ist'", meint Aichmaier. Auch hier sei es sinnvoll, mit niedrigen Ladeleistungen zu arbeiten.

Detroit Auto Show

Umstrittene Plug-In-Hybride

Insofern versteht Aichmaier eine Förderregelung nicht, die in Österreich, aber auch in Deutschland gilt: Die Benachteiligung von Plug-In-Hybriden gegenüber reinen Elektroautos. Von Umweltschützern wird diese Regelung gutgeheißen. Sie sehen Plug-In-Hybride als Mogelpackung mit nominell geringen Emissionswerten. Die Fahrzeuge würden in der Praxis kaum aufgeladen, wodurch der Verbrauch vielfach höher ausfalle, als auf dem Papier, heißt es. Aichmaier sieht das Benachteiligen von Plug-In-Hybriden gegenüber Elektroautos als "Technology Picking" der Politik, das den Umstieg auf die Elektromobilität insgesamt bremst.

"Wenn es gute Lademöglichkeiten gibt, ist man mit Plug-In-Hybriden in 90 Prozent der Fälle auf gleiche Art wie mit einem Elektroauto unterwegs", sagt Aichmaier. Wichtig für die korrekte Verwendung des eingebauten Akkus sei es, an möglichst vielen Orten, an denen das Auto steht, Lademöglichkeiten vorzufinden. "Wenn du bei einem Supermarkt bist und du findest dort eine Ladestelle, wirst du neugierig sein und deinen Plug-In-Hybrid anschließen. Irgendwann wirst du dann auch bei deiner Hausverwaltung und deinem Chef anklopfen und fragen, ob du an deinem Parkplatz nicht ein Kabel haben könntest."

Plug-In-Hybride sieht Aichmaier als guten Einstieg in die Elektromobilität, durch den Fahrer lernen, mit Ladeinfrastruktur umzugehen und dennoch von der verbreiteten Angst befreit werden, mit leerem Akku auf der Strecke liegen zu bleiben. Welch wichtige Rolle die Gewohnheit, ein Auto anzustecken, spielt, sehe man am Beispiel Skandinavien. Dass die Verbreitung von Elektroautos dort so hoch sei, hänge u.a. damit zusammen, dass Stromanschlüsse an Parkplätzen schon lange vor Elektroautos vorhanden waren, um Standheizungen zu betreiben.

E-Auto-Anteil wächst langsam

Der Ausbau der Elektromobilität schreitet in Österreich voran, befindet sich insgesamt aber noch auf niedrigem Niveau. In der Neuzulassungsstatistik entfielen 2019 ingesamt 3,4 Prozent auf Elektroautos, Plug-In-Hybride und Brennstoffzellenautos. Gegenüber 2018 wurden 36,8 Prozent mehr Elektroautos verkauft, bei Plug-In-Hybriden gab es hingegen einen Rückgang um 4,8 Prozent. Laut dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) liegt der Anteil an Elektroautos und Plug-In-Hybriden an den Neuzulassungen mit Stand März 2020 bei bereits 6,63 Prozent, allerdings ist der Wert wenig repräsentativ, da wegen der Corona-Krise wesentlich weniger Autos verkauft wurden.

Mit dem Wert von 3,4 Prozent ist Österreich im internationalen Vergleich aus den Top 10 gefallen. In anderen Ländern läuft der Umstieg auf Elektromobilität also schneller ab. Direkte staatliche Förderungen spielen dabei nicht unbedingt eine Rolle. In den Niederlanden, Portugal oder Dänemark gibt es lediglich Steuererleichterungen, keine Ankaufförderungen. Im Gesamtfahrzeugbestand Österreichs fristen Elektroautos immer noch ein Nischendasein. Ihr Anteil beträgt 0,6 Prozent.

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