Estland
11/14/2011

Internet-Betrüger bauten Firmengeflecht auf

Staatsanwalt: Vermutlich höchste Beschlagnahmesumme in der Geschichte Estlands

Ein mutmaßliche Internet-Betrügerring, der vergangene Woche in einer Gemeinschaftsaktion der US-Polizei und der estnischen Justiz

, hat in Estland über ein kleines Firmenimperium sowie über beträchtliche Vermögenswerte verfügt. Der Staatsanwaltschaft in Tallinn zufolge dürfte es sich bei den im Zusammenhang mit den Ermittlungen sichergestellten Werten um die höchste Beschlagnahmesumme in der Geschichte Estlands handeln.

Eine genaue Zahl wurde nicht genannt. Unter den insgesamt beschlagnahmten, zum Großteil im Süden Estlands befindlichen 150 Grundstücken befänden sich sowohl vergleichsweise billige, unbebaute, als auch Büro- sowie Wohngebäude in Millionenwerten Euro.

Vier Millionen Geschädigte
Laut der Tallinner Wirtschaftszeitung Äripäev und Berichten russischsprachiger Medien wird der Gründer der mittlerweile in Digitalu Eesti umbenannten IT-Firma Rove Digital als Mastermind des Betrugssystems angesehen, das seit 2007 vier Millionen Internet-Anwender in weltweit 100 Ländern um insgesamt über zehn Millionen Euro erleichtert haben soll. Der Vater des Hauptverdächtigen, der bereits im Jahr 2008 in Estland wegen Online-Betrugs von einem estnischen Gericht stand, ist mit einem ausgewiesenen Vermögen von 6,7 Millionen Euro einer der 300 reichsten Männer Estlands.

Klick-Betrug
Das von den Internet-Betrügern laut US-Ermittlungen per sogenanntem „Klick-Betrug“ zusammengehäufte Geld wurde offenbar über ein Geflecht von in Estland ansässigen Computer-, Marketing- und IT-Firmen gewaschen. Eine der von den involvierten Personen geführte IT-Consulting-Firma in Tartu etwa fiel den Ermittlern offenbar dadurch auf, dass sie im Jahr 2009 4.400 Euro Verlust schrieb, im Folgejahr dagegen 1,2 Millionen Euro mysteriöse Gewinne verbuchte.

Sechs estnische Staatsbürger, wurden vergangene Woche im Zusammenhang mit der internationalen Internet-Betrugsaffäre in Estland festgenommen. Ein ebenfalls verdächtiger russischer Staatsbürger ist noch auf freiem Fuß.

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