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Wohnen
06/29/2015

Smart Home: Intelligenz beginnt bei der Eingangstür

Laut dem Experten Stephen Löwenstein haben Menschen Angst vor den Möglichkeiten, die das Smarte Home liefert. Dabei müssen sie nur den Nutzen in den Vordergrund stellen.

Das „Smart Home“ ist ein Begriff, der seit der Jahrtausendwende propagiert wird. Auch Bezeichnungen wie „Smart Living“, „Digital Home“, „intelligentes Wohnen“ oder auch „eHome“ sind gebräuchlich. Geht es nach der Industrie, müsste bereits jedes zweite Home smart sein, „allerdings kennen sich die wenigsten aus und die meisten sind grenzenlos verwirrt“, sagt Stephen Löwenstein, Österreichs Mr. Smart Home (www.homecomfort.at).

In Wien betreibt er mit seinem IQ-Apartment einen Showroom, in dem er die smartesten Lösungen zeigt und Menschen, die ihr Eigenheim oder Haus intelligent machen wollen, berät. „Menschen haben Angst vor den Möglichkeiten, die das smarte Home liefert, weil sie befürchten, dass sich etwas verkompliziert“, sagt Löwenstein. „Aber genau so soll es nicht sein, das Leben soll vereinfacht werden. Daher muss ich eine Vorstellung haben, welchen Nutzen es mir bringen soll.“

Maßgeschneidert

Mit Out-of-the-Box-Lösungen lassen sich gewisse Wohnungen intelligent machen bzw. Funktionen automatisieren. Telekom-Provider und Energieversorger bieten kostengünstige Einsteiger-Systeme an, bei denen beispielsweise Steckdosen oder Schalter im WLAN hängen und sich Lampen (Stichwort „Philips Hue“) per App steuern lassen. Beim vollständigen Smart Home geht es aber um ein Gesamtkonzept: Gemeinsam mit dem Bewohner wird vom Planer eine smarte Richtung festgelegt. „Was der eine als smart bezeichnet, ist für den anderen bereits wieder zu komplex“, sagt Löwenstein. „Daher muss eine Smart-Home-Lösung maßgeschneidert werden und nachhaltig sein“, denn ein Haus habe man meist länger als ein Auto. Während man beim Kauf eines neuen Autos immer auch die neueste Technologie mitgeliefert bekommt, muss ein Smart-Home-System so gestaltet sein, dass man es jederzeit „updaten“, sprich auf den neuesten Stand bringen kann.

Der erste Schritt ist, dass alles, was mit klassischen Schaltern bedient wurde, auf ein Bus-System umgestellt wird. Der Lichtschalter sollte aber das primäre Bedienelement bleiben. „Ein Lichtschalter an der richtigen Stelle ist mehr wert als ein Button auf dem Smartphone“, sagt Löwenstein, der ein Fan einfacher, logischer Lösungen ist.

Das Thema Beleuchtung sei bei Smart-Home-Systemen einer der Knackpunkte. „Systeme können teurer werden, wenn man nicht rechtzeitig darauf schaut, wie man es löst.“ Wenn man eine relativ normale Lichtlösung haben will, etwa eine bestimmte Lichtsituation beim Abendessen, eine Partylösung oder eine Lesestimmung, so kann man das mit einem Bus-System realisieren.

Touchscreens und Taster

Will man aber einen flackernden Sternenhimmel, so sei man auf eine andere Lösung angewiesen. Apropos Licht – gesteuert wird dies mit Tastern, und die sind sozusagen das Herzstück eines smarten Hauses, da sie die Bedienelemente sind, mit denen Funktionen aktiviert werden. „Es wird unterschätzt, wie viele Leute ein Problem mit den Tastern haben“, so Löwenstein. Er empfiehlt – auch seinen Kunden – die Taster auszuprobieren, sie testweise zu montieren und „sich nichts einreden zu lassen. Oft sind Kunden sauer auf ihr Haus, weil sie schlechte Taster haben.“ Und die werden, weil sie teuer sind, nicht wieder ausgetauscht, wodurch die ganzen Vorteile des Smart Home verloren gehen.

Gut überdenken sollte man auch, wie man Tablets oder Smartphones in ein smartes Haus einbindet. Das Licht abdrehen, die Heizung rauf und runter schalten oder die Beschattung bedienen – das können sinnvolle Tablet-Lösungen sein. Allerdings sollte man bedenken, dass es oft einfacher ist, einen Schalter zu betätigen, als ein Menü auf einem Tablet oder Smartphone zu öffnen. Apropos Smartphone – hier appelliert Löwenstein, dass auf einem Smartphone eine eigene App laufen muss, da sich eine App, die für ein Tablet optimiert wurde, bei der Haussteuerung oft nicht für ein Smartphone eignet.

Die intelligente App

Löwenstein ist ein Fan der grafischen Darstellung auf einer App, sprich, in der App sollten die Grundrisse des Hauses, der Wohnung erkennbar sein, um sich gut zurecht zu finden. „Wichtig ist, dass man via App Einstellungen im Smart Home selbst vornehmen kann, etwa Lichtszenen ändern oder Automatismen ein- und ausschalten, wie etwa bei einer Beschattungsanlage.“ Smart sei ein Home dann, wenn man nicht für alles einen Fachmann kommen lassen müsse, weil man selbst gewisse Funktionen ändern kann.

Ein Punkt, der bei aller Diskussion um das Smart Home vergessen wird, sei die Kommunikation innerhalb des Hauses: Wie kommuniziert die Familie im Haus, wie funktioniert das Internet, wie integriere ich eine Gegensprechanlage. Zwar sei es möglich, dass man in großen Häusern/Wohnungen in jedem Zimmer Lautsprecher montiert, allerdings ist Löwenstein auch ein Fan der Licht-Kommunikation. Wenn etwa das Licht in den Kinderzimmern flackert, wissen die Kinder, dass das Essen am Tisch steht.

Smarter Alarm

Ein Sonderthema in einem intelligenten Heim ist die Alarmanlage. Die kann man theoretisch an die Haussteuerung als Teil des Gesamtsystems anschließen. Allerdings ist es mitunter ratsam – auch aus versicherungstechnischen Gründen – die Alarmanlage als autarkes System separat stehen zu lassen. Sämtliche Funktionen der Alarmanlage sind freilich per App am Touchscreen, Tablet oder Smartphone abzurufen, aber die Alarmanlage-Funktionen öffnen sich über einen eigenen Menüpunkt.

Neben Home-Automation und Alarmanlage ist das Home-Entertainment-System – TV, Radio, Musik – das dritte System, das viele gerne in eine Smart Home-Lösung integriert hätten. Auch hier rät Löwenstein, mangels eines einheitlichen Standards bei der Steuerung von Home-Entertainment-Geräten das System auf einer Plattform/App zu integrieren, es aber eigenständig zu lassen.

„Jeder Hersteller hat sein eigenes Ding, seine eigene App. Oft ist das Mitsteuern mit anderen Systemen nicht einfach“, so Löwenstein. Zwar könnten Grundfunktionen, wie TV ein/aus, Musik ein/aus, auch in der normalen Smart-Home-App abgebildet werden, sobald es aber tiefer in die Funktionen der Entertainment-Ausstattung geht, sei es besser, auf die Hersteller-Lösung zu wechseln und die Bedienebene zu ändern. „Was wir aber können, ist, dass man in einem Wohnzimmer die Fernbedienungen der einzelnen Geräte los wird. Und das macht ein Haus mitunter schon sehr smart.“

Zwei Systeme, zwei Philosophien

Grundsätzlich gibt es bei der Hausautomatisierung zwei unterschiedliche Möglichkeiten. Die eine ist ein Bus-System, das aus der Leitung sowie aus Aktoren und Sensoren besteht. Aktoren finden sich bei den typischen Haus-Automatisierungs-Systemen wie Heizung, Jalousien oder Türöffner und führen einen Ein-Aus/Oben-Unten-Befehl aus. Zusätzlich gibt es noch Sensoren, wie Temperaturfühler, Bewegungs- und Glasbruch-Sensoren von Alarmanlagen oder Feuchtigkeitsmelder.

Über eine Datenleitung laufen die Befehle zu den Aktoren und Sensoren bzw. werden die Befehle an eine Zentrale weitergeschickt. Der Standard bei den Bus-Systemen ist KNX – dieser wurde früher als Instabus oder EIB bezeichnet.

Die andere Hausautomatisierungs-Möglichkeit sind SPS-Systeme (Speicherprogrammierbare Steuerung), wie etwa die funk- und kabelgebundene Lösung der oberösterreichischen Firma Loxone oder kabelgebundene Systeme wie jene von Beckhoff. Die SPS-Hausautomation basiert auf einem IT-Netzwerk mit handelsüblichen Netzwerkkabeln, an die ein Home-Server angeschlossen ist. Bei diesen ist im Schaltschrank ein Computer angeschlossen, an dem wiederum Relais hängen.

Platzfrage

Die Entscheidung, welches System man nimmt, hängt zum einen vom Platz und zum anderen vom Budget ab – bei Bus-Lösungen benötigt man viel Platz, bei KNX ist etwa ein eigener Schaltschrank nötig. SPS-Lösungen sind günstiger und auch platzsparender. So reicht es mitunter, dass man Aktoren, mit denen man die Schalter intelligent macht, direkt in die Dose einbauen kann. Löwenstein: „Die Wahl des Systems hängt aber auch davon ab, wie sehr man dem Hersteller vertraut und wie viele Firmen das System warten können“, so Löwenstein.

Eine dritte Option ist der Funkstandard Z-Wave. Dieser gilt als sicher, ist günstig und hat eine Indoor-Funkreichweite von 40 Metern. Er eignet sich aber nicht für die Übertragung von Audio oder Video, da die Datenrate zu gering ist.

Kosten

Der Preis einer Smart-Home-Lösung hängt vom System ab, also ob Bus-System oder SPS (Speicher-Programmierbare Steuerung). Kostenfaktoren sind auch, wie viele und welche Schalter man im Haus/in der Wohnung installiert und wie viele Funktionen man automatisieren will. Zu den angegebenen Preisen kommen noch die Installationskosten hinzu.

Bus-System (KNX)

Eine einfache smarte Installation für Licht (ohne Tablet-Anbindung) kostet für etwa 100 Wohnfläche ab 8000 Euro, die Tablet-Integration kostet zwischen 1000 und 4000 Euro. Grenzen nach oben gibt es freilich (fast) keine. Vor allem die Taster beeinflussen die Kosten, es gibt Taster ab 30 Euro (von Gira oder Hager), es gibt auch Taster um mehrere Hundert Euro.

SPS-System (Loxone)

Die Kosten für eine etwa 80 große 5-Zimmer-Wohnung mit der Loxone Smart Home Basis Ausstattung liegen bei etwa 3000 Euro. Ein Einfamilienhaus beginnt bei 5000 Euro. Hier ist mit Beleuchtung, Beschattung, Alarm, Heizung und Kühlung alles, bis auf Musik, umgesetzt.

Will man auch Musik ins System integrieren, kommt die Gesamtlösung dann auf etwa 8000 Euro. Die Obergrenze, bei der wirklich alles automatisiert ist (also von der Musik über den Pool bis zum Wellness-Bereich) liegt bei einem Einfamilienhaus bei etwa 15.000 Euro.