Offizielle Konzeptgrafik der Trump-Klasse von der US Navy
US Navy bringt Trumps Traum-Schlachtschiff ins Wanken
Der US-Präsident Donald Trump mag Superlative. Und Schlachtschiffe. Deshalb wurde Ende 2025 verkündet, dass mit der Trump-Klasse diese Art von Schiffen, die zuletzt im Zweiten Weltkrieg gebaut wurden, zurückkehren und noch dazu „die tödlichsten Kriegsschiffe sein werden, die jemals gebaut wurden.“
Schon kurz nach der Ankündigung zweifelten viele die Sinnhaftigkeit dieses Projekts an. Nicht nur aus strategischer Sicht, sondern weil so ein Schlachtschiff auch teurer als ein aktueller Superflugzeugträger wäre.
Im Rahmen der Veranstaltung Sea Air Space 2026 haben jetzt hochrangige Mitglieder der US Navy Aussagen getätigt, die diese Zweifel noch verstärken, berichtet twz. Zufälligerweise wurde einer der 2, der Secretary of the Navy (Marineminister) John Phelan, nach den Pressegesprächen auf der Veranstaltung seines Amtes enthoben. Effective immediately - ab sofort.
Die Kostenfrage
Phelan hat eine frühere Aussage bestätigt, wonach die USS Defiant, das erste von 3 geplanten Schiffen der Trump-Klasse, 17 Milliarden US-Dollar kosten soll. Dies sei eine „frühe Schätzung“. Zwischen den Zeilen heißt das: Es wird noch viel teurer.
Zum Vergleich: Die aktuellen Superflugzeugträger der Ford-Klasse kosten die Navy zwischen 13 und 15 Milliarden US-Dollar. Rechnet man es um auf Kosten pro Tonne Verdrängung (die übliche Maßeinheit zur Größenbestimmung von Schiffen), ist der Unterschied dramatischer. Die Ford-Klasse kommt auf etwa 140.000 US-Dollar pro Tonne, die Trump-Klasse auf 485.000 US-Dollar. Sie ist also gut 3-mal so teuer.
Ein anderer Kostenvergleich: Schiff Nummer 2 und 3 könnten etwas günstiger werden, weshalb die Navy 44 Milliarden US-Dollar für den Bau der 3 Schlachtschiffe kalkuliert. Die Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse, die das Rückgrat der US Navy bilden, kosten etwa 2,5 Milliarden US-Dollar pro Stück. Statt 3 Trump-Klasse-Schiffen könnte man also 17 Burke-Zerstörer kaufen.
Diese Kalkulation kann man auch auf die Raketen-Vertikalstarter Mk 41 runterbrechen. Diese sind die Hauptbewaffnung der Trump- und der Burke-Klasse. Eine Trump-Klasse hat 128 Stück davon, eine Burke „nur“ 96. Das wurde zuvor als Argument für die Trump-Klasse vorgebracht, weil die Feuerkraft dadurch höher als bei der Burke ist. Um 44 Milliarden Dollar bekommt man mit der Trump-Klasse demnach aber nur 384 Starter. Kauft man stattdessen Burkes, sind es 1.632.
Kein Nuklearantrieb
Für viele unerwartet kommt die Aussage von Phelan zum Antrieb der Trump-Klasse. Dass diese einen Nuklearantrieb bekommt, sei „unwahrscheinlich“. Dies würde nämlich die Kosten und Komplexität des Schiffs zu stark erhöhen.
Das ist überraschend, da ein nuklear betriebenes Schlachtschiff ein Prestigeobjekt und „World's First“ wäre, was wiederum das Ego des US-Präsidenten gestreichelt hätte. Außerdem ist es verwunderlich, dass bei 17 Milliarden US-Dollar der Nuklearantrieb nicht inkludiert ist, wenn eben sogar die neuesten, atombetriebenen Flugzeugträger günstiger sind.
Ebenso wurde mehrfach betont, dass die Trump-Klasse viel Leistung erzeugen muss. Denn neben Raketen hat sie auch eine Railgun und mehrere Laserwaffen an Bord. Und die benötigen Strom, den ein Nuklearreaktor konstant zur Verfügung stellen könnte. Aber stattdessen wird die Trump-Klasse, zumindest nach den aktuellen Plänen, eine Kombination aus Dieselgeneratoren und Gasturbinen für Antrieb und Energieerzeugung nutzen.
Konzeptgrafik der Trump-Klasse
© US Navy
Abwarten, bis Trump weg ist?
Für Rüstungsexperten entlarvend ist eine Aussage von Admiral Daryl Caudle, Chief of Naval Operations: „Einer der Fehler, den wir früher gemacht haben, ist, dass wir mit dem Bau der Schiffe begonnen haben, bevor das Design weit genug vorangeschritten war. Wir wollen sichergehen, dass das nicht wieder passiert. Ich werde keine genaue Zahl nennen, aber das Design sollte zu über 80 Prozent fertiggestellt sein, bevor wir mit dem Bau der USS Defiant beginnen.“
Das klingt für viele Beobachter wie die Bestätigung eines möglichen Plans, um aus dem Milliardengrab rauszukommen, dass dieses Projekt vermutlich wird. Die Navy zögert die Designphase so lange hinaus, bis Trump nicht mehr Präsident ist. Dann kann man der neuen Regierung eine Einschätzung geben, dass Trumps Traumschlachtschiff weder strategisch noch wirtschaftlich sinnvoll ist und die kann das Projekt einstellen – noch vor Baubeginn. So würden vermutlich nur ein paar Millionen für das Design verbrannt statt ein paar Milliarden für ein Schiff, das eigentlich niemand haben will, außer Trump.
Der vergangene Fehler, den Caudle anspricht, ist die Constellation-Klasse. Die Navy entschied sich 2020, diese auf Basis der europäischen FREMM-Fregatte zu bauen, also ein bewährtes Design, das bereits in mehreren Ländern im Einsatz ist. Dann wurde die Constellation aber so lange umdesignt, bis nur noch etwa 15 Prozent Gemeinsamkeiten mit der FREMM bestanden.
Im April 2024 begannen die Bauarbeiten am ersten Schiff, ein Jahr später war das Design immer noch nicht fertig. Im November 2025 wurde das Projekt beendet. Statt der ursprünglich geplanten 20 Stück werden nur die 2 Schiffe fertiggestellt, die sich bereits im Bau befinden. Es war Phelan, der den Stecker des Projekts zog, was Rüstungsexperten als einen längst überfälligen Schritt sahen.
Eine Konzeptgrafik zeigt die Constellation-Klasse. Die abgebildete USS Lafayette wäre die vierte Fregatte der Klasse gewesen und wurde gestrichen.
© US Navy
Wofür eigentlich?
Um das Design der Trump-Klasse zu finalisieren, muss die Navy erst wissen, wozu man überhaupt ein Schlachtschiff braucht. Denn es gibt derzeit keine Lücke in der Flotte, die ein überdimensionierter Lenkwaffenzerstörer unbedingt füllen muss. „Wir müssen erst die Limitationen dieser Klasse verstehen und dann darüber nachdenken, wie sie in verschiedene Einsatzszenarien passt„, sagt Phelan: “Wenn ich so ein Schiff schon heute hätte, könnte ich es vor Venezuela parken, ohne, dass es tonnenweise Zerstörer zum Schutz benötigt. Die können dann woanders eingesetzt werden.“
Damit ist gemeint, dass die großen Schiffe der Navy, wie Flugzeugträger und amphibische Angriffsschiffe, üblicherweise als Gruppen unterwegs sind. Ein Flugzeugträger wird etwa von 3 oder 4 Zerstörern begleitet, die das Schiff vor Luftangriffen schützen sollen. Da die Trump-Klasse ja eigentlich selbst ein aufgeblasener Zerstörer ist, könne sie sich selbst schützen.
Der Vergleich hinkt jedoch: Wenn Zerstörer die Aufgabe von Flugzeugträgern erfüllen könnten, dann bräuchte man ja ohnehin keine Flugzeugträger mehr. Und wenn die Trump-Klasse einfach nur die Aufgaben von Zerstörern übernimmt, stimmt die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht: Rein von der Feuerkraft kann eines der Schlachtschiffe nicht 7 Burkes ersetzen.
Railgun statt dicke Geschütze
Im aktuellen Budgetantrag der Navy klingt das freilich viel positiver. Dort wird das Schlachtschiff als „kritischer Vorteil für die Zukunft der Marine-Kriegsführung“ bezeichnet, das als Kommandoschiff dienen, in eine Flugzeugträger-Gruppe integriert werden oder selbstständig operieren kann.
Zudem soll die Trump-Klasse „die Kapazitätslimits der Burke-Klasse überwinden“ und durch seine Laserwaffen und die Railgun Geld sparen. Diese Waffen, plus zusätzliche, größere Vertikalstarter, sollen auch der Grund sein, warum die Trump-Klasse der Burke weit überlegen und eben ein Schlachtschiff statt ein Zerstörer ist.
Das erste Schiff der Trump-Klasse soll USS Defiant heißen
© US Navy
Typischerweise werden Schlachtschiffe, die ihre goldene Zeit im Zweiten Weltkrieg hatten, über die Größe und Anzahl ihrer Hauptgeschütze definiert. Die Iowa-Klasse, die sogar noch im Zweiten Golfkrieg zum Einsatz kam, hatte insgesamt 9 Geschütze im Kaliber 406 mm.
Die USS Defiant hat aber nur 2 Kanonen im Kaliber 127 mm. Die Iowa-Klasse hatte 20 Kanonen in diesem Kaliber, zusätzlich zu den 406ern.
Dafür soll aber die Railgun der Trump-Klasse alle derzeit aktiven Schiffsgeschütze in den Schatten stellen. Sie ist mittig am Bug befestigt, die 127-mm-Kanonen befinden sich dahinter, auf der linken und rechten Seite.
Dass die Railgun an Bord ist, ist eine ähnlich große Überraschung wie die Rückkehr der Schlachtschiffe. Denn die US Navy hat die Entwicklung der Railgun im Jahr 2021 offiziell aufgegeben, obwohl über 10 Jahre daran gearbeitet wurde.
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10 kg schwere Hyperschall-Projektile
Ein spannendes Detail ist, dass die Stärke der Railgun von der US Navy mit 32 Megajoule angegeben wird. Das ist genau die Leistung, die der Navy-Prototyp damals hatte. Es ist auch die Leistung der Railgun, die der Rüstungskonzern General Atomics kürzlich bei einer Hausmesse der US Army gepitcht hat.
General Atomics will Railguns in 3 Größen anbieten
© General Atomics
Damals war das Ziel der Navy, dass die 32-MJ-Kanone eine Einsatzreichweite von bis zu 360 km hat. Die Projektile dafür wiegen 10 kg und sind 46 cm lang. In Tests an Land erreichten sie eine Geschwindigkeit von über Mach 7, also mehr als 8.500 km/h – schneller als 2,3 Kilometer pro Sekunde. Ab Mach 5 spricht man von Hyperschallgeschwindigkeit.
Was ist eine Railgun?
Die Railgun funktioniert ähnlich wie ein Katapult. Ein Schlitten läuft zwischen 2 Schienen – daher auch der Name Railgun (rail = Schiene). Eine Schiene ist positiv, die andere negativ geladen. Durch den stromleitenden Schlitten wird der Kreislauf zwischen den beiden Schienen geschlossen.
Dadurch entsteht ein Magnetfeld. Dies erzeugt Lorentzkraft, bei der ein Magnetfeld Kraft auf bewegte Ladungen ausübt. Der Schlitten wird dadurch beschleunigt, entgegen der Richtung der Energiequelle, also hin zur Mündung der Railgun. Das Projektil auf dem Schlitten wird dadurch mit extrem hoher Geschwindigkeit weggeschossen.
Vorteile von Railguns:
- Mehr als die 10-fache Reichweite eines normalen Geschützes möglich
- Gelenktes Railgun-Projektil kostet weniger als 20 Prozent einer Rakete
- Platz- und Gewichtsersparnis bei der Munition: Treibladungen für Granaten/Geschosse sind nicht mehr notwendig
Nachteile von Railguns:
- Hohe Hitze beim Schießen beschädigt Schienen und andere Bauteile und reduziert so die Haltbarkeit
- Hoher Anspruch an die elektrischen Systeme von Schiffen/Fahrzeugen, wegen des Energiebedarfs
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Durch die hohe Geschwindigkeit entspricht die Aufschlagsenergie am Ziel in etwa der Explosion von 4 kg C4, obwohl das Projektil keinerlei Sprengstoff enthält. Entgegen klassischen Geschützen von Schlachtschiffen sollten die Railgun-Projektile zudem lenkbar sein, um eine höhere Präzision zu erreichen und auch, um bewegliche Ziele treffen zu können.
Was die Reichweite angeht, ist die Railgun den 406-mm-Geschützen weit überlegen: Die kommen nur auf etwa 38 km. Dafür hatten die eine weit höhere Zerstörungskraft. Während bei der Railgun die Mündungsenergie 32 MJ beträgt, sind es bei den 406ern bis zu 355 MJ. Selbst die „leichte“ Hochexplosiv-Granate mit 862 kg Gewicht hinterließ beim Einschlag an Land einen Krater, der bis zu 15 m breit und 6 m tief war.
Das Schlachtschiff USS Iowa feuert eine volle Breitseite ihrer 406mm-Kanonen ab. Die Aufnahme entstand bei einer Übung im Jahr 1984
© US Navy
Bindeglied zwischen Geschütz und Rakete
Die Railgun soll, so zumindest damals von der US Navy geplant, ohnehin nicht die Feuerkraft der echten Schlachtschiffe emulieren. Stattdessen soll sie ein Bindeglied zwischen klassischen Geschützen und Raketen sein: Mehr Reichweite und Präzision als eine Kanone, aber geringere Kosten als eine Rakete. Die Navy peilte damals Stückkosten von 50.000 US-Dollar für ein gelenktes Railgun-Projektil an.
Ein Modell des Railgun-Projektils der US Navy
© US Navy
Selbst wenn es heute 100.000 US-Dollar sind, ist das weit günstiger als eine moderne Rakete. Die Antischiffsrakete NSM, mit in der aktuellen Ausführung über 300 km Reichweite haben soll, hat einen Stückpreis von über 2 Millionen US-Dollar.
Ein weiterer Vorteil: Die Railgun-Munition ist kleiner und leichter als Raketen mit vergleichbarer Reichweite. Dadurch kann viel mehr Munition mitgenommen werden und die Defiant kann länger im Einsatz bleiben, bevor sie einen Hafen ansteuern muss, um die Raketen in den vertikalen Startsystemen (VLS) nachladen zu lassen.
Droht ein Zumwalt-Schicksal?
Wer mit den Entwicklungen der US Navy vertraut ist, dem kommen diese Pläne und Versprechen möglicherweise bekannt vor. Auch die Zumwalt-Klasse sollte ein Geschütz bekommen, das Raketen ersetzen kann. Das fehlgeschlagene Projekt brachte der Klasse den Ruf ein, „das unnötigste Schiff der Flotte“ zu sein.
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Der gesamte vordere Teil der Zumwalt-Klasse wurde um das AGS (Advanced Gun System) herum designt. So wurde sichergestellt, dass die 2 Geschütze, ihre jeweils 300 Schuss fassenden Magazine und die Autolader genügend Platz haben.
Die Geschütze sollten das Long-Range Land Attack Projectile (LRLAP) verschießen. Das knapp 105 kg schwere Projektil war GPS-gesteuert und sollte so auf bis zu 120 km Entfernung Ziele mit der Genauigkeit einer Rakete treffen. Mit einer Feuerrate von 10 Schuss pro Minute hätte die Zumwalt mit ihren 2 Geschützen alle 3 Sekunden ein LRLAP abfeuern können.
Gepaart mit dem großen Munitionsvorrat an Bord und der hohen Reichweite gegenüber herkömmlicher Schiffsgeschütze wäre damit eine gewaltige Feuerkraft gegen Schiffe und Landziele möglich gewesen. Die Zumwalt hätte so eine Art modernes Revival für Schlachtschiffe sein sollen.
Mit ihren Geschützen hätte die Zumwalt ebenfalls Küstenziele angreifen sollen, für die sonst Flugzeuge oder Marschflugkörper nötig wären. Kampfjets, die von Flugzeugträgern starten, können nur begrenzt Bomben und Raketen mitführen und sind außerdem anfällig für Luftabwehr.
Die Navy hat sich dann aber gegen LRLAPs entschieden. Denn ein Schuss hat 800.000 US-Dollar gekostet, statt der geplanten 68.000 US-Dollar. Da kommt man schon nahe an die Kosten einer Rakete. Ein moderner Tomahawk kostete im Jahr 2016, als die Navy die Entscheidung gegen LRLAP getroffen hatte, zwar das Doppelte, hat mit über 1.600 km aber deutlich mehr Reichweite und mit 450 kg konventionellem Sprengstoff mehr Durchschlagskraft.
Bei 300 Schuss LRLAP pro Geschütz plus weiteren 150 Schuss, die im Schiff in Reserve gelagert worden wären, hätte das 600 Millionen US-Dollar gekostet. Um dieses Geld könnte die Navy schon 9 Stück F/A-18 Kampfjets kaufen, die auf ihren Flugzeugträgern eingesetzt werden.
Wohlgemerkt sind das die Kosten pro Schiff: Hätte die Navy alle 3 geplanten Zumwalt-Schiffe voll mit LRLAP bestückt, wären das 1,8 Milliarden US-Dollar gewesen. Das reicht immerhin für 18 F-35C Stealth-Fighter, die die US Navy ebenso auf ihren Flugzeugträgern nutzt.
Die US Navy hatte schlussendlich lediglich 150 LRLAP gekauft, um die Zumwalt-Klasse zu testen. Nachdem diese bei Tests verschossen wurden, gab es nichts mehr.
Die Navy hätte einen Ersatz für LRLAP entwickeln müssen, was wieder Geld gekostet hätte. Sie entschied sich, die 155-mm-Geschütze gar nicht zu nutzen. Sie waren auf der Zumwalt also inoperabel – obwohl das Schiff von Anfang an rund um sie und LRLAP designt wurde.
Mit dieser Entscheidung wurde der Zumwalt ihre Primärfunktion genommen. Das wäre so, als hätte sich die Air Force entschieden, die A-10 nach der Entwicklung ohne Munition für die ikonische 30-mm-Gatling-Maschinenkanone GAU-8/A fliegen zu lassen.
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140 Startzellen für Raketen
Die Railgun wird zwar von der Navy als Argument genutzt, um die Trump-Klasse zu rechtfertigen, aber die Hauptbewaffnung sind die Raketen und Marschflugkörper in den Vertikalstartern (VLS). Deshalb bezeichnet die Navy die Trump-Klasse offiziell als Lenkwaffen-Schlachtschiff, ist (BBG = Battleship Guided).
Datenblatt der USS Defiant, die das erste Schiff der Trump-Klasse werden soll
© US Navy
Insgesamt sind 140 Zellen vorgesehen, was also mindestens 140 Raketen bedeutet. Das scheint für ein Schiff dieser Größe etwas wenig zu sein. Mit über 35.000 Tonnen ist die Defiant 3-mal größer als übliche Zerstörer der US Navy. Auch die Kreuzer der Ticonderoga-Klasse kommen nur knapp auf 10.000 Tonnen, haben aber trotzdem 122 VLS-Zellen.
Der Unterschied ist, dass die Defiant 128 Zellen des üblichen Mk41 VLS hat, aber 12 Zellen für das größere CPS VLS (Conventional Prompt Strike). Damit sollen Hyperschallraketen mit besonders hoher Reichweite gestartet werden.
Bei dem CPS handelt es sich vermutlich um dasselbe CPS, mit dem gerade bei der Zumwalt-Klasse die munitionslosen Kanonen ersetzt werden. Dort ist vorgesehen, dass jede Zelle einen Abschussbehälter (APM) hat, in dem 3 Hyperschallraketen passen. Die Defiant hätte also in ihren 12 Zellen insgesamt 36 Hyperschallraketen, was die Zahl der Raketen an Bord auf 164 erhöht.
Auf diesem Slide aus dem Jahr 2021 ist das APM zu sehen
© US Navy
Die Hyperschallrakete wird voraussichtlich die Navy-Variante von Dark Eagle sein, die gemeinsam mit der US Army entwickelt wird. Diese soll eine Reichweite von über 3.500 km haben.
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Die Navy betont zudem, dass die Defiant Atomwaffen an Bord haben wird. Diese werden Marschflugkörper mit Atomsprengkopf (SLCM-N) sein, die derzeit entwickelt werden. SLCM-N wird vermutlich aus den normalen Mk41-Zellen gestartet werden, so wie etwa der Marschflugkörper Tomahawk.
6 Laserwaffen
Railgun, Hyperschallraketen… da fehlt nur noch eine Technologie, um das Trio der Hightech-Kriegsführung zu komplementieren: Laser. Auch die soll die Trump-Klasse an Bord haben. Laut der Navy sind 2 Stück vorgesehen, entweder mit 300 oder 600 kW Leistung. Noch gibt es keine einsatzfähigen 300-kW-Laser und schon gar nicht welche mit 600 kW. Allerdings arbeiten mehrere Rüstungskonzerne daran, diese Leistungen zu erreichen.
Mit einem 300-kW-Laser könnten Ziele auf eine Entfernung von bis zu 20 km zerstört werden. Aufgrund der Bedingungen am Meer wird die effektive Reichweite aber eher bei bis zu 10 km liegen. Ein 600-kW-Laser könnte tatsächlich eine effektive Reichweite von bis zu 20 km unter Gefechtsbedingungen erzielen.
Die Laserwaffen auf Schiffen dienen vorrangig dem Selbstschutz gegen Drohnen, anfliegende Raketen und Drohnenboote. Ein Schuss kostet nur ein paar Dollar, gegenüber einer Luftabwehrrakete, die mehrere Millionen Dollar kosten kann. Zudem haben Laser theoretisch unendlich Munition, solange die Generatoren des Schiffs genügend Energie erzeugen.
Unendlich lange schießen können sie aber nicht, da die bisher entwickelten Laser nach ein paar Minuten Feuern eine Abkühlphase benötigen. Das soll verhindern, dass die Komponenten permanent beschädigt werden. Dennoch dürften Laser gerade bei Schwarmangriffen von Drohnen einen wichtigen Beitrag zur Abwehr leisten.
Weiters soll die Defiant 4 ODIN-Laser bekommen. Diese haben eine geringere Stärke, können aber noch kleine Drohnen auf kurze Entfernung zerstören oder als Dazzler genutzt werden. Dabei werden die optischen Systeme von Drohnen und Raketen geblendet, damit sie ihr Ziel nicht mehr erfassen können.
Grafische Darstellung der USS Defiant, dem ersten Schiff der geplanten Trump-Klasse.
© US Navy
Bewährte Waffen zur Luftabwehr
Weil sich die Navy nicht voll auf Laserwaffen verlassen will, soll die Defiant auch bereits erprobte Abwehrsysteme bekommen. Dazu gehören 2 RAM-Starter (Luftabwehrraketen für kurze Distanzen) und 4 30-mm-Maschinenkanonen. Damit ist das System MK38 Mod4 gemeint, welches die Kanone Bushmaster II nutzt.
Die Feuerrate beträgt bis zu 200 Schuss pro Minute. Die effektive Reichweite, je nach Munition, beträgt bis zu 5 km. Es kann Airburst-Munition genutzt werden. Diese explodiert in der Luft und erzeugt eine Splitterwolke, ohne dass das Ziel direkt getroffen werden muss. Dadurch steigt die Trefferquote bei kleinen und agilen Zielen wie Drohnen.
Auch die 127-mm-Geschütze können mit entsprechender Munition zur Luftabwehr genutzt werden. Ähnliches gilt für die Railgun. Durch die hohe Geschwindigkeit des Projektils und die Reichweite würde sie sich u. a. dafür eignen, um ballistische Antischiffsraketen und Hyperschallraketen abzufangen. Japan will etwa die Railgun, die es gerade für seine Schiffe entwickelt, ebenfalls für diese Zwecke nutzen.
➤ Mehr lesen: Japan: Erstmals mit Railgun auf Schiff geschossen
Defiant ist kein klassisches Schlachtschiff
Zieht man das alles in Betracht, wirkt es so, als wurde dem US-Präsidenten hier etwas als Schlachtschiff verkauft, das eigentlich keines ist. Auf dem Papier hat die Defiant 7 Geschütze und 6 Laser - was für ein modernes Kriegsschiff imposant klingt. Diese dürften aber alle primär dem Selbstschutz dienen und nicht, um wie bei den früheren Schlachtschiffen, andere Schiffe und Landziele anzugreifen.
Denn dazu ist die Reichweite zu gering. Selbst wenn die Railgun wirklich bis zu 360 km Reichweite hat, muss die Defiant näher zur Küste, um Ziele im Hinterland anzugreifen. Und wenn statt dem 10-kg-Projektil ein schwereres mit höherer Zerstörungskraft genutzt werden soll, wird die Reichweite wohl noch weiter sinken. Und dann ist die Defiant ihrerseits in der Reichweite von Drohnen und Schiffsabwehrraketen, die von Land gestartet werden.
China hat etwa mit dem YJ-12B landgestartete Antischiffsraketen auf mehreren Inseln im Südchinesischen Meer platziert. Diese haben eine Reichweite von bis zu 460 km und einen bis zu 500 kg schweren Gefechtskopf. Ebenfalls in Chinas Arsenal: Hyperschallraketen zur Bekämpfung von Seezielen mit etwa 500 km Reichweite und ballistische Antischiffsraketen mit bis zu 4.000 km Reichweite.
Gegen China sollte die Defiant also nicht wie ein klassisches Schlachtschiff eingesetzt werden, um mit Geschützen Landziele zu attackieren. Stattdessen wird die Trump-Klasse wohl eher wie ein aufgeblasener Lenkwaffenkreuzer agieren oder ein Arsenal-Schiff mit Selbstschutzmaßnahmen.
Frühere Konzepte für ein Arsenal-Schiff sahen vor, so viele VLS-Zellen wie möglich auf ein Kriegsschiff zu packen. Dieses sollte dann im Flottenverband für die Luftverteidigung sorgen und Landziele auf große Distanz angreifen.
Eine Konzeptgrafik für ein Arsenal-Schiff aus den 1990er-Jahren
© DARPA
Großes Schiff = großes Ziel
Die umfangreichen Selbstschutzmaßnahmen der Trump-Klasse sind jedenfalls nötig, weil sie groß und damit ein lukratives Ziel ist. Laut Navy soll die Defiant bis zu 268 Meter lang werden.
Damit ist sie sogar länger als die amphibischen Angriffsschiffe der America-Klasse (257 Meter), die auf ihrem Flugdeck Hubschrauber und die senkrechtstartende F-35B stationiert haben. Zum Vergleich: Ein Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse ist 155 Meter lang.
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