Digital Life
06.11.2013

Sex mit Dinos: Seltsame Blüten des Amazon-Eigenverlags

Bei Amazon kann jeder selbstgeschriebene Bücher vertreiben. Das führt zur Entwicklung eigenartiger Genres. Dinosaurier-Erotik ist nur eines davon.

Mit dem Vertrieb von selbst verfassten E-Books über Amazons "Kindle Direct Publishing"-Plattform (KDP) lässt sich gutes Geld verdienen. Immerhin sind fast 50 Prozent der 100 meistverkauften E-Books KDP-Produkte, wie der Spiegel berichtet. Das hat zu einer regelrechten Goldgräber-Stimmung auf der Plattform geführt. Mit allen möglichen Tricks versuchen Hobby-Autoren, potenzielle Käufer zum Download ihrer Werke zu verleiten. Als eine der erfolgreichsten Strategien hat sich das Verfassen von Sex-lastigen Texten erwiesen. Dabei wird jeder noch so ausgefallenen Vorliebe Rechnung getragen.

Sex mit Drachen, Robotern und Fabelwesen etwa kommen zuhauf im KDP-Angebot, das über die Amazon-Suche durchforstet werden kann, vor. Ein neues Genre haben Alara Branwen und Christie Simms vor Kurzem geschaffen. Sie schreiben bevorzugt "Dinosaurier-Erotika", kurze Bücher, deren Handlung stets in sexuellen Handlungen zwischen jungen Frauen und Vertretern diverser Dinosaurier-Spezies gipfelt. Die Dinorotik-Bücher sind keine literarischen Leckerbissen und selten länger als die Mindestanforderungen von Amazon (2.500 Wörter oder 15 - 20 E-Book-Seiten) vorschreiben.

Pseudonyme

Wer Alara und Christie wirklich sind, weiß keiner. Bei den Namen handelt es sich um Pseudonyme. Angeblich verbergen sich hinter den Künsternamen zwei junge Studentinnen, die sich so ein nettes Nebeneinkommen sichern. Das kann aber auch Teil einer Marketingmasche sein. Die erste Dino-Sex-Geschichte datiert vom 4. Mai dieses Jahres und trägt den Titel "Ravaged by the Raptor".

Seither haben die beiden angeblichen Jungautorinnen, die stets im Team arbeiten, viele weitere Geschichten, mit Titeln wie "Taken by the T-Rex" nachgereicht. Allein im Oktober 2013 sind 100 neue Dino-Sexkapaden unter den Pseudonymen veröffentlicht worden, was auf organisiertes Literaturverbrechen oder durchschriebene Nächte hinweist.

Knapp drei Euro

Die meisten Echsensex-Texte kosten 2,68 Euro. Der Bestseller unter den prähistorischen Sex-Geschichten hat den Autorinnen(?) im Oktober laut Amazon etwa 2000 Dollar Gewinn eingebracht, die 30 Prozent Provision, die der Online-Händler einbehält sind hier bereits abgezogen. Die übrigen Texte verkaufen sich zwar bei weitem nicht so gut, mit ihren insgesamt 168 Dino-Büchern verdienen die Autoren aber doch ordentliche Summen.

Amazon kontrolliert sein Angebot zwar regelmäßig und zensiert auch Texte, etwa wenn Inzest oder Sodomie eine Rolle spielen. Sex mit ausgestorbenen oder fiktiven Tieren widerspricht den Regeln des Online-Händlers aber offensichtlich nicht.