© Universal/Bettina Ruprechter

YouTube-Video
05/09/2011

Gesperrt: Wiener Musiker verliert Webvideopreis

Dem österreichischen Musiker Herr Tischbein wurde der deutsche Webvideopreis in der Kategorie „Freie Musik“, den er für das Musikvideo „Sympathie“ erhalten hatte, wieder entzogen. Das YouTube-Video ist in Deutschland vom Plattenlabel gesperrt worden. Der Initiator des Projektes, Markus Hündgen, überlegt jetzt eine Neustrukturierung der Kategorie in Richtung „Creative Commons“.

von Barbara Wimmer

Knapp über 749.000 Klicks hat das Musikvideo zum Song „Sympathie“ von Herrn Tischbein und Pascal Derhund, der auf dem Plattenlabel Universal erschienen ist, auf YouTube bereits. In Österreich wurde Herr Tischbein gar über YouTube bekannt, erzählt seine Managerin Bettina Ruprechter der futurezone. Im Februar wurde Herr Tischbein dafür mit dem "deutschen Webvideopreis" ausgezeichnet.

Doch in Deutschland erschien seit Anfang April auf Tischbeins YouTube-Seite ein nur allzu bekannter Hinweis: „Dieses Video enthält Content von UMG. Es ist in Deinem Land nicht verfügbar." Das Musikvideo war dort seit Anfang April bis zum heutigen Tag gesperrt und wurde am Montag - nach Erscheinen dieses Artikels - gegen 19 Uhr überraschend wieder freigeschalten. Dem Künstler wurde der Webvideopreis in der Kategorie "Freie Musik" aberkannt, da das Video aus der Sicht der Preisverleiher nicht mehr "frei verfügbar" war.

GEMA: „Nicht verantwortlich“
Für die YouTube-Sperre verantwortlich war das Plattenlabel des Künstlers - Universal Music. Mit einem unterschriebenen Vertrag des Künstlers verfügt es über die entsprechenden Rechte, das Musikvideo in Deutschland zu sperren. Der Hintergrund für die Sperre ist allerdings unklar. Die erste Vermutung, dass die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA dahinter stecken könnte, erwies sich als falsch. „Wir haben mit der Sperre des Videos nichts zu tun“, bestätigt Peter Hempel, Pressesprecher der GEMA, gegenüber der futurezone.at.

Der jahrelange Rechtsstreit zwischen der GEMA und sieben weiteren ausländischen Verwertungsgesellschaften (darunter auch die österreichische AKM) mit YouTube wegen Urheberrechtsabgaben habe damit nichts zu tun, so Hempel. "Davon müsste der Künstler etwas wissen."

Hündgen, der zusammen mit Stefan Evertz den deutschen Webvideopreis ins Leben gerufen hat, bestätigt dies gegenüber der futurezone: „Die Verantwortung liegt bei der Plattenfirma. Das Label hat immer die Möglichkeit, ein bestimmtes Video wieder zu entsperren.“ Doch Universal habe auf die Kontaktaufnahme nicht reagiert und war zu keiner Stellungnahme bereit. Besonders eigenartig findet Hündgen, dass das Video erst nach der Preisverleihung und mehrere Monate nach seiner Erstveröffentlichung gesperrt wurde.

Seit Montag abend ist das Video in Deutschland wieder frei auf YouTube zugänglich. Den Preis verliert Herr Tischbein trotzdem: "Trotz aller "Sympathie" halten wir an unserer Entscheidung fest, freuen uns aber für die Tischbein-Fans in Deutschland", so Hündgen auf Twitter.

„Heißt nicht YouTube-Preis“
„Der freie Zugang, wie er in den Teilnahmebedingungen zum Webvideopreis beschrieben ist, war nicht mehr gewährleistet“, so Hündgen. Die Managerin der Künstlers bedauert die Aberkennung und „versteht sie nicht.“ „Der Preis heißt Webvideopreis und nicht YouTube-Preis“, so Ruprechter. Das Video sei schließlich auch in Deutschland über Portale wie myvideo.de oder die Webpage des Künstlers abrufbar. „Der einzig Leidtragende, der einen Schaden davon trägt, ist der Künstler.“

Laut Hündgen hat es bereits im Vorfeld der Nominierungen der Kategorie „Freie Musik“ rechtliche Probleme gegeben. „Bei einem Großteil der Einreichungen gab es Rechtsverletzungen, manche haben ganze Lieder nachgesungen“, erzählt Hündgen. Die Kategorie „Freie Musik“ werde es daher in dieser Form beim nächsten Webvideopreis nicht mehr geben. Stattdessen plane man eine Umbenennung und eine Änderung der Teilnahmebedingungen. „Freie Musik bedeutet dann künftig, dass die Musikstücke unter Creative Commons-Lizenzen verfügbar gemacht werden müssen“, so Hündgen.

Doch ganz sicher ist man sich noch nicht. „Wir wissen noch nicht, ob die Bewerbermasse für Musikstücke unter Creative Commons-Lizenzen groß genug ist. Denn es bringt nichts, wenn wir nur fünf Einreichungen bekommen, und davon ist eines ein Video, das den Song mit einer Darstellung einer laufenden Waschmaschine unterlegt“, so Hündgen. Auch die Qualität müsse passen. „Wir wollen Videos prämieren, die etwas darstellen.“ Videopunk Hündgen geht davon aus, dass weitere Kategorien überarbeitet werden. „Sie müssen angepasst werden, an das, was im Netz passiert. Da ist derzeit viel im Gang.“

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