Alex Kiessling malt und der Roboter macht jede Stift-Bewegung nach

© Long Distance Art

Digital Life
09/25/2013

Künstler malt synchron mit Robotern in drei Städten

Am 26. September entwirft der Maler Alex Kiessling im Wiener Museumsquartier ein Gemälde. Mit Roboter-Hilfe entstehen in Berlin und London zeitgleich exakte Kopien.

"Long Distance Art" nennt sich das Projekt, das im Auftrag von WienTourismus unter der Führung der Mediendesign-Agentur Strukt parallel in drei Städten durchgeführt wird. Während Maler Alex Kiessling in der Ovalhalle des Wiener Museumsquartiers seinen Stift schwingt, werden seine Bewegungen am Londoner Trafalgar Square und dem Berliner Breitscheidplatz durch ABB-Industrieroboter reproduziert.

Mit der Aktion will Wien Tourismus auf spektakuläre Weise Wiens zeitgenössische Kunstszene hervorheben und die Fähigkeiten der Stadt als Smart City präsentieren. Der Weg zum Simultan-Malen nahm über ein halbes Jahr an Entwicklungsarbeit in Anspruch. "Für die simultane Übertragung von Kunst mittels Roboter- und Satellitentechnik konnten wir auf keinerlei Erfahrungswerte zurückgreifen", erklärt WienTourismus-Direktor Norbert Kettner.

Halbes Jahr Vorbereitung

Für Long Distance Art mussten Industrieroboter, die normalerweise fix vorprogrammierte Arbeitsabläufe ausführen, mittels eigens programmierter Software auf Echtzeitbetrieb umgestellt werden. Während der Entwicklungsphase machten die über 400 Kilogramm schweren Roboter auch Erfahrungen mit der Schwerkraft. Die enormen Beschleunigungskräfte, die beim ruckartigen Bewegen eines Roboterarms um sechs Achsen entstehen, rissen die Geräte aus der Verankerung.

Die Roboter-Arme können sich mit einer Geschwindigkeit von sieben Metern pro Sekunde bewegen und beschleunigen innerhalb von Sekundenbruchteilen auf diese Geschwindigkeit. Eine Holzkonstruktion hielt diesen Kräften nicht stand. Für die Bühnen in Berlin und London mussten deshalb stabilere Auflagen konstruiert werden. In London wurde ein sieben Tonnen schwerer Betonsockel gegossen. In Berlin sorgen gefüllte Wassertanks für das nötige Gegengewicht.

Die Fliege

Auch bei der Analyse der Malbewegungen war Erfindergeist gefragt. Alex Kiesslings Leinwand wird von einem Rahmen aus Infrarotsensoren abgetastet, der jede noch so feine Berührung mit der Stiftspitze registriert. "Allerdings können auch andere Objekte erkannt werden. Eine Fliege hat sich während desTestaufbaus auf die Zeichnung gesetzt, was dazu geführt hat dass der Roboter einen Strich quer durch das ganze Bild gezeichnet hat", schildert Thomas Hillthaler, der technische Leiter des Projekts. "Das hat uns aber nur davon überzeugt, dass das Tracking sehr genau ist."

30 Positionen pro Sekunde werden vom entwickelten System erkannt und von den Robotern in Berlin und London abgearbeitet. Für flüssigere Bewegungen des Roboterarms kommt auch optisches 3D-Tracking zum Einsatz. Als Bezugspunkt dient eine Rote Kugel auf dem Stift des Malers. Um nicht zu riskieren, dass sich der Roboterarm mit seinen sechs Bewegungsachsen in eine Verrenkung begibt, bei der er sich nicht mehr weiterbewegen kann, wurde auch an der optimalen Position des Roboters zur Leinwand getüftelt.

Liveschaltung

Ob sich die lange Vorbereitsungszeit gelohnt hat, davon kann man sich am 26. September selbst überzeugen. In der "Arena 21 - Ovalhalle" im Wiener Museumsquartier (links neben dem Haupteingang) kann man Alex Kiessling beim Malen zusehen und auf Bildschirmen das Geschehen in Berlin und London live mitverfolgen. Die Aktion beginnt um 11:00 Uhr. Weitere Informationen finden sie auf dieser Webseite und auf Facebook.