Digital Life
05.04.2014

Panini-Tauschbörse: Viele Fußball-Fans suchen online

Alle vier Jahre wieder: Die Fußball-WM steht an und damit erlebt auch das Panini-WM-Stickeralbum eine Neuauflage. Getauscht wird heutzutage vermehrt online.

Was 1970 international und 1974 im deutschsprachigen Raum begann, feiert anlässlich der bevorstehenden Fußball-WM in Brasilien die insgesamt zwölfte Auflage: Der Panini-Verlag zeichnet einmal mehr für das offizielle Sticker-Album der WM verantwortlich. Mit über 30 Milliarden im Umlauf befindlichen Pickerln präsentiert sich das Konzept im digitalen Zeitalter erstaunlich solide und lukrativ. Wie eh und je wird privat und auf eigens eingerichteten Börsen gekauft, getauscht und auch gehandelt. Viele setzen dabei aber auch vermehrt aufs Internet.

Panini WM Stickeralbum damals bis heute

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Panini WM Album

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Panini-Sticker online tauschen

„Natürlich gibt es einige Fußball-Fans, die per se nicht online tauschen wollen, weil sie es unsportlich finden, auf diese Art ihre Alben zu vervollständigen“, sagt 90minuten.at-Chefredakteur Michael Fiala im Gespräch mit der futurezone. „Mein Zugang ist eher der, dass jeder tauschen kann und soll, wie er will. Meist benutzt man ohnehin verschiedene Kanäle.“ Fiala betreibt auf mystickerbook.at eine der größten Panini-Tauschbörsen im deutschsprachigen Raum und erwartet, dass die 2006 auf dem Fußballblog 90minuten.at erstmals eingeführte Plattform in diesem Jahr über zehntausend Panini-Fans anlocken wird.

Während Sammler auch traditionelle Online-Verkaufsplattformen wie eBay oder Willhaben.at nutzen, um doppelte Sticker loszuwerden, ist auf der Plattform sammlerboerse.at etwa ein eigener Panini-Bereich eingerichtet, auf der man wie in einem Inserat fehlende und doppelte Pickerln eingeben kann. Das Suchen und Finden einzelner Sticker funktioniert allerdings manuell. Komfortabler, da automatisiert, geht das ganze auf der bereits erwähnten österreichischen Plattform mystickerbook.at , dem Schweizer Pendant stickermanager.com oder der deutschen Seite klebebildchen.net, die derzeit allerdings eigenen Angaben zufolge mit technischen Problemen zu kämpfen hat.

Algorithmus sucht Tauschpartner

„Wirklich automatisierte Plattformen gibt es gar nicht so viele, da die Programmierung gut umgesetzt sein muss, wenn man einen Mehrwert bieten will“, sagt Fiala. Auf mystickerbook.at etwa kann jeder Panini-Sammler nach seiner Gratis-Registrierung seine doppelten und fehlenden Sticker eintragen. Ein Algorithmus berechnet schließlich den optimalen Tauschpartner. „Die Sammler können sich aussuchen, ob sie einen „1:1-Tausch“ – für jedes hergegebene Pickerl bekommt man genau eines geschickt – oder einen „X:Y-Tausch“ durchführen wollen. Beim „X:Y-Tausch“ machen sich die beiden Sammler dann aus, ob die überzähligen Pickerl bezahlt werden müssen oder nicht“, so Fiala.

Das Geschäftsmodell hinter der Gratis-Plattform ist schnell erklärt. Einnahmen werden aus Werbeschaltungen auf der Seite lukriert. Andererseits gibt es aber auch die Möglichkeit, dass Unternehmen die Tauschbörse gegen Entgelt auf ihren Webseiten integrieren können. Neben den Panini-Alben können auf der Seite etwa auch Sticker für Sammelalben von Lebensmittelhändlern wie Spar und Billa getauscht und angeboten werden.

Hype ungebrochen

Als Konkurrenz zu etablierten physischen Tauschbörsen sieht Fiala das Online-Angebot nicht – im Gegenteil. Vielmehr kündige man auch physische Tausch-Events auf der Plattform an und sehe diese als Beitrag, um die Panini-verrückten Fußball-Fans zu vernetzen. Wie man auf derartigen Events beobachten könne, sei der Hype auch mehr als 40 Jahre nach der Premiere ungebrochen. „Von Kindern bis Erwachsenen zu Senioren sind alle Bevölkerungs- und Berufsschichten vertreten. Das ist schon faszinierend zu beobachten.“

Der Trend sportliche Großereignisse mit exklusiven Werbepartnern milliardenschwer zu vermarkten, macht auch nicht vor dem Stickeralbum und dem mittlerweile zum Großkonzern gewachsenen italienischen Panini-Verlag Halt. „Der Charme, den Panini als Familienunternehmen vor 30, 40 Jahren hatte, ist heute natürlich weg. Die Alben sind immer dicker und aufwändiger geworden. Von Sponsoren und Partnern wird zudem keine Möglichkeit ausgelassen, das Album alle nur erdenklichen Arten zu bewerben“, sieht Fiala die aktuelle Entwicklung auch kritisch. Anzeichen, dass Panini oder die WM-Verantwortlichen gegen Online-Tauschbörsen vorgehen oder mit Lizenz-Forderungen zu Fall bringen wollen, gäbe es aktuell zumindest aber keine.