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Eiszeit Nordkorea streitet Cyberattacke auf Sony ab.

Nordkorea will mit der Cyberattacke auf Sony nichts zu tun haben und mit den USA den Fall gemeinsam aufklären.
Nordkorea will mit der Cyberattacke auf Sony nichts zu tun haben und mit den USA den Fall gemeinsam aufklären. - Foto: EPA
Im Streit um die Cyber-Attacke auf das Filmstudio Sony Pictures hat Nordkorea die USA zu gemeinsamen Ermittlungen aufgerufen, sonst drohen den USA "ernsthaften Konsequenzen".

Das Außenministerium in Pjöngjang wies Anschuldigungen Washingtons in der Affäre zurück und drohte am Samstag mit "ernsten Konsequenzen", sollten die USA den Vorschlag ablehnen. "Wir können zeigen, dass wir mit dem Fall nichts zu tun haben", wurde ein Sprecher von den staatlich kontrollierten Medien zitiert. Die US-Regierung schenkt der Unschuldsbeteuerung des weithin isolierten Landes keinen Glauben.

Eiszeit

Dass die USA mit Nordkorea eine gemeinsame Untersuchung starten, ist nach Meinung von Beobachtern sehr unwahrscheinlich. Eine der derzeit in Washington diskutierten Möglichkeiten sei es, Nordkorea erneut auf die Liste mit Staaten zu setzen, die den Terrorismus förderten, berichteten US-Medien.

Die USA hätten in der Hacker-Affäre China um Zusammenarbeit gebeten, schrieb das "Wall Street Journal". "Wir haben den Fall mit den Chinesen diskutiert, um Informationen in dem Fall auszutauschen", wurde ein hochrangiger US-Regierungsbeamter zitiert.

USA will "internationale Gespräche"

Die USA streben Regierungskreisen zufolge eine internationale Reaktion auf den Nordkorea angelasteten Hackerangriff in Hollywood an. Es gebe dazu bereits Gespräche mit Großbritannien, Australien, Neuseeland, Japan und Südkorea, sagte ein Regierungsvertreter einer Nachrichtenagentur am Samstag. Auch versuche man China und Russland dazu zu bewegen, ihren Einfluss auf Nordkorea geltend zu machen.

Nordkorea droht mit Atomausbau

Nach dem Vorwurf gravierender Menschenrechtsverstöße drohte Nordkorea indes mit dem Bau weiterer Atomwaffen. Das Land werde seine Bemühungen verstärken, „seine Fähigkeit zur Selbstverteidigung einschließlich der Atomstreitmacht zu verstärken“, wurde am Sonntag auf der Website der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA das Außenministerium in Pjöngjang zitiert.

Mit der Drohung reagierte das kommunistische Regime auf eine am Donnerstag verabschiedete Resolution der UN-Vollversammlung, in der „systematische, weitverbreitete und grobe Verletzungen der Menschenrechte“ in dem Land verurteilt werden. Das Gremium rief den UN-Sicherheitsrat auf, Nordkorea eventuell vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen. Die Nordkorea-Verbündeten China und Russland, die beide ein Vetorecht im Rat haben, stehen dem Schritt allerdings ablehnend gegenüber.

Nordkorea unterstellte den USA erneut, Drahtzieher der UN-Resolution zu sein. Das sei der „klarste Ausdruck der feindseligen US-Politik“, hieß es. Nordkorea hatte angesichts der jüngsten Vorwürfe bereits im November mit einem weiteren Atomtest gedroht.

Filmpremiere abgesagt

Bei der Attacke waren im November flächendeckend die Computersysteme von Sony Pictures angegriffen und zahlreiche Daten gestohlen worden. Der Angriff wird in Verbindung mit der Nordkorea-Satire "The Interview" gebracht. In dem Film bekommen zwei US-Journalisten den Auftrag, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un bei einem Interview zu töten. Nach dem Cyber-Angriff und darauffolgenden Terrordrohungen wurde die geplante Premiere des Films abgesagt.

"Die Regierung Nordkoreas hat eine lange Geschichte darin, die Verantwortung für destruktives und provokatives Handeln von sich zu weisen", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Mark Stroh. Das Weiße Haus stehe hinter den Ermittlungen der Bundespolizei FBI. Die US-Regierung sei überzeugt, dass Nordkorea für den Cyber-Angriff auf Sony Pictures verantwortlich sei.

Keine Zensur diktieren

US-Präsident Barack Obama hatte angekündigt: "Wir werden darauf entsprechend antworten, wann und wie wir es wollen." Er nannte es einen Fehler des Filmstudios, den Kinostart abzusagen. "Wir können nicht in einer Gesellschaft leben, in der irgendein Diktator irgendwo anfängt, in den USA Zensur auszuüben."

Am Samstag wurde auch bekannt, dass der Chef des Sony-Konzerns, Kazuo Hirai in Japan, sich Medien zufolge schon frühzeitig besorgt über den Film gezeigt hatte. Bereits im Juni habe Hirai Anstoß an einzelnen Szenen genommen, berichtete die "Los Angeles Times". Die Zeitung griff E-Mails zwischen der Sony Corp. in Tokio und dem Filmstudio in Kalifornien auf, die Hacker nach ihrer Attacke auf das Unternehmen im Internet veröffentlicht hatten.

(APA, dpa) Erstellt am 21.12.2014, 08:54

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