Digital Life
04.11.2012

Japanische Flop-Erfindungen ausgestellt

Japan hat der Welt den Walkman beschert, den tragbaren Computer und beheizbare Toiletten: Geniale Ideen, denen jedoch eine enorme Zahl echter Flop-Erfindungen aus dem ostasiatischen Land gegenübersteht. Ein leidenschaftlicher Sammler hat die kuriosesten Geräte der 1950er und 60er-Jahre in Tokio der Öffentlichkeit präsentiert.

In der bizarren Sammlung von Kenichi Masuda findet sich unter anderem der berühmt gewordene "Snack 3" des Toshiba-Konzerns: eine Art Frühstücksautomat, der gleichzeitig Milch wärmt, ein Spiegelei brät und Brot toastet. Und auch mit dem laufenden Toaster scheiterte Toshiba beim Kunden - bei diesem Gerät wurde die Brotscheibe an einem Ende hineingesteckt, um zum anderen Ende zu wandern, dort gebräunt herauszukommen und auf einen bereitstehenden Teller zu fallen.

"Die japanischen Küchen waren zu klein für diese Geräte, die doppelt so groß waren wie die herkömmlichen Apparate", meint der 49-jährige Masuda: "Die Leute hier haben einst vom westlichen Frühstück geträumt - aber das haben sie dann schnell bleiben lassen." Masudas sechswöchige Ausstellung hat rund 10.000 Besucher angelockt, obwohl fast keine Werbung gemacht wurde. Viele Besucher schwelgen beim Anblick der Apparate in Erinnerungen: "Ich hatte Tränen in den Augen, als ich all diese Geräte wiedersah", sagt der 62-jährige Yasuyuki Iida gerührt. Ein Video zur Ausstellung gibt es auf YouTube.

Rund 2000 Kuriositäten
Masuda, der früher einmal Zugführer war, hat in den vergangenen 30 Jahren rund 20 Millionen Yen (knapp 200.000 Euro) in seine Sammelleidenschaft gesteckt - rund 2000 Kuriositäten hat er auf diese Weise zusammenbekommen. Darunter ist auch ein Ventilator, der die Form eines Mini-Konzertflügels hat - aber nur einen schwächlichen Lufthauch abgibt. Ebenfalls von begrenztem Nutzen war das zweistöckige Ventilatormodell "stilles Paar", das überhaupt nicht leise ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg standen drei Geräte ganz oben auf der Wunschliste der Japaner: Fernseher, Kühlschrank und Waschmaschine, die fortan als die "drei heiligen Schätze" galten. Für viele Menschen jedoch blieben diese Träume zunächst unerfüllbar - so kostete Mitte der 50er-Jahre ein Fernseher etwa acht Monatslöhne eines Berufsanfängers.

Gaskocher in Fernseher-Form
Die Konsumgüterindustrie des Landes verstand dieses Wunschdenken sogleich zu nutzen: So brachte Panasonic einen Gaskocher in Fernseher-Form auf den Markt. Sharp verpackte derweil ein simples Radio in einem Fernsehgehäuse. Doch selbst der Pseudo-Fernseher war noch teuer genug: Das Gerät kostete seinerzeit ein durchschnittliches Monatseinkommen. "Ob das Sinn machte? Ganz sicher nicht, aber es beweist, wie weit die Leute gingen, um einen Fernseher zu besitzen", meint Masuda.

War in den Jahren nach dem Krieg schon ein Schwarz-Weiß-Fernseher ein Luxusgut, so war ein Farbfernseher geradezu unerschwinglich. Ein findiges Unternehmen brachte deshalb bunte Plastikfolie auf den Markt, die vor dem Fernsehbildschirm befestigt werden konnte und das Schwarz-Weiß-Bild einfärbte - auch diese Folie gehört zu Masudas Exponaten.

"Keine Angst, baden zu gehen"
Japans Unternehmen zeigten sich in den 50er und 60er-Jahren enorm erfinderisch - und couragiert, wenn es darum ging, neue Erfindungen auf den Markt zu bringen: Damals hätten die Konzerne des Landes auch noch keine Angst gehabt, mit neuen Produktion baden zu gehen, sagt Masuda: "Dann aber sind sie gewachsen und haben begonnen, auf Marketingstrategien, Profit und Rentabilität zu achten." Vielleicht seien sie auch einfach langsamer geworden.

Für Sammler Masuda ist der Retro-Stil durch keine High-Tech-Erfindung zu ersetzen. Am liebsten holt er sich ein Bier aus seinem alten Kühlschrank und schaut sich eine alte Sendung auf seinem alten Fernsehgerät an - selbst wenn er so mehr Strom verbraucht.

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