Digital Life
08.11.2016

Für Google den Mont Blanc besteigen und Kameras schrumpfen

Sven Tresp bringt Googles Street View zu speziellen Orten. In Virtual Reality kann das Miniatur Wunderland entdeckt und das Monster von Loch Ness gesucht werden.

Sven Tresp hat für Google Kameras geschrumpft, das Monster von Loch Ness gesucht und den Mont Blanc bestiegen. Als Program Manager für Special Collects bringt er Googles Street View an Orte, die abseits von Straßen und damit für die Kameraautos des US-Konzerns nicht erreichbar sind. In Verbindung mit Cardboard oder einem Virtual-Reality-Headset, können User dann in die Umgebung eintauchen.

Tresp setzt sich deshalb bei Google Zürich intensiv mit dem Trendthema Virtual Reality (VR) auseinander. Am futurezone Day, der am 10. November in Wien stattfindet, wird er die Keynote "Neue Einblicke in die Welt mit Virtual Reality" halten. Karten für den futurezone Day gibt es ab 20 Euro und mit etwas Glück hier zu gewinnen.

futurezone: Ist die Zukunft von Virtual Reality mobil oder stationär?
Sven Tresp: Der Durchbruch von VR wird erst jetzt durch die große Verbreitung des Mobiltelefons möglich. Mit dem Google Cardboard ist es uns gelungen, Millionen von Menschen für VR mit einem simplen, preiswerten und mobilen Gerät zu begeistern. Mit Daydream hat Google eine Plattform geschaffen, wo integrierte Hard- und Software qualitativ hochwertige VR Anwendungen möglich macht. Also ja: gerade der mobile Bereich schafft hier tolle neue Möglichkeiten.

Werden die Menschen zukünftig lieber mit Street View und Virtual Reality Sightseeing machen anstatt in Real Life?
Ich persönlich glaube das nicht, da der physische Besuch eines Ortes nicht wirklich ersetzt werden kann. Wo Street View und VR helfen können, ist an Orte zu gehen, die nicht so einfach oder nur mit großem Aufwand zu erreichen sind, wie zum Beispiel der Mont Blanc. Ich sehe die visuelle Abbildung hier eher als ein unterstützendes Medium für die Planung und um Reiseentscheidungen zu treffen. Vor allem kulturelle oder touristische Einrichtungen sehen eine Special Collect als willkommene Werbung dafür, sie dann auch wirklich im Urlaub zu besuchen.
Fragen Tourismus-Regionen gezielt bei Google nach, um ein eigenes Street View zu bekommen, oder geht Google auf sie zu?
Beides. Zum einen sehen wir Verbände, die sich für unserKamera-Leih-Programmbewerben und auch teilnehmen; andererseits arbeiten wir derzeit an einem Pilot-Projekt mit ausgewählten Tourismus-Verbänden zusammen, um gemeinsam die Lücke von aktuellen Kartendaten und Bildern zu schließen.

Könnte es zukünftig Partnerschaften/Kooperationen mit Unternehmen für fiktive Street-View-Orte geben?
Also im weiteren Sinne gibt es davon schon ein paar. Dr. Who’s Tardis ist in einer Telefonzelle in London versteckt. Und in einer Kooperation mit Warner Brothers hatten wir zum Start des “Batman vs. Superman” Films das Batcave auf Street View. Der Fantasie sind hier aber natürlich keine Grenzen gesetzt.

Welches Street View Projekt hat dir bisher am meisten Spaß gemacht und was war die größte Herausforderung dabei?
Ich habe zwei Lieblingsprojekte. Das Eine war herausfordernd von der technischen Seite und das Andere war eine große körperliche Anstrengung. Für dasMiniaturwunderlandin Hamburg haben wir unsere Kameras geschrumpft, was eine absolut technische Herausforderung war. Es gab zu dem Zeitpunkt kein Kamerasystem, welches in diesem Kleinformat 360-Grad-Panoramas aufnehmen konnte. Das ProjektMont Blancim vergangenen Jahr war mein Highlight in Bezug auf persönlichen körperlichen Einsatz. Ich habe mit drei Googlern aus Frankreich den Mont Blanc bestiegen und 360 Grad Aufnahmen gemacht. Das war eines der tollsten Erlebnisse, die ich bisher im Job erleben durfte.

Welches Street View Projekt würdest du noch gerne umsetzen?
Es gibt noch eine ganze Reihe von Orten, die wir extrem spannend finden. Ich persönlich finde “Special Collects”, wie wir sie nennen, dann besonders interessant, wenn wir Orte zeigen können, die nicht für jedermann zugänglich sind oder die wir für die Ewigkeit dokumentieren können. Siehe zum Beispiel Downing Street 10 oder Floating Piers.

Welches Equipment kommt bei den Street-View-Projekten zum Einsatz, die nicht per Auto durchführbar sind?
Wir haben im Wesentlichen drei verschiedene Applikationen:
a. die Trolleys für Innenaufnahmen von größeren Gebäuden wie zum Beispiel Museen oder Flughäfen
b. den Trekker für Außenaufnahmen von Wanderwegen, Flüssen oder Skigebieten
c. und das Tripod für kleinere Innen- und Außenaufnahmen.

Wird es zukünftig ein „live“ Street View geben? Vielleicht auf Basis von CCTV, oder auch nur in ausgewählten Gebäuden?
Ich glaube da wird Street View oft falsch verstanden. Diese Straßen-Ansichten sind eine weitere Dimension auf der Landkarte, die mir erlaubt die Umgebung aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ich kenne zum Beispiel Eltern die damit erkunden über welchen Straßenbelag oder Untergrund sie ihren Kinderwagen chauffieren werden. Live-Bilder braucht es dafür aber nicht. Die sind eher Sache des Fernsehens.

Gibt es bei Google Pläne ein Open-Street View zu schaffen, bei dem Fotos oder Teile von Fotos von Usern automatisch zu Panoramen zusammengefügt werden?
Dies ist bereits heute schon möglich mit derStreet View App. Hier kann man entweder ein Panorama mit dem Handy erstellen und mit einem Ort auf Google Maps verlinken, oder man nutzt eine der kommerziellen 360 Grad Kameras wie die von Ricoh, Samsung oder Nikon und lädt die automatisch zusammengefügten Panoramas auf Google Maps.