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Österreichischer Computerpionier Heinz Zemanek ist tot

Österreichischer Computerpionier Heinz Zemanek ist tot

Zemanek galt als einer der Vorreiter der Computerwissenschaften und erlangte mit seiner Arbeit in einem eigens für sein Team geschaffenen IBM-Laboratorium in Wien Weltruhm. Zemanek hatte den Transistorrechner 1956 gemeinsam mit einer Gruppe von Studenten an der TU Wien gebaut. Seither gilt Zemanek als einer der Pioniere der Computerentwicklung. Google ehrte den Wissenschaftler erst im Winter 2013 für seine Pionierarbeit.

Eine YouTube-Doku zeigt die Entstehungsgeschichte des berühmten “Mailüfterl”. Das sogenannte Mailüfterl war einer der ersten vollständig mit Transistoren arbeitende Computer weltweit. Der Transistorrechner wird seit 1973 im Technischen Museum Wien ausgestellt.

TU Wien und IBM

Die Computerfirma IBM kaufte der Republik Österreich den an der TU Wien gebauten Rechner ab und übernahm wesentliche Teile der Technik für die Entwicklung des ab 1964 sehr erfolgreichen 360er-Rechners. In Wien stellten sie Zemanek ein eigenes Labor zur Verfügung, wo er sich in weiterer Folge vor allem auf Programmiersprachen konzentrierte. Die "Vienna Definition Language" (VDL) und die "Vienna Development Method" erlangten in den 1970er Jahren internationale Bedeutung.

1976 wurde Zemanek vom damaligen Computerriesen zum IBM-Fellow ernannt und hatte dadurch die Möglichkeit, seine Aufgaben völlig frei zu wählen. 1964 wurde Zemanek an der TU Wien zum außerordentlichen Professor ernannt, 1983 zum ordentlichen Professor berufen. Mitte der 80er Jahre trat Zemanek in den Ruhestand - allerdings nur formal. Seinen Enthusiasmus für Forschung und Lehre behielt er bis ins hohe Alter. Zemanek hinterlässt ein wissenschaftliches Werk aus rund 500 Aufsätzen und sieben Büchern, darunter etwa "Weltmacht Computer" (1991) oder "Vom Mailüfterl zum Internet" (2001).

So begann Zemaneks Karriere: Nach seiner Matura im Juni 1937 studierte Zemanek an der TU Wien Nachrichtentechnik. Ab 1943 arbeitete Zemanek an seiner Diplomarbeit zum Thema „Über die Erzeugung von kurzen Impulsen aus einer Sinusschwingung“. Im Dezember 1944 graduierte er zum Diplom-Ingenieur, 1951 folgte die Promotion, 1958 die Habilitation.

Auszeichnungen

Im Laufe seiner Karriere erhielt Zemanek, der auch an der TU Wien lehrte, zahlreiche Auszeichnungen und bekleidete hohe Positionen. Er war Präsident der International Federation for Information Processing (IFIP) mit Sitz in Laxenburg bei Wien und Gründungspräsident der Österreichischen Computergesellschaft, die seit 1985 den „Heinz-Zemanek-Preis“ vergibt, weiters Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. 2003 wurde er für sein wissenschaftliches Lebenswerk mit dem Kardinal-Innitzer-Preis ausgezeichnet.

 "Mit Prof. 
Heinz Zemank verliert die Technische Universität Wien einen herausragenden Techniker und Visionär", sagt Rektorin Sabine Seidler. "Mit seinem Innovationsgeist hat er Technikgeschichte geschrieben und bleibt dadurch der Scientific Community in höchst respektvoller Erinnerung. Das gesamte Kollegium verabschiedet sich in tiefer Trauer und wird das Wirken und Forschen Heinz Zemaneks in ehrenvollem Andenken weitertragen."

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