Digital Life
15.04.2015

Internetbetrug: Probleme mit Verträgen bei Erotikangeboten

Bei der Schlichtungsstelle Internet-Ombudsmann gab es 2014 vor allem Beschwerden über Verträge mit Partnerbörsen und Erotikseiten. Auch Abofallen sorgten für Ärger.

Der jüngste Jahresbericht “Internet Ombudsmann und Watchlist Internet” ist ab Mittwoch verfügbar. Seit 2000 erfasst der Internet Ombudsmann systematisch alle Beschwerden, die eingereicht werden. Das Internet hat sich seit damals drastisch verändert, genau wie die Probleme, die von Nutzern gemeldet werden. “Vor allem das Online-Shopping ist explodiert, der Wareneinkauf klappt mittlerweile aber relativ problemlos, die Beschwerden sind nicht so schnell gewachsen, wie die Zahl der Nutzer”, erklärt Bernhard Jungwirth, Projektleiter beim Internet Ombudsmann gegenüber der futurezone. Vertragsprobleme waren 2014 einer der häufigsten Gründe für Beschwerden beim Ombudsmann. “Hier geht es oft um Partnerbörsen und Erotikangebote, bei denen es Ärger mit dem Rücktrittsrecht und der Abwicklung des Ausstiegs gibt”, so Jungwirth.

Vermeintliche Gratisangebote, bei denen Nutzer mit verlockenden Versprechungen zum Abschluss eines Abos gebracht werden, sind ebenfalls häufig Anlass für Beschwerden. “Deshalb haben wir 2013 auchdie “Watchlist Internet” eingeführt, unsere Informationsplattform im Kampf gegen Online-Betrug. Hier versuchen wir, Präventionsarbeit zu betreiben, indem wir tagesaktuell über problematische Angebote informieren. Menschen googeln im Zweifelsfall verdächtige Angebote und dann sollen sie auf unserer Seite landen”, erklärt Jungwirth. So konnte die Seite bereits über eine Million Zugriffe verzeichnen.

Billiges Red Bull

Andere Probleme, die Österreicher und Österreicherinnen beim Umgang mit dem Netz haben, sind etwa falsche Webshops, bei denen im Voraus bezahlt wird, dann aber keine Warenlieferung erfolgt. Gefälschte Rechnungen von Lieferdiensten oder Mobilfunkbetreibern, die per E-Mail verschickt werden und Malware enthalten, sind ebenfalls recht häufig, genau wie die klassischen Phishing-Angriffe, bei denen Betrüger mit vermeintlichen E-Mails von Banken versuchen, Nutzer zur Eingabe von Zugangsinformationen zu bewegen. Daneben gibt es öfters Ärger mit gefälschten Waren aus Online-Shops und und Betrugsversuchen über Kleinanzeigenplattformen. “Hier sind die Angebote teilweise recht spezifisch, wenn etwa teure Musikinstrumente inseriert werden”, sagt Jungwirth.

Die Zahl der Meldungen von betrügerischen Gratis-Angeboten hat trotz einiger Meldungen 2014 ihren Höhepunkt schon überschritten. “In den vergangenen zwei Jahren hatten wir hauptsächlich sogenannte B2B-Abzockfallen. Dabei werden Kunden mit unschlagbaren Angeboten, etwa für eine Palette Red Bull, auf Shopping-Plattformen gelockt, bei deren Betreten sie sich unwissentlich für ein Abo anmelden. Dann wird ihnen gesagt, sie hätten sich die Abonnements als Unternehmen erworben und deshalb gebe es kein Rücktrittsrecht”, sagt Jungwirth. In solchen Fällen raten die Experten den Betroffenen einfach nicht zu zahlen, weil das Gesetz ganz klar auf ihrer Seite ist.

Hilft, wo er nur kann

“Insgesamt hat sich die Zahl der Beschwerden zuletzt bei etwa 6000 pro Jahr eingependelt”, sagt Jungwirth. In 87,8 Prozent der Fälle kommt durch die Vermittlung des Ombudsmannes eine Lösung für de Betroffenen zustande. Die Höhe der Geldbeträge, um die gestritten wird, schwankt zwischen zehn und mehreren tausend Euro, insgesamt erreichten die Streitsummen 2014 einen Wert von über einer Million Euro. Neben Geld geht es immer öfter auch um Datenschutz und Persönlichkeitsrechte.

“Wenn etwa Fake-Profile einer Person in sozialen Medien auftauchen oder Fotos ohne Eingenehmigung veröffentlicht werden, in extremen Fällen etwa auf Porno-Webseiten, versuchen wir auch zu helfen”, sagt Jungwirth. Der Kernbereich der Schlichtungsstelle ist zwar E-Commerce, solange Kapazitäten vorhanden sind, wird aber auch in anderen Fällen geholfen. “Wenn jemand zu uns kommt und einen falschen Twitter Account meldet, dann kümmern wir uns darum, weil wir ja auch Kontakt zu Twitter haben. Wenn es zu viel wird, müssten wir unsere Prioritäten überdenken, derzeit stellt sich diese Frage aber nicht”, sagt Jungwirth.