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Digital Natives
04/26/2012

Kinder wollen "internetfitte Erwachsene"

Wenn Kinder plötzlich mit geknackten Facebook-Profilen oder unerwarteten Rechnungen von In-App-Käufen konfrontiert werden, sollten sie sich mit diesen Problemen an Erwachsene wenden können. Wie ein Projekt der Aktionsplattform "Digikids" zeigt, wünschen sich Kinder, dass ihre Eltern und Lehrer "internetfit" werden. Das forderte auch Carina Felzmann, Sprecherin von "Digikids".

von Barbara Wimmer

"Die Jugendlichen sind hinein geboren worden in die digitale Welt, die haben sich das nicht ausgesucht. Jetzt ist die Welt da und wir Erwachsene haben eine Verantwortung gegenüber den Kinder und Jugendlichen, sie dabei zu begleiten", sagte Felzmann gegenüber der futurezone.at am Donnerstag in Wien. Die Plattform "Digikids" hat im März 20 Jugendliche mit verschiedenem sozialen Hintergrund zu einer Diskussion eingeladen, um in Erfahrung zu bringen, was sie sich im Bezug auf den Umgang mit dem Internet und digitalen Medien von Erwachsenen wünschen.

"Lehrer müssen noch lernen, mit dem Internet umzugehen. Unsere Klassenlehrerin fragt uns, wenn sie wissen will, wie sie ein Bild auf Facebook stellt", sagte etwa der 15-jährige Schüler Alen Ganic aus der Polytechnischen Schule PTS18, der an dem Projekt beteiligt war. Neben besseren Computern für seine Schule wünschte sich der 15-jährige, dass sich Politiker im Internet "jugendgerechter" präsentieren und auch vermehrt auf Social Media-Kanäle zurückgreifen.

"Legt die Angst ab, etwas kaputt zu machen"
Andere Erfahrungen teilte der 20-jährige Felix Österreicher mit, der das Goethe Gymnasium in Wien besucht. Er ist in einer Laptop-Klasse. Informatikunterricht, ein Fotolabor und einen Netzwerk-Technik-Kurs gibt es auf seiner Schule auf freiwilliger Basis bereits ab der ersten Klasse. Der Schüler wünscht sich von Erwachsenen und Eltern, neue Technologien auszuprobieren, auch wenn sie nicht damit aufgewachsen sind. "Probiert es aus und legt die Angst ab, etwas dabei kaputt zu machen", riet Österreicher.

"Kinder verhalten sich ganz anders als wir früher", beschrieb der Technik-Forscher Helmut Leopold vom Austrian Institute of Technology (AIT). "Für sie ist Technik ganz selbstverständlich und verwenden sie wie ein Werkzeug. Wir müssen daher in Dialog treten, um gemeinsam Lösungen zu finden, wie man damit umgeht. Verbote auszusprechen, ist absurd", so der Technik-Forscher. Damit spricht er den Schülern, die am Projekt beteiligt waren, aus der Seele. Diese forderten die Erwachsenen dazu auf, das Positive des Internets in den Vordergrund zu stellen.

"Sollte eigentlich selbstverständlich sein"
"Sie wünschen sich von Lehrkräften, Eltern und Politikern, dass diese sensibel mit dem Thema umgehen und sie sich selbst die technischen Kompetenzen aneignen, um hier eine Art Wegweiser zu sein für die Jugendlichen. Das ist auch ihre Aufgabe. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass man sich dafür interessiert, was die eigenen Kinder machen", fügte die Initiatorin des Projekts hinzu. Denn Kinder seien nach wie vor Kinder - auch im Netz.

Der Direktor des Göthe Gymnasiums, Hubert Kopeszki, der für rund 900 Schüler, 100 Lehrkörper und 35 Klassen verantwortlich ist, sagte, dass die Bereitschaft der Lehrer, sich entsprechend weiterzubilden, an seiner Schule großteils da sei. "Doch wenn die Hardware nicht da ist, nutzt auch das beste Konzept nichts", klagt der Direktor. Es fehle am Budget, um die verfügbaren neuen pädagogischen Konzepte auch tatsächlich umsetzen zu können. Leopold vom AIT beklagte, dass die neuen Möglichkeiten nicht von der Verfügbarkeit von Geräten abhängen dürfen. "Das halte ich für schwer verbesserungswürdig", so der Forscher. Somit richtet sich der Appell der Erwachsenen vor allem an die Politik, hier mehr Mittel zur Verfügung zu stellen.

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Konferenz "Kinder und digitale Medien":
Um Erwachsene und Kinder zusammenzubringen, führt die Aktionsplattform "Digikids" am 4. und 5. Mai in Wien in der Aula der Wissenschaften eine "Verkehrte Konferenz" zum Thema Kinder und digitale Medien durch. Dort können beide Gruppen ihre Erfahrungen austauschen.

Kinder werden Erwachsenen beispielsweise erklären, was sie in ihrer Freizeit stundenlang auf Facebook treiben, Erwachsene werden die Kinder beispielsweise über die Möglichkeiten des Internets als Recherche-Tool aufklären. Um an der Konferenz teilnehmen zu können, ist eine Anmeldung erforderlich. Für Erwachsene gibt es noch wenige Restplätze.