Digital-Life 04.04.2013

Roboter-Unterstützung für die Feuerwehr

Das Wiener Unternehmen taurob hat einen ferngesteuerten Roboter entwickelt, der genau auf die Bedürfnisse von Feuerwehren zugeschnitten ist. Bei Einsturz-, Brand- oder Explosionsgefahr klärt er dort die Lage, wo es für Menschen brenzlig wird.

Bei manchen Einsätzen herrscht für Feuerwehrleute höchste Lebensgefahr, sei es bei Gasaustritten, Einsturzgefahr oder gar Strahlungslecks. Ein Roboter kann dabei helfen, die jeweilige Situation ohne Risiko aufzuklären. Das Wiener Unternehmen taurob hat sich auf die Entwicklung eines Feuerwehr-Roboters spezialisiert.

Der "taurob tracker" erinnert äußerlich an einen Kettenpanzer mit ausklappbarem Arm - bloß in Rot statt in Tarnfarbe. Auf dem Karbongehäuse zwischen den Kettenrädern sitzen Antennen und Gassensoren, sowie ein Paket von Funkrelais, die innerhalb von Gebäuden ausgesetzt werden können, um die Funkreichweite zu erhöhen. Am Ende des mehrgliedrigen Armes sitzt eine Farb- und eine Wärmebildkamera. Weitere Kameras sowie Lichter sind an der Front und im Heck des Fahrgestells untergebracht.

Die Kettenräder des taurob tracker können abgewinkelt werden, um etwa Trümmer oder Stiegen zu erklimmen. Bis zu 40 Grad Steigung kann der Roboter überwinden. Er ist wasserdicht und kann optional in seinem Inneren Überdruck erzeugen. Dadurch kann er auch in stark explosionsgefährdete Räume eindringen. Durch den Überdruck kann sich kein Gas in der Umgebung an Funken entzünden. Die Beschaffenheit des Gehäuses wirkt elektrostatischer Aufladung entgegen.

Auf die Feuerwehr zugeschnitten
Gesteuert wird der taurob tracker mit einer Fernbedienung, die an eine überdimensionale Handheld-Konsole erinnert. Sie ist mit Joysticks und Knöpfen bestückt. Dazu gibt es einen großen Touchscreen, auf dem man die Ansichten aller Kameras sieht. Durch Berührung lassen sich diese vergrößern. Dazu werden die Werte verschiedenster Gase angezeigt. Eine 3D-Darstellung des Roboters zeigt, in welcher Lage sich Corpus und Kameraarm gerade befinden.

Eine Version des taurob tracker ist derzeit für die Wiener Berufsfeuerwehr im Test-Einsatz.
Auch in weiteren österreichischen Städten, sowie in Deutschland und der Slowakei stößt Taurob auf reges Interesse. Die Gründer von taurob haben ihr Produkt genau auf den Markt zugeschnitten, erzählt Matthias Biegl, einer der beiden Geschäftsführer des Wiener Unternehmens.

Nische gefunden
Gemeinsam mit seinem Partner Lukas Silberbauer habe er sich genau angesehen, in welcher Nische ein Bedarf an neuen Robotiklösungen besteht. Silberbauer hatte zuvor an der Technischen Universität Wien einen Minensuchroboter entwickelt und brachte so das technische Know-How mit, während Biegl sich auf den Vertrieb spezialisierte. Durch Kontakte zur Feuerwehr erfuhren die beiden, dass ein robuster, einfach zu bedienender Aufklärungsroboter ein ausreichendes Absatzpotential hätte.

Mit einem Konzept klapperte man mehrere Förderstellen ab. Nach erfolgreicher Finanzierung gründeten Biegl und Silberbauer die Firma taurob. Acht Mitarbeiter beschäftigen sich mittlerweile mit der Entwicklung des Roboters. Ausgangspunkt ist eine fixe Plattform, die modular erweitert werden kann.

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©David Kotrba

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

©David Kotrba

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

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Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

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Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

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Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

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Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

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Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

©David Kotrba

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

©David Kotrba

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

©David Kotrba

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

©David Kotrba

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

©David Kotrba

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

©David Kotrba

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

©David Kotrba

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

©Taurob

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

©Taurob

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

©Taurob

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

©Taurob

Taurob Roboter Robotik Feuerwehr Feuerwehrroboter.

Steuerung per Funk und 3G
Die Plattform besteht aus einem fernsteuerbaren Kettenfahrzeug mit Windows-basierter Software. Als Fernsteuerung kann ein Laptop, ein Tablet oder ein individuell maßgeschneidertes Steuergerät zum Einsatz kommen. Die Übertragung zwischen Fernsteuerung und Roboter geschieht mittels Funk. Auf Sicht beträgt die Reichweite 500 bis 1.000 Meter. In Gebäuden wird sie beträchtlich verringert.

Aushelfen kann man sich - wie oben beschrieben - mit zusätzlichen Funkrelais, oder auch per 3G-Mobilfunk. Der taurob tracker ist damit theoretisch von jedem Standpunkt auf der Welt mit Internetzugang dirigierbar. Da das Einsatzgebiet von Feuerwehren vorwiegend den urbanen Raum betrifft, ist ein Verbindungsaufbau mit dem Roboter über 3G meist gewährleistet.

Patentiertes Fahrwerk
Bewegt wird der taurob tracker mit Elektromotor, und das bis zu 8 km/h schnell. Die Akkus an Bord liefern genügend Energie für zwei bis drei Stunden Dauereinsatz. Beim Betrieb mit gelegentlichen Bewegungspausen verlängert sich die Akkulaufzeit auf bis zu sechs Stunden. Das Kettenfahrwerk des Roboters stellt eine Besonderheit dar. Trotz einer durchgängigen Kette kann das Fahrwerk abgewinkelt werden. Normalerweise kommen bei einer solchen Winkeländerung zwei separate Ketten zum Einsatz. Auf die Ein-Kette-Lösung hält taurob ein Patent.

Strahlungsresistenz
Der taurob tracker hält ein gewisses Maß an radioaktiver Strahlung aus. Theoretisch könnte das Gerät also auch bei Reaktorunglücken, wie in Fukushima eingesetzt werden und dabei etwa mit einem Geigerzähler Strahlungskarten erstellen. Zu hohe Strahlung wirkt sich allerdings schädlich auf die Elektronik von Robotern aus.

Die wasserdichte Konstruktion erlaubt eine einfache Dekontaminierung nach einem Einsatz in verstrahltem Gebiet. Die Feuerwehr verwendet in solchen Fällen üblicherweise Dekontaminierbäder. Der gesamte Roboter wird dann in eine gefüllte Wanne gesteckt.

Die taurob-Gründer Lukas Silberbauer (li.) und Matthias Biegl (re.) mit zwei Roboter-Varianten.
© Bild: David Kotrba

Vielseitige Einsatzszenarien
Zuletzt bringt der taurob tracker auch noch die notwendige Kraft für Rettungseinsätze mit. Der Greifarm ist ausreichend stark motorisiert, um den Roboter wieder aufzurichten, falls er umgekippt. Direkt vor dem Corpus kann der Arm bis zu 25 Kilogramm Masse heben. Ein Greifarm-Modul ist derzeit in Entwicklung. Durch das Kettenfahrwerk erzeugt der Roboter genügend Haftung, um trotz des Eigengewichts von 60 Kilogramm ganze Autos ziehen zu können. In Tests zog der taurob tracker bereits Menschen auf einer Bahre aus Gefahrenzonen.

Wie Matthias Biegl erklärt, könnte der taurob tracker auch als Lastentransporter für Einsatzkräfte fungieren. Indem er etwa Feuerwehrleuten in ein Gebäude folgt, könnte er als mobiler Werkzeugkasten dienen. Die vielseitige Verwendbarkeit des Geräts hat die FH Technikum in Wien bereits dazu bewegt, die Basis eines taurob tracker als Plattform für Studentenexperimente zu erwerben. Mögliche Einsatzgebiete außerhalb des Feuerwehr-Kontextes umfassen etwa Tätigkeiten im Rahmen der militärischen ABC-Abwehr oder in der Petrochemie.

Momentan befindet sich der taurob tracker jedoch noch in der Entwicklungsphase. Mitte 2013 soll der Roboter alle Kinderkrankheiten überstanden haben und alle Funktionen erfüllen, die seine Konstrukteure geplant haben. Im vergangenen Herbst nahm der taurob tracker übrigens am Wettkampf um den Robotik Award teil, den Roboter-Spezialpreis, der im Rahmen der futurezone Awards verliehen wurde.

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Der taurob tracker ist ein Beispiel für Roboter, die dort eingesetzt werden, wo Menschen in Gefahr wären oder gar nicht erst hinkämen. Andere Beispiele dafür sind derzeit im Rahmen der Ausstellung "Roboter. Maschine und Mensch?" im Technischen Museum Wien zu sehen. Ein eigener Bereich ist dabei Robotern gewidmet, die Kanalrohre, die Tiefsee oder gar die lebensfeindliche Umgebung fremder Planeten erkunden. Die Ausstellung läuft noch bis 14. Juli.

( futurezone ) Erstellt am 04.04.2013