Digital Life
05.12.2016

Facebook-Nutzer fallen auf Wahlmanipulations-Video herein

Ein Video, das eine angebliche Wahlmanipulation zugunsten Alexander Van der Bellens belegen soll, verbreitet sich derzeit rasant auf Facebook.

Nach fast elf Monaten Wahlkampf ist die Präsidentschaftswahl am Sonntag zu Ende gegangen. Im Vergleich zur ersten Stichwahl fiel der Sieger dieses Mal eindeutig aus. Alexander Van der Bellen dürfte Hochrechnungen zufolge mit 53,41 Prozent der Stimmen vorne liegen, Norbert Hofer kam lediglich auf 46,59 Prozent. Doch bereits kurz nachdem die ersten Ergebnisse bekanntgegeben wurden, wurden auf Facebook Gerüchte über eine mögliche Manipulation gestreut. Der angebliche Beweis: Ein Facebook-Live-Video vom Nachrichtensender Euronews, auf dem der FPÖ-Kandidat deutlich vorne liegt.

Euronews ging pünktlich um 17 Uhr online, als die ersten Ergebnisse vom BMI freigegeben wurden. Erste Hochrechnungen folgten wenige Minuten später. Das Video zeigt eine Aufnahme der offiziellen BMI-Website, auf der der aktuelle Zwischenstand bei der Auszählung bekannt gegeben wurde. Norbert Hofer konnte zu diesem Zeitpunkt 53,5 Prozent der Stimmen vorweisen. Das reichte für viele Facebook-Nutzer aus, um Wahlbetrug zu vermuten. Das Video wurde mehr als 1100 Mal geteilt und auch auf anderen Facebook- und YouTube-Seiten neu hochgeladen. So verbreitete unter anderem Ignaz Bearth, Gründer von Pegida Schweiz und der "Direktdemokratischen Partei Schweiz", das Video.

Hochrechnung vs. Endergebnis

Die Erklärung für die vorübergehende Führung ist aber relativ simpel: Zu diesem Zeitpunkt waren knapp die Hälfte der Stimmen ausgezählt, allerdings vorwiegend aus ländlichen Regionen. Die meisten Landeshauptstädte, unter anderem auch Graz und Wien, fehlten noch. In diesen schnitt Van der Bellen deutlich besser ab. Zudem werden in den auf Basis von statistischen Methoden erstellten Hochrechnungen auch die noch nicht ausgezählten 700.000 Briefwahlstimmen berücksichtigt.

Die BMI-Seite wurde schon im Mai als Beweis für eine angebliche Wahlmanipulation herangezogen. Durch eine technische Panne wurden fälschlicherweise Testdaten für die Briefwahl veröffentlicht, bevor diese eigentlich ausgezählt war. Zudem verwechselte FPÖ-Chef Strache das vorläufige Endergebnis mit der Hochrechnung und sorgte so unter seinen Facebook-Anhängern für Verwirrung.