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Digital Life
05/07/2020

Österreicher befürworten Ausbau erneuerbarer Energien

Solar-, Wasser- und Windkraft werden laut neuer Studie begrüßt, umweltpolitische Maßnahmen werden großteils unterstützt.

Ein Drittel der Österreicher befürwortet den Ausbau von Solaranlagen, Kleinwasserkraftwerken und Windrädern, auch wenn dies in ihrem direkten Umfeld erfolgt, berichten Experten am Donnerstag vor Journalisten. Knapp die Hälfte interessiert sich auch für Elektroautos, die Politik sollte den Kauf aber fördern und die Ladestellen-Situation verbessern, wie aus der neuen Studie "Stimmungsbarometer Erneuerbare Energien" (als PDF-Datei) hervorgeht.

Positives Bild

Ein Team um Nina Hampl, die am Institut für Produktions-, Energie- und Umweltmanagement der Universität Klagenfurt und dem Institute for Strategic Management der Wirtschaftsuniversität Wien forscht, verfolgt seit mittlerweile fünf Jahren, wie groß die Akzeptanz für Anlagen zur Gewinnung erneuerbare Energien in Österreich ist. Die Forscher befragten Privatpersonen in ganz Österreich, ob sie unterstützen würden, dass in ihrer Gemeinde ein neues ökologisches Kleinwasserkraftwerk, eine Photovoltaikanlage oder Windräder (letztere in angemessener Entfernung zum bewohnten Gebiet) errichtet würden.

"Grundsätzlich ist die Akzeptanz sehr hoch - im landesweiten Durchschnitt befürwortet eine deutliche Mehrheit solche Anlagen in der eigenen Wohnumgebung", erklärte Robert Sposato von der Uni Klagenfurt im Gespräch mit der APA. Das Bild, das die Österreicher von erneuerbaren Energien haben, sei demnach sehr positiv. Im landesweiten Durchschnitt billigten 77 Prozent erneuerbare Energien. Am besten schnitt die Solarenergie ab: Rund 88 Prozent würden eine Photovoltaikanlage in der Wohngemeinde unterstützen, 74 Prozent ein kleines Wasserkraftwerk und 67 Prozent Windräder nahe der Gemeinde, so die Forscher in dem aktuellen Bericht für das Jahr 2019, dessen Ergebnisse sie auch bei der derzeit laufenden virtuellen Tagung der European Geosciences Union (EGU) präsentierten.

Lokale Unterschiede

Es gibt aber durchaus lokale Unterschiede, vor allem bei der Windkraft. Im Burgenland ist die Akzeptanz um einiges höher als etwa in Vorarlberg, berichtet Sposato. Es ist schon von anderen Studien bekannt, dass die Leute neue, umweltschonende Techniken zunächst begrüßen, wenn sie vorgestellt werden, die Akzeptanz aber sinkt, wenn konkret etwas gebaut werden soll, nur um wieder zu steigen, wenn die Projekte fertiggestellt sind und saubere Energie liefern. "Im Burgenland hat man diesen Prozess wohl schon durchlaufen und finden sich mit der Windkraft gut zurecht", meint er. Wo die Leute keine persönliche Erfahrung damit haben, sind sie wohl noch etwas skeptischer, was Anlagen im eigenen Umfeld betrifft.

1-2-3-Ticket wünschenswert

Auch die Akzeptanz für klimapolitische Maßnahmen sei in Österreich hoch, so die Experten. Zwei Drittel der Befragten unterstützen einen Klimabonus für Pendler, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, und wünschen sich ein günstiges Klimaticket (1-2-3 Ticket um einen beziehungsweise zwei Euro für ein oder zwei Bundesländer und drei Euro pro Tag für ein österreichweites Jahresticket). Ein Großteil befürworte auch eine "ökologische Steuerreform" mit weniger Steuern auf Arbeit und mehr Steuern auf Klima-belastende Tätigkeiten, so die Studienautoren.

Interesse an E-Autos

44 Prozent der Österreicher outeten sich als potenzielle Elektroautokäufer, berichten die Experten, bei den Jugendlichen (59 Prozent) sei das Interesse noch deutlich höher. Hindernisse seien aber der im Vergleich zu Benzin- oder Dieselautos höhere Anschaffungspreise und fehlende Ladestationen. "Eine höhere Förderung für E-Autos wäre gerade jetzt sinnvoll, um auch die Autobranche wieder anzukurbeln", erklärte Gerhard Marterbauer von Deloitte Österreich in Wien. In den Städten gäbe es zwar bereits zahlreiche Ladestationen, doch im privaten Bereich fehlen die rechtlichen Rahmenbedingungen, kritisierte Michael Strebl von Wien Energie: "Eine Modernisierung des Wohnrechts könnte etwa die Installation von Ladestationen in Mehrparteienhäusern massiv erleichtern".

Wegen der Corona-Krise dürfte man das Engagement für eine Energiewende auf keinen Fall zurückfahren, sondern man sollte sich aus der Wirtschaftskrise herausinvestieren, indem man erneuerbare Energien unterstützt, erklärte Strebl. Auch Hampl meinte, man solle gerade wegen der aktuellen Krise umdenken und lokal produzierte, erneuerbare Energie besonders fördern.