Digital Life
27.04.2018

Philippinen: Ausgebeutet für unsere Handys

© Bild: M. Spritzendorfer-Ehrenhauser/ Welthaus

Der rücksichtslose Abbau von Rohstoffen zerstört ganze Landstriche und die Lebensgrundlage der lokalen Bevölkerung.

Dass das schön glänzende Marken-Smartphone und der modische Laptop eine hässliche Vorgeschichte haben, ist mittlerweile zwar hinlänglich bekannt, aber vielen Käufern hierzulande dennoch kaum bewusst. Neben menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in Fabriken, wo die Elektronikbauteile hergestellt und zusammengesetzt werden, herrschen vor allem in den Minen, wo die benötigten Rohstoffe abgebaut werden, schockierende Zustände. 

Ausbeutung in den Philippinen

Neben Afrika, China und Indien zählen auch die Philippinen zu den Gebieten mit reichen Rohstoffvorkommen. Vor allem Gold, aber auch Kupfer werden ohne Rücksicht auf die Umwelt oder die lokale Bevölkerung exzessiv abgebaut. "Das Grundwasser ist weg oder verseucht. Die Fruchtbarkeit der Böden ist zerstört, man kann nicht einmal mehr Bäume pflanzen." Die philippinische Aktivistin Rina Libongen wirkt im futurezone-Interview gefasst, wenn sie über die Rohstoffausbeutung in der Gebirgsregion der Kordilleren spricht.

Rina Libongen © Bild: M. Spritzendorfer-Ehrenhauser/ Welthaus

Dabei ist die Umweltzerstörung durch den industriellen Goldabbau nicht das einzige Unrecht, das Libongen und ihrer indigenen Volksgruppe auf ihrem Land widerfahren ist. Über ein umstrittenes Bergbau-Gesetz Mitte der 90er-Jahre sicherte sich die Regierung das alleinige Zugriffsrecht auf die Mineralvorkommen, die bisher von der indigenen Gemeinschaft in Maßen genutzt wurde. Anstelle von traditionellem Goldabbau ohne Einsatz von giftigen Chemikalien wie Arsen oder Blausäure traten internationale Großminen, die sich die Schürfrechte von der Regierung sicherten und Land und Leute ausbeuteten.

Die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung wurde dabei gleich mehrfach zerstört. Zum einen ist Landwirtschaft auf den ausgetrockneten und teilweise verseuchten Böden praktisch unmöglich geworden. Zum anderen muss die lokale Bevölkerung auf dem Land, das rechtlich gesehen weiterhin der Volksgruppe gehört, trotz des geringen Ertrags durch traditionelle Abbaumethoden nun auch Lizenzgebühren für das Schürfen bezahlen. Manche arbeiten deshalb in den Großminen - für entsprechend wenig Geld.

Giftige Schlammlawinen

Gegen die Folgen der Umweltzerstörung aufgrund von industriellem Rohstoffabbau kämpft auch Rolando Larracas. Der 66-Jährige hat auf der Insel Marinduque zusammen mit anderen Aktivisten erreicht, dass 50 Jahre kein Bergbau mehr betrieben werden darf. Drei Dammbrüche haben die Insel, die eines der größten Kupfervorkommen des Landes aufweist, mit giftigem Schlamm verseucht.

Rolando Larracas © Bild: M. Spritzendorfer-Ehrenhauser/ Welthaus

Auf adäquate Kompensationszahlungen und Wiedergutmachung durch die internationalen Minenbetreiber aus Kanada wartet die lokale Bevölkerung bisher vergeblich. Zusammen mit Libongen will der Lokalpolitiker deshalb internationales Bewusstsein für die prekäre Situation auf den Philippinen schaffen. Auf Einladung des Welthauses und in Zusammenarbeit mit der Dreikönigsaktion sowie der Organisation Südwind  touren die beiden deshalb aktuell durch Österreich, um in Schulen, Pfarren und in Gesprächen mit Politikern auf die Problematik aufmerksam zu machen.

16-Jährige verbrauchen sechs Handys

"Die Interesse der Schüler ist sehr hoch. Die meisten haben keine Ahnung, dass für ihr Smartphone andere Menschen und Landschaften ausgebeutet werden", erklärt Silvia Schreyer-Richtarz vom Welthaus Wien im futurezone-Interview. "Mit dem neu geschaffenen Bewusstsein wollen wir erreichen, dass die Schüler, aber auch Erwachsene ihren Konsum solcher Elektronikprodukte überdenken. Manche 16-Jährigen berichteten uns, dass sie bereits das sechste Smartphone verwenden. Das hat selbst mich ein wenig schockiert."

Aufgeben wollen die Aktivisten ungeachtet der schwierigen Voraussetzungen jedenfalls nicht. "Es gibt Zuspruch, auch im Land. Ich setze viel Hoffnung in die junge Generation, die sich ganz besonders für Gerechtigkeit und bessere Lebensbedingungen engagiert", sagt Larracas. "Österreich kennt solche Probleme beim Rohstoffabbau vielleicht nicht. Aber Umweltzerstörung und Klimawandel sind globale Phänomene, gegen die wir nur in gemeinsamer Solidarität bestehen können", hofft Libongen auf internationale Unterstützung.