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Sex 2.0 Schamlos kopiert: Der Angriff der Porno-Klone.

Foto: Thomas Prenner
Kaum hat das Online-Pinboard Pinterest international für Furore gesorgt, standen schon die ersten Imitationen bereit - darunter auch der Porno-Klon Snatchly.com. Das interaktive Porno-Album folgt damit der langen Tradition der Sex-Industrie, neue Web-Ideen zu kopieren und aus ihnen Kapital zu schlagen.

Wo werden neue Internet-Dienste oft schneller geklont als in den Start-up-Schmieden der deutschen Gebrüder Samwer oder in China? Richtig: in der Porno-Branche. Wenn ein neuer Internet-Dienst durchstartet, ist es meist nur eine Frage der Zeit, bis sich seine Grundidee, sein Design und seine Funktionen auch auf einer Sex-Seite wiederfinden. Zuletzt war das bei Pinterest , dem Foto-Sharing-Dienst, der Fall. Kaum hatte dieser außerhalb des Silicon Valley für Furore gesorgt, war auch schon der passende Porno-Klon online: Snatchly.com.

Ein Pinboard für Männer
Während Pinterest vor allem Frauen anspricht, surfen - natürlich - vor allem Männer Snatchly.com an. Per Browser-Bookmarklet lassen sich Sexbilder und Videos auf Snatchly veröffentlichen (ein so genannter “Resnatch”), die man in Boards sammeln und arrangieren kann. Dazu ist ein kostenloser Account notwendig - doch viel wichtiger: Das Porno-Pinterest lässt sich auch anonym und ohne Anmeldung nutzen und hält für den geneigten Nutzer eine ganze Reihe an einschlägigen Bildchen und Filmchen bereit.

“Pinterest hat uns inspiriert. Wir wollten die Idee für Männer attraktiver machen und dachten, dass maskuline Farben und Kategorien für Zigarren und Autos möglicherweise nicht genug sind.” James Alexander, einer der Mitgründer von Snatchly, macht gegenüber der futurezone keinen Hehl daraus, was die Vorlage für seinen Sex-Dienst ist. Gemeinsam mit einem Entwickler- und Produkt-Team will er die Sharing-Technologie auch in der Porno-Branche populär machen. Bis dato hätte man “einige Zehntausend Nutzer” angezogen, denen man einen “ultimativ sicheren Hafen” für ihre Porno-Gelüste anbieten wolle.

Porno 2.0
Pinterest ist bei weitem nicht der erste Web-2.0-Dienst, dessen Grundidee von der Erotikindustrie aufgegriffen wurde. Schon 2006 berichtete Techcrunch vom Porno-Browser Heatseek, dem Digg-ähnlichen Social-Bookmarking-Dienst Social Porn oder dem YouTube-Klon PornoTube. Seither hat die Internet-Welt Twittsex.com, Fuckbook und YouPorn über sich ergehen lassen, und Firmen wie die Manwin Holding SARL aus Luxemburg (YouPorn, Pornhub, Tube8 oder Brazzers) haben ihre Web-Angebote unter die 100 größten Webseiten der Welt gepusht. Viele (soft)pornografische Inhalte finden sich auch in verschiedenen Tumblr-Blogs, und Twitter ist nicht zuletzt bei Pornostars ein beliebter Zeitvertreib.

Ein weiterer Porno-Klon: Offbeatr.com will den Crowdfunding-Trend sexy machen und imitiert Kickstarter. Künftig sollen Nutzer für ihre Porno-Filme, -Bücher- und Foto-Sessions über die Webseite Geld aufstellen können - Sexfantasien auf Bestellung quasi. Gemacht wird Offbeatr übrigens von jener Firma, die auch Extralunchmoney.com betreibt - hier können Privatnutzer ihre expliziten Home-Videos und -Fotos gegen Bares verhökern.

Keine Angst vor Klagen
Das Web 2.0 scheint der Porno-Branche jedenfalls ins Konzept zu passen. “Die Leute wollen einfachere Wege, wie sie die heißesten Pornostars und Szenen entdecken können”, sagt Alexander von Snatchly.com. Bereits jetzt, ohne Facebook oder Twitter-Integration, würden seine Nutzer Inhalte weiterleiten und anderen empfehlen. Die Hoffnung: Snatchly könnte sich zu einer zentralen Anlaufstelle für all jene entwickeln, die Lust auf Online-Porno haben. Die junge Firma verhandelt derzeit mit Sex-Video-Portalen wie RedTube oder PornHub bezüglich Partnerschaften. Verträge sind wohl essenziell - denn ansonsten könnte es den Betreibern bald sauer aufstoßen, dass ihre Videos auch direkt auf Snatchly abgespielt werden können und die Nutzer gar nicht mehr auf ihre eigenen Angebote surfen müssen.

Stehen diese Verträge, könnte Snatchly am Geschäft der großen Video-Seiten mitnaschen. Noch ist kein Geschäftsmodell fixiert, aber wahrscheinlich ist, dass die Firma zum Affiliate-Partner werden wird. Surft einer ihrer Nutzer auf einer Partner-Seite weiter und konsumiert dort Werbung bzw. leistet sich gar einen kostenpflichtigen Premium-Account (z.B. bei YouPorn um 30 Euro/Monat), könnte Snatchly mit einer Vermittlungsprovision belohnt werden.

Problem Kinderpornografie
Gefahr droht aber auch von anderer Seite: So ist durchaus denkbar, dass Pinterest seinen Porno-Klon verklagt. “Wir hoffen, dass uns Pinterest als Verbündeten sieht, denn immerhin helfen wir ihnen, dass ihre Seite frei von Erwachseneninhalten bleibt”, sagt Alexander. Den Vorwurf, schamlos zu kopieren, nimmt er gelassen hin. “Schließlich hat auch die Sex-Industrie viele Innovationen vorangetrieben, die wir heute täglich im Internet nutzen.” Ohne Online-Pornografie wären Technologien wie Online-Bezahlsysteme, Video-Streaming, Live-Chats oder generell Breitband-Internet nicht so schnell vorangetrieben worden.

Auch bei einer anderen Technologie muss Snatchly vorne mitmischen: Bilderkennung. “Wir arbeiten an der Integration einer Image-Matching-Technologie, die von Strafverfolgungsbehörden eingesetzt wird und die automatisch Kinderpornos erkennen kann”, sagt Alexander. Bis dahin ist die Hilfe der Nutzerschaft gefragt - wenn sie einen illegalen Inhalt entdecken, können sie ihn markieren. Snatchly sorgt dann dafür, dass er so schnell wie möglich entfernt wird.

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(futurezone) Erstellt am 03.05.2012, 06:00

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