Digital Life
07/31/2013

Hausvernetzung per Steckdose wird schneller

Der europäische Marktführer bei Powerline-Produkten, Devolo, will Satelliten-TV und Internet über die Steckdose in Haushalten verbreiten - mit höhreren Geschwindigkeiten und günstigerem Preis. Auf der IFA wird eine neue Technologie vorgestellt, mit der 600 Mbit/s erreicht werden.

Bei der Verteilung von Internet über die Steckdose gibt es fast jährlich Leistungsverbesserungen. Die aktuelle Generation von Adaptern beliefert jede Steckdose in einem Haushalt gleichzeitig mit Satelliten-TV und Internet über LAN oder WLAN mit einem Transfervolumen von 500 Mbit pro Sekunde. Mit einer Beschleunigung auf 600 Mbit/s und neuen Technologien soll die drahtlose Heimvernetzung komfortabler und attraktiver werden.

Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA), die von 2. bis 7. September in Berlin stattfinden wird, will Devolo seine "range+"-Technologie vorstellen. Dabei werden, statt bisher zwei, alle drei Leitungen im Stromkreis genutzt. Neben Phase und Neutralleiter wird auch der Schutzleiter (Erdung) zur Datenübertragung eingesetzt. Das Signal nimmt alternierend jenen Weg, der jeweils mehr Bandbreite zulässt. Für den Nutzer ändert das in der Anwendung nichts. Plug and Play heißt die Devise für möglichst einfache Handhabung.

Datenübertragung über die Steckdose
Will man Internet im ganzen Haus verteilen, benötigt man zumindest zwei Adapter. Bei Devolo werden sie "dLAN"-Adapter genannt. Einer davon wird mit dem Router verbunden und in eine Steckdose gesteckt. Das Internet-Signal wird nun über die Stromleitung in alle Steckdosen im Haus geliefert. Steckt man an einer der Dosen einen zweiten Adapter an, kann man sich das Internet mittels Netzwerkkabel auf den Computer oder Laptop holen.

Daneben gibt es auch WLAN-fähige Adapter, die neben Laptops auch Smartphones und Tablets versorgen. Mit mehreren dieser WLAN-Adapter kann eine ganze "WLAN-Wolke" schaffen, die vor allem bei großen Räumlichkeiten für lückenlose Internetverbindung sorgen soll. Der Vorteil gegenüber WLAN-Repeatern: Das Ausgangssignal wird in voller Stärke empfangen und weitergeleitet.

Satelliten-Empfang
Im Falle von Satelliten-TV muss man einen Tuner mit der Antenne verbinden. Der Tuner wird mit der Steckdose verbunden. In einem anderen Raum führt ein Adapter das Signal aus der Steckdose und hin zu einem Receiver, der das Sat>IP-Protokoll unterstützt. Dieser wird wiederum per HDMI-Kabel mit dem Fernseher oder Beamer verbunden.

Je nach Antennenmodell können mehrere TV-Programme gleichzeitig empfangen werden. Dementsprechend gibt es so genannte Multituner für die Verteilung. Der Vorteil daran: Auf mehreren Fernsehern im Haus können unterschiedliche Programme gesehen werden. WLAN-Adapter können Fernsehprogramme über eine spezielle App auch an Mobilgeräte weiterleiten. Das Signal kann aber von jeder Mediaplayer-App, die das Sat>IP-Protokoll unterstützt - etwa der VLC Player -, in Bild und Ton umgesetzt werden.

Hindernisse
Satelliten-TV- oder Internet-Verteilung über das heimische Stromnetz ist eine Lösung, die nur ab einer bestimmten Wohnfläche Sinn macht. Ist die Wohnung eher klein, wird man kein Problem haben, WLAN flächendeckend verfügbar vorzufinden. In einem großen Einfamilienhaus ohne Netzwerkkabel-Infrastruktur sind Powerline-Produkte eine einfache Lösung. Doch auch für die Steckdosen-Verteilung gibt es Obergrenzen. Je mehr Kabelmeter zwischen den Adaptern liegen, desto störungsanfälliger wird das Signal.

"98 Prozent aller Steckdosen werden von unseren Adaptern erreicht", erklärt Christoph Dubsky von Devolo Austria. "Bis zu einer Stromleitungslänge von 300 Metern ist der Signalempfang gesichert." Je größer die Distanz, desto mehr verringert sich die Bandbreite. "Bei einem 500-Mbit/s-Produkt sollte die Bandbreite im Endeffekt auf jeden Fall für alle üblichen Internet-Aktivitäten ausreichen", meint Dubsky. Einige Adapter beinhalten  einen so genannten Netzfilter, der Störungen durch Kabellänge und verbrauchsstarke Elektrogeräte verringern kann.

Weitere Beschleunigung
Ab 2014 soll es eine weitere Steigerung der Bandbreite über Powerline-Adapter geben. Mit dem so genannten "MIMO"-Prinzip (Multiple Input Multiple Output) will Devolo ein Gigabit pro Sekunde erreichen. Wie bei "range+" werden alle drei Leitungen im Stromkreis genutzt, allerdings nicht alternierend, sondern parallel. Abgesehen von höherer Bandbreite sollen Powerline-Produkte künftig auch günstiger werden. Der Grund dafür liegt in günstigeren Chips.

Fortschritte bei der Übertragungstechnologie über das Stromnetz und günstigere Chips kommen auch der Konkurrenz von Devolo zugute. ZyXEL bietet etwa seit kurzem einen 600 Mbit/s-Adapter an, berichtet Tom`s Hardware. Das Unternehmen bedient sich dabei ebenfalls der alternierenden Datenübertragung über drei Leitungen.

Smart Grid
Um sich im Powerline-Markt weiter zu diversifizieren plant Devolo zukünftig einen stärkeren Fokus auf Smart Grid und Elektromobilität. Wie Christoph Dubsky erklärt, sollen etwa Elektroautos mit Ladestationen vernetzt werden. Die dabei eingesetzte Technologie nennt sich "Green PHY". Sie soll künftig für Authentifizierung, Abrechnung, Ladekontrolle oder auch für banalere Dinge wie das Synchronisieren der MP3-Bibliothek im Auto verwendet werden.

Auch bei der Heimsteuerung soll verstärkt über das Stromnetz kommuniziert werden. Vom Computer aus kann dann etwa die Heizung geregelt werden, die Beleuchtung, Sonnenblenden oder Rollläden. Dubsky schildert noch weitere Visionen, wie Powerline-Kommunikation Sicherheit und Energieeffizienz verbessern soll. So können in Zukunft vielleicht Urlauber am Strand sitzen, und über ihr Tablet den Zustand der eigenen vier Wände daheim kontrollieren. Ab 2014 will Devolo konkrete Konzepte für den Bereich Heimsteuerung präsentieren.

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