Digital Life
14.09.2016

Halcyon: Mit Babyschritten zur Virtual-Reality-TV-Serie

Halcyon will die erste Hybrid-TV-Serie sein, die normale Fernsehepisoden mit interaktiven Virtual-Reality-Episoden verbindet. Zu sehen ist sie ab 22. September.

Der Sender Syfy bezeichnet Halcyon als weltweit „erste Hybrid-Serie aus TV und VR“. Der TV-Teil der Serie besteht aus zehn Episoden. Nach den Folgen 1, 2, 4, 6 und 8 gibt es Virtual-Reality-Segmente. Diese können nicht am Fernsehbildschirm gesehen werden, sondern über die Halcyon-App für die VR-Brillen Oculus Rift und Samsung Gear VR.

Ich habe mir die ersten zwei Folgen und dazugehörigen VR-Episoden angeschaut und ungenutztes Potenzial gesehen.

Mord in VR

Die Handlung spielt im Jahr 2040. Virtual Reality ist allgegenwärtig. VR-Brillen und -Controller wurden durch Implantate ersetzt. Statt telefonieren trifft man sich in der virtuellen Realität. Arbeitsplätze sind nicht durch Roboter, sondern virtuelle Intelligenzen gefährdet. Halcyon, Marktführer und Hersteller der VR-Implantate, will in Kürze ein Produkt starten, mit dem auch Berührungen in der virtuellen Realität möglich sind. Da wird der CEO von Halcyon ermordet und Detective Jules Dover und ihre virtuelle Partnerin Asha untersuchen den Fall.

Eine normale TV-Episode dauert fünf Minuten. Es ist deutlich, dass das Hybrid-Experiment nur ein kleines Budget hatte. Laut Producer waren es etwa 500.000 US-Dollar. Allerdings hat Syfy auch schon Schlimmeres verbrochen. Etwas mehr Mühe mit dem Schnitt und Audio-Editing hätten sich die Macher trotzdem geben können, denn Gespräche zwischen zwei Charakteren wirken oft zerfleddert.

Ist die TV-Episode zu Ende, setzt man die VR-Brille auf. Alternativ kann die TV-Episode auch gleich mit der VR-Brille angesehen und direkt zur VR-Episode gesprungen werden. Die TV-Episode läuft auf einem Bildschirm in einem virtuellen industriell-kargen Apartment, das sich mit einem netten Effekt zum Ort der VR-Episode transformiert.

Point and Click Adventure

Die VR-Episoden spielen leider alle an demselben Ort – den Ort des Verbrechens. Die Wohnung des CEOs ist nur stilisiert dargestellt. Als Grund wird angegeben, dass man sich per virtueller Realität in die Erinnerungen des CEOs einloggt, dessen Gehirn sich nach seinem Tod langsam zersetzt. Eine etwas umständliche Ausrede für das niedrige Budget, aber sie funktioniert.

Aus der Ich-Ansicht von Detective Dover sehe ich mich am Schauplatz des Mordes um. Mit einem Druck auf dem Steuerpad der Gear VR bewege ich mich in der Wohnung und untersuche die gelb-markierten Objekte. Das Ganze erinnert an ein Point-and-Click-Adventure, ist aber viel simpler. Es gibt keine Rätsel zu lösen, keine Gegenstände zu kombinieren oder versteckte Items zu finden. Asha sagt, dass man das gelb-markierte Objekt anschauen soll. Man macht es, ein kurzer Dialog folgt. Das Ganze zwei oder drei Mal wiederholen und die VR-Episode ist abgeschlossen.

Babyschritte

In einer Q&A-Session habe ich die Crew darauf angesprochen, ob es nicht entgegen der Idee von Virtual Reality ist, dass alle VR-Episoden am selben Ort spielen. Schließlich könne man per VR doch jeden Ort besuchen, den man sich vorstellen kann. Die Antwort: Babysteps. Man wollte klein anfangen und die User nicht mit Virtual Reality überfordern.

Meiner Meinung nach ist dieses Argument nur bedingt valide. Denn jemand, der mehrere hundert Euro für Oculus Rift ausgegeben hat oder 100 Euro für Gear VR, setzt sich bewusst mit dem Thema Virtual Reality auseinander. Die zweite Erklärung der Crew ist da einleuchtender: Die Babyschritte seien auch notwendig, weil man selbst noch Erfahrung mit VR sammeln muss und das Budget beschränkt war.

Auch das relativ simple „Gameplay“ der VR-Episoden wurde angesprochen. Hier habe man versucht es simpel zu halten. Man sei sich der Ähnlichkeit zu Point-and-Click-Adventures bewusst. Das Ziel sei eine interaktive Erfahrung zu erschaffen, die für alle Zuseher zugänglich ist. Verschiedene Mini-Games, wie Rätsel oder Actionsequenzen, könnten einige Seher abschrecken. Man experimentiere aber weiter mit VR, könne aber noch nicht über zukünftige Projekte sprechen.

Ab 22. September

Halcyon wird erstmals auf Syfy am 22. September ausgestrahlt. Syfy ist im Angebot von Sky erhältlich. Um 20:15 startet der „Binge-Event“, bei dem alle zehn TV-Episoden am Stück gezeigt werden. Nach den Episoden 1, 2, 4, 6 und 8 sind Pausen von fünf Minuten eingeplant, damit die Seher die VR-Episoden spielen können. Die durchschnittliche Nutzungs-Zeit eine VR-Episode liegt bei zwei Minuten.

Die TV-Episoden werden auch in der Halcyon-App auf Oculus Rift und Gear VR zu sehen sein, ebenso wie auf syfy.de.