Auf der diesjährigen IAA widmet sich eine eigene Halle dem Thema „New Mobility World“

© APA/EPA/Boris Roessler

Digital Life
09/14/2015

Google, Samsung und Apple mischen Autobranche auf

IT-Unternehmen setzen die Autohersteller zunehmend unter Druck. In den Führungsetagen der Autobauer ist von „historischen Umbrüchen“ und „ganz neuen Spielregeln“ die Rede.

Am 15.9. fällt der Startschuss für die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main. „Mobilität verbindet“ lautet das diesjährige Motto und verweist damit auf den Megatrend des vernetzten und automatisierten Fahrens.

Aufgrund des digitalen Wandels konkurrieren die traditionellen Autofirmen nun mit IT-Unternehmen. Branchengrößen wie Samsung, Qualcomm oder IBM sind mittlerweile auf der IAA genauso vertreten wie Internetgigant Google, der seine Vision von der Mobilität der Zukunft präsentieren will.

Branche ist nervös

Schon im Vorfeld der IAA zeigte sich, dass die Branche angesichts der neuen Mitbewerber in Aufruhr ist. Die Chefin des US-Autohersteller General Motors (GM), Mary Barra, meinte dazu etwas flapsig: „Wissen Sie, Telefone unterscheiden sich doch recht stark von Fahrzeugen.“ Auch Porsche-Chef Matthias Müller bemüht sich das autonome Fahren kleinzureden.

Etwas ernsthafter geht BMW-Chef Harald Krüger die Sache an: „Unser Geschäft bekommt ganz neue Spielregeln“. Krüger ist sich sicher, dass die Digitalisierung die Branche umkrempeln wird und zwar „mehr als wir uns das heute möglicherweise vorstellen können.“

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn sieht die Autobranche sogar mitten in einem historischen Umbruch: „Man kann hier durchaus von einer digitalen Revolution beim Automobil sprechen“. Für den Konzern bedeute die rasante Veränderung, alles zu hinterfragen, so Winterkorn: „Wir sind dabei, Volkswagen ein Stück weit neu zu erfinden.“

Das wird wohl auch nötig sein. Denn die neuen Mitbewerber konfrontieren die etwas verstaubt wirkenden Platzhirsche mit einer frischen Unternehmenskultur. Mit einem Übermaß an Kapital und Zugang zu den neuesten Technologien setzen sie die traditionellen Autohersteller zusätzlich unter Druck.

Intensive Forschung

Mittlerweile forscht nahezu jeder größere Autohersteller an selbstfahrenden Fahrzeugen. Neben Google arbeiten auch der milliardenschwere Fahrdienstvermittler Uber und der Elektroautopionier Tesla intensiv an derartigen Technologien. Mehreren Berichten zufolge lotet auch der iPhone-Hersteller Apple das Thema Auto der Zukunft aus und hat bereits eine Reihe von Forschern abgeworben.

Europäische Technologieunternehmen brauchen sich allerdings nicht hinter der US-Konkurrenz verstecken. Daimler hat bereits Anfang des Jahres seinen selbstfahrenden Prototypen gezeigt und noch dieses Jahr will der Stuttgarter Konzern probeweise Lastwagen auf Autobahnen schicken, in denen der Computer den Fahrer ersetzt. Ebenso testet auch Audi bereits eine Flotte autonomer Fahrzeuge. Mit der zentralen Steuereinheit dafür hat das Wiener Unternehmen TTTech sozusagen das Gehirn der selbstfahrenden Audis entwickelt.

2016 auf der Straße

In den USA befinden sich selbstfahrende Autos bereits seit mehreren Jahren auf den Straßen. In Europa sind entsprechende Teststrecken noch rar gesät. 2016 sollen in Österreich erste Abschnitte für autonome Fahrzeuge freigegeben werden. Bis dahin muss allerdings erst die Straßenverkehrsordnung abgeändert werden. Auch Haftungs- und Sicherheitsfragen gilt es noch zu beantworten.