Digital Life
01.05.2017

Routinetätigkeiten werden von Maschinen übernommen

David Benjamin, Produktmanager beim Cloud-Dienstleister Box, im Interview mit der futurezone über die Zukunft der Arbeit, künstliche Intelligenz und Datenschutz in der EU.

Wie wir in Zukunft arbeiten werden, war Thema der World Tour des US-Cloudanbieters Box, die in London Station machte. Die futurezone hat mit David Benjamin, der bei Box für das Europageschäft zuständig ist, am Rande der Veranstaltung über die Digitalisierung der Arbeitswelt gesprochen.

futurezone: Welche Auswirkungen haben neue Technologien auf unsere Arbeitswelt?
Benjamin: Neue Technologien ermöglichen es uns, die Art und Weise, wie wir arbeiten, neu zu erfinden. Wenn wir uns Unternehmen ansehen, sehen wir über die Jahre gewachsene Prozesse, die aus heutiger Sicht sehr ineffizient und kostspielig sind und die in den Organisationen auch zu Frustrationen führen.

Zum Beispiel?
Nehmen Sie zum Beispiel eine Plattenfirma. Wenn sie ein neues Album auf den Markt bringen und es promoten, brennen sie es auf CD und beauftragen einen Boten, damit er es zu den Radiostationen bringt. Das geschieht auch heute noch, obwohl wir viel einfachere Möglichkeiten haben, das zu erledigen, etwa wenn wir das Album in der Cloud zum Abruf bereitstellen. Beispiele wie dieses gibt es in fast jedem Unternehmen. Firmen müssen sich digitalisieren, dazu müssen sie aber auch lernen, digital zu denken.

Was heißt das?
Es genügt nicht existierende Produkte und Dienstleistungen zu digitalisieren. Unternehmen sollten sich fragen, ob sie neue Technologien dazu nutzen können, etwas zu schaffen, das sich fundamental von dem unterscheidet, was sie bisher getan haben.

In der Praxis ist das vermutlich nicht so einfach?
Viele Unternehmen, die vor dem Jahr 2000 gegründet wurden, verdanken ihren Erfolg hoher Effizienz, die sie durch extrem schlanke Prozesse erreicht haben. Das Problem bei einem solchen Zugang ist aber, dass nicht viel Platz für Innovation bleibt. Wirklich digitale Unternehmen sind ganz anders aufgebaut. Ihre Arbeitsprozesse sind offen, sie ermöglichen bessere Zusammenarbeit und schnellere Entscheidungen. Das führt auch dazu, dass Produkte rascher auf den Markt kommen.

Welche Rolle wird künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz der Zukunft spielen?
Was künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen betrifft, stehen wir noch am Anfang, wir kratzen gerade einmal an der Oberfläche dessen, was möglich ist. Aber es wird ein massives Thema werden.

Wie wird die Technik eingesetzt?
Außendienstmitarbeiter in Unternehmen nutzen Fotos, um Situationen zu erfassen und zu dokumentieren. Die Fotos werden in der Cloud mit Metadaten versehen und so durchsuchbar gemacht. Künstliche Intelligenz kommt auch zum Einsatz, um Kollegen Inhalte und Dokumente zu empfehlen oder wichtige Informationen aus Dokumenten zu extrahieren. Wenn sie etwa aus dem Urlaub zurückkommen, müssen sie eine Menge an E-Mails sichten, künstliche Intelligenz kann helfen, das zu beschleunigen.

Wird das auch dazu führen, dass Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzt werden?
Routinetätigkeiten, wie beispielsweise die Bearbeitung von Hypotheken- oder Kreditanträgen, können leicht von Maschinen übernommen werden. Das ermöglicht uns aber, unsere Zeit anspruchsvolleren Tätigkeiten zu widmen.

Im Mai 2018 tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Wie geht ein US-Cloudanbieter wie Box mit den neuen Regeln um?
Die spezifischen Regeln stehen noch nicht im Detail fest, wir arbeiten aber mit den Datenschutzbehörden der Regionen, in denen wir tätig sind, eng zusammen um die neuen Anforderungen zu erfüllen. Viele Vorgaben erfüllen wir bereits. Wir sehen in der Datenschutzgrundverordnung Verhaltensregeln, die festschreiben, wie Unternehmen ihre Daten schützen sollen.

Können sie zum globalen Standard werden?
Wenn verbindliche Vorschriften, die den EU-Datenschutzregeln gerecht werden, in multinationalen Unternehmen implementiert werden, trägt das sicherlich dazu bei.

Betreiben Sie auch Rechenzentren in Europa?
Wir betreiben in vielen europäischen Ländern Rechenzentren. Unsere Kunden können festlegen, wo ihre Daten gespeichert werden sollen.

Warum sollten Daten in der Cloud sicherer sein?
Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen werden immer komplexer. Für Unternehmen, die in mehreren Ländern tätig sind, ist es fast unmöglich, überall lokale Rechenzentren zu betreiben und alle Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Wir sehen bei unseren Kunden, das sie Wert darauf legen, die Möglichkeiten, die cloudbasierte Kollaborations- und Produktivitätstools bieten, zu nutzen. Sie wollen auch einheitliche Standards bei der Sicherheit.

Disclaimer: Die Reisekosten zur Box World Tour in London wurden von Box übernommen.