Digital Life
03.08.2018

Shitstorm: Für die Wiener Linien sind Fahrgäste Döner-essende Schafe

In neuen Sujets hören schwarze Schafe laut Musik in der U-Bahn und essen Döner. Das Internet ist wenig begeistert davon.

In einer neuen Werbekampagne werben die Wiener Linien für ein „faires“ Verhalten in der U-Bahn. Unter dem Hashtag #fahrfair werden in den Stationen der Wiener Linien Sujets gezeigt, die gegen Döner und Heavy-Metal-Musik wettern. Als Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) die Bilder auf ihrer Facebook-Seite teilte, war das der Startschuss für den Shitstorm.

Die Sujets kommen bei vielen Internet-Usern gar nicht gut an, da es gleich mehrere Probleme damit gibt. So haben viele ein Problem damit, von den Wiener Linien als Nutzvieh dargestellt zu werden. Die Sujets greifen nämlich das Klischee vom schwarzen Schaf auf (der böse Fahrgast), dass in einer Gruppe von weißen Schafen (die braven Fahrgäste) laut Musik hört oder einen Döner frisst.

Problem zwei: In der Schweiz hat eine rechtsorientierte Partei bei einem Wahlkampf ebenfalls ein Sujet mit gezeichneten Schafen verwendet. Darin haben die weißen Schafe das Schwarze aus der Schweiz hinausgetreten.

Auch wenn man die schwarze Farbe der Wolle nicht auf die Hautfarbe von Menschen bezieht, wird das Sprichwort oft für einen Außenseiter oder Sonderling genutzt, wie etwa „das schwarze Schaf der Familie“. Laut einem Statement der Wiener Linien auf Twitter bezüglich der Vorwürfe stehe man aber für „Offenheit, Toleranz und Respekt“.

Abgesehen vom Toleranz-Thema und der Verschafung der menschlichen Fahrgäste gibt es weiteren Grund zum Ärger. Ein Spruch auf dem Bild lautet: „Alle Fahrgäste sind leise. Nur nicht Babsi, die hört Heavy-Metal, blöderweise.“ Die meisten Fahrgäste würde lauter Jazz oder Bachs Toccata und Fuge d-Moll vermutlich genauso stören. Hier wurde wieder ein Klischee herangezogen.

„Alle Fahrgäste machen die U-Bahn schöner. Nur nicht Rudi, der isst Döner“ ist der Spruch auf dem Plakat gegen stark riechende Speisen. Hier wird von einigen Usern wieder kritisiert, dass der Döner auf Minderheiten abzielt, man hätte „Rudi“ ja auch eine Leberkäs-Semmel essen lassen können. Andere merken an, dass der Spruch „selten dämlich“ ist und die Wiener Linien wohl nicht geschafft haben, einen Reim auf Döner zu finden. Tatsächlich ist zu hinterfragen, wieso ein Fahrgast ohne Döner die U-Bahn schöner macht. Sind dönerlose Fahrgäste hübscher als döneressende?

Die mangelnde Kreativität fiel auch anderen auf. Kinderreime zu nehmen würde das ganze ins Lächerliche ziehen, bzw. würde dieses Spruchschema oft auch für unpassende Witze genutzt werden. Zudem erinnere #fahrfair stark an die Kampagne der ÖBB, die den Slogan „Verhalte dich fair im Zug“ nutzt und „Fairplay Tipps“ gibt. Die Wiener Linien hätten also nur abgekupfert.