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Startup Week Prezi: „Wir wollen PowerPoint-Nutzer bekehren“.

Foto: Kretkök, Prezi
Das ungarische Start-up Prezi macht mit seiner gleichnamigen Präsentations-Software Microsofts PowerPoint Konkurrenz und zählt weltweit bereits mehr als fünf Millionen Nutzer. Die futurezone hat mit Prezi-Gründer Adam Somlai-Fischer über gute Präsentationen, das Frustrationspotenzial von Präsentationslösungen und die Situation für Start-ups in Europa gesprochen.

Eine Präsentationsfläche, in die nach Belieben rein- und rausgezoomt werden kann, auf der sich einzelne Elemente miteinander verbinden lassen und die auch Platz für Erweiterungen bietet. Mit diesem Konzept will das ungarische Start-up Prezi gängiger Präsentations-Software wie Microsofts PowerPoint Nutzer abspenstig machen. Das 2009 von Adam Somlai-Fischer, Peter Halacsy und Peter Arvai gegründete Unternehmen lockt auch namhafte Investoren an. Die Veranstalter der renommierten TED-Konferenz sind ebenso an Bord, wie der dänische Kapitalgeber Sunstone Capital. Anfang Oktober ist Prezi-Mitgründer und Designchef Somlai-Fischer bei der STARTup Week in Wien zu Gast. Die futurezone hat mit ihm über seine Präsentations-Software und Chancen und Möglichkeiten für europäische Start-ups gesprochen.

futurezone: Sie sind eigentlich Archtitekt.  Wie kam es zur Entwicklung einer Präsentations-Software?
Adam Somlai-Fischer:
Eigentlich hat es schon vor zehn Jahren begonnen. Ich habe als Architekt gearbeitet und habe auch interaktive Installationen gemacht, unter anderem bei der Linzer Ars Electronica. Ich war viel unterwegs und wurde zu Präsentationen eingeladen. Mit gängiger Präsentations-Software hatte ich aber Probleme. Ich hatte Schwierigkeiten meine Ideen auf verschiedene Folien zu verteilen. Dabei gehen die Zusammenhänge verloren.  Also habe ich selbst ein Präsentations-Tool entwickelt. Eine Karte in die ich rein- und rauszoomen konnte. Der Computerwissenschaftler Peter Halacsy hat mir vor einigen Jahren vorgeschlagen, daraus ein Produkt zu entwickeln. Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen und uns schließlich entschlossen Prezi professionell zu vermarkten. Mit dem schwedisch-ungarischen Entrepreneur Peter Arvai haben wir schließlich einen Geschäftsführer gefunden, der gut zu uns passte.

Präsentations-Software ruft bei vielen Leuten Emotionen hervor. In der Schweiz gibt es etwa eine Anti-PowerPoint-Partei . Verstehen Sie die Ressentiments?
Folienbasierte Lösungen wie PowerPoint zwingen dazu, Ideen stark zu vereinfachen. In jedem Buch über Präsentationen steht, dass Sie sich kurz halten sollen. Komplexe Themen können Sie auf diese Art nicht präsentieren. Aber auch wenn Sie sich nicht daran halten, funktioniert es nicht. Es ist schwierig, Präsentationen zu folgen, die sich aus vielen verschiedenen Folien mit vielen Punkten zusammensetzen. Sie wissen bald nicht mehr, was wichtig ist und was nicht. Gleichzeitig verfügen wir aber über mächtige Werkzeuge, mit denen komplexe Sachverhalte vermittelt werden können. In der Schule wurden uns mithilfe von Tafeln oder Whiteboards komplizierte Lernstoffe beigebracht. Diese Präsentationen können aber nicht so einfach weitergegeben und mit anderen geteilt werden. Prezi steht zwischen PowerPoint und der klassischen Tafel. Sie haben eine große Präsentationsfläche und können so auch Beziehungen zwischen den einzelnen Punkten herstellen. Beim Präsentieren können Sie auf die wesentlichen Punkte zoomen und die Aufmerksamkeit darauf lenken. Damit lassen sich Frustrationen vermeiden, denen viele PowerPoint-Nutzer ausgesetzt sind.

Was macht eine gute Präsentation aus?
Eine gute Präsentation ermöglicht es Zusammenhänge zu erkennen und animiert dazu, Fragen zu stellen. Gute Präsentationen lösen Diskussionen aus. Im Idealfall suchen Vortragender und Publikum gemeinsam Lösungen oder entwickeln gemeinsam Ideen. Prezi gibt Raum für solche Interaktionen. Deshalb ist Prezi auch ein bisschen wie Mindmapping-Software. Prezi will beim Denken und beim Erarbeiten komplexer Sachverhalte helfen, auch in Gruppen. Wir bei Prezi verwenden die Software etwa zum Entwickeln von Ideen oder neuer Produktdesigns.

Prezi ist auch am iPad verfügbar. Das Touch-Interface sollte der Software entgegen kommen?
Wir sind über das iPad sehr glücklich. Unsere Nutzer ändern ihre Präsentationen sehr oft und gruppieren die Inhalte um. Mit einem Touch-Interface geht das viel einfacher und intuitiver als mit einer Computer-Maus. Ich glaube, dass Touch-Interfaces den Umgang mit Computern generell spielerischer machen.  

Als Sie ihr Start-up 2009 gründeten, hatten Sie sehr bald auch prominente Investoren. Wie haben Sie das angestellt?
Wir haben Prezi immer als internationales Produkt gesehen und wollten rasch auf den globalen Markt. Das erste, was unser CEO gemacht hat, war nach New York zu fliegen. Er hat es geschafft ein Treffen mit Chris Anderson, dem Direktor der TED-Konferenzen, zu arrangieren. Er hat ihm unser Produkt gezeigt und ihn dazu gebracht, in Prezi zu investieren. TED hat davor keine Investitionen in Start-ups gemacht. Prezi ist von seiner Natur her viral. Leute nutzen es für Präsentationen und werden darauf angesprochen. Wir mussten also nicht sehr viel Marketing machen. Wir sind auch im Netz sehr präsent. Sunstone Capital, unser zweiter großer Investor, ist über Twitter auf uns aufmerksam geworden. Die Leute haben Tweets zu Prezi gepostet. Das hat das Interesse von Sunstone geweckt und sie haben uns ein E-Mail geschrieben. Wir haben gesehen, dass wir uns gut verstehen und sie uns auch über das Investment hinaus helfen können. Bisher hat das sehr gut funktioniert.

Sie haben auch eine Niederlassung im Silicon Valley. Wie wichtig ist eine Präsenz in den USA für europäische Start-ups?
Es hängt immer davon ab, was Sie machen. Wenn Sie im B2B-Bereich tätig sind, finden Sie wahrscheinlich auch in Europa einen Markt. Aber wenn Sie sich an Konsumenten wenden ist der größte Markt die USA. Wir wollten in den USA Fuß fassen und auch die Kultur verstehen. Präsentationen sind in den USA weit populärer als in Europa. Selbst im Kindergarten werden schon Präsentationen gemacht. Für uns war es also sehr wichtig, in den USA präsent zu sein.

Sie haben ein Freemium-Geschäftsmodell. Die Software kann in der Basisversion kostenlos genutzt werden. Für zusätzliche Funktionen verlangen Sie Lizenzgebühren. Wieviele zahlende Nutzer haben Sie eigentlich?
Wir haben derzeit insgesamt fünf Millionen Nutzer. Die Zahl wächst sehr schnell. Im Frühjahr waren es drei Millionen. Die Anzahl der zahlenden Nutzer geben wir nicht bekannt.  Wir verdienen allerdings Geld. Das ist für uns sehr wichtig, da es uns Spielraum für die weitere Entwicklung gibt. Bei der freien Version sind die Präsenationen öffentlich zugänglich. Deshalb entscheiden sich viele Institutionen und Forscher, die Prezi nutzen, für die kostenpflichtige Version. Sie wollen nicht, dass ihre Präsentationen für alle einsehbar sind.

Sie haben vor vier Jahren auch das Medialab Kitchen in Budapest mitgegründet und waren bis 2009 dort auch Direktor. Wie wichtig sind solche Orte für die Entwicklung von Ideen?
Medialabs wie Kitchen in Budapest bringen Leute aus verschiedenen Disziplinen zusammen, die sich für Technologie interessieren und gemeinsam an Ideen arbeiten. So entstehen oft großartige Sachen. Dabei geht es nicht darum, Produkte zu kreiieren, sondern um grundlegende Formen der Zusammenarbeit. Solche Orte sind sehr wichtig und glücklicherweise gibt es sie in vielen europäischen Städten. Sie sorgen auch dafür, dass Projekte und Ideen sichtbar werden und Aufmerksamkeit bekommen.

Wie ist die Situation für Start-ups aus dem Technologiebereich in Ungarn?
Die Situation ist nicht so schlecht. Natürlich gibt es in den USA mehr Risikokapital. Andererseits sind europäische Risikokapitalgeber nicht so aggressiv wie ihre US-Pendants. Start-ups stehen also nicht so stark unter Druck. Ich glaube aber, dass es in Europa ein grundlegendes Problem gibt. Nämlich die Einstellung der Gründer. In den USA glauben Leute, die ein Unternehmen gründen, dass sie ganz groß rauskommen und vielleicht das nächste Google werden, wenn sie hart daran arbeiten. In Europa glauben Gründer nicht so stark an ihre Ideen. Sie hoffen, dass sie vielleicht einmal bei Google arbeiten können. Wenn Sie nicht in großen Dimensionen denken, werden Sie auch nicht groß.

Was raten Sie europäischen Start-ups?

Als Gründer muss man hart arbeiten und sich Tag und Nacht um sein Unternehmen kümmern. Sie müssen auch große Ziele haben. Wenn die Sache, die sie machen, gut ist, haben sie heute durch das Marketing im Netz alle Möglichkeiten. Es hängt also von der Qualität des Produktes ab. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Wie geht es mit Prezi weiter?
Wir arbeiten an der Weiterentwicklung der Software und bauen dabei auch viele Funktionen ein, die von Nutzern gewünscht werden. Wir wollen Prezi auch einfacher gestalten. Es ist nicht so, dass unsere Nutzer ein Problem hätten, das Programm zu verstehen. Aber wir wollen auch Leute ansprechen, die mit Technologie wenig vertraut sind. Wir wollen, dass Prezi von Leuten in aller Welt auf jedem Computer genutzt wird. Es gibt natürlich noch viele Leute, die in Folien denken, wie sie etwa bei Präsentationssoftware wie PowerPoint zum Einsatz kommt. Wir arbeiten aber daran, sie zu bekehren.

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Adam Somlai-Fischer. Der 35-Jährige Architekt und Interaction Designer gründete 2009 Prezi und ist seither als Designchef des Start-ups tätig. Die von ihm entwickelte Präsentations-Software setzte er bereits Jahre davor bei Vorträgen ein. Somlai-Fischer ist auch Mitgründer des Budapester Medialabs Kitchen, das er bis 2009 auch leitete.

Warum Folien für Präsentationen nur bedingt eine gute Lösung sind, erläuter Somlai-Fischer auch in der Prezi-Präsentation "About perspective".

STARTup Week: Von 3. bis 7. Oktober werden sich in Wien 100 Investoren und 50 Start-ups aus Mittel- und Osteuropa bei der STARTup Week treffen. Bei dem Festival für junge Internet-Firmen wird neben einem Start-up-Wettbewerb und zahlreichen Workshops und Events auch eine prominent besetzte Konferenz im Wiener Haus der Industrie stattfinden. Unter den 70 Vortragenden des Festivals finden sich neben Somlai-Fischer, Esther Dyson, Skype-Investor Morton Lund und Christian Hernandez von Facebook.

(futurezone) Erstellt am 27.09.2011, 06:00

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