Digital Life
02/27/2019

Smart Meter: Kleinverbraucher sollen von neuen Stromnetztarifen profitieren

Keine großen Preisänderungen für Großteil der Haushalte. Wer das Netz stärker belastet, soll mehr zahlen.

Die Strom-Netzentgelte werden derzeit in vielen Ländern Europas neu gestaltet. In Österreich hat die Regulierungsbehörde E-Control Vorschläge präsentiert, die mehr darauf abzielen, wie stark das Netz belastet wird. Für einen Großteil der Haushalte soll es zu keinen massiven Preisänderungen kommen, profitieren würden vor allem Kleinverbraucher. Damit will man der sich ändernden Stromwelt - von mehr grüner Energie bis Elektromobilität - Rechnung tragen. Eine Grundlage für leistungsbezogene Netztarife sind digitale Stromzähler ("Smart Meter").

In Österreich sollen die Netztarife mit der Neuregelung einfacher werden. Neben der Leistungskomponente ist wie bisher ein vom Stromverbrauch abhängiger Teil vorgesehen. Teurer werde es vor allem für jene, die bei relativ geringem Verbrauch das Netz stark belasten also große Leistungsspitzen verursachen - etwa durch eine Sauna, eine Poolheizung oder das Schnellladen eines Elektroautos, so E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch Dienstagabend vor Journalisten. Es soll keinen Komfortverlust geben, man könne immer gleichzeitig kochen und waschen.

20 Euro weniger

Rund 90 Prozent der Kunden würden bei den neuen Tarifen rund 20 Euro im Jahr mehr bzw. weniger zahlen, betont die E-Control. Der Anteil der Kunden, für die es billiger werden soll, wird mit rund 60 Prozent beziffert. Profitieren würden vor allem Kunden mit einem unterdurchschnittlichen Verbrauch. Von den Kunden unter einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden (kWh) würden über 80 Prozent im neuen Modell weniger zahlen, bei den Kleinstverbrauchern (unter 1.500 kWh) sogar rund 93 Prozent. Insgesamt betragen die Netzkosten in Österreich rund 2,3 Mrd. Euro, dies soll sich durch die neue Struktur nicht wesentlich ändern.

Die Netztarife sind ein Teil der Stromrechnung und machen beispielsweise in Wien rund 28 Prozent der gesamten Stromrechnung aus. Sie werden von der E-Control festgesetzt. Die anderen beiden Komponenten sind der reine Energiepreis - nur hier ist ein Lieferantenwechsel möglich - und Steuern und Abgaben wie beispielsweise die Ökostromabgabe. Bei einem Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh liegt der Anteil der Pauschale bei 16,4 Prozent des gesamten Netzentgelts, bei einem Kleinverbraucher mit 1.500 kWh sind es rund 31 Prozent.

Smart Meter

Eine Grundlage für die Neugestaltung ist die Einführung der digitalen Stromzähler, die laut EU-Vorgaben bis 2020 in rund 80 Prozent aller Haushalte in der EU abgeschlossen sein soll. In Österreich dürften es aktuell rund 20 Prozent sein, schätzt Urbantschitsch. Auch hierzulande lautet die Vorgabe auf 80 Prozent bis 2020, angestrebt wird aber eine flächendeckende Smart-Meter-Einführung. Die neuen Tarife könnten dann ab 2020/2021 eingeführt werden.

Möglich ist in Österreich auch eine Ablehnung, bei der bestimmte Software-Funktionen des digitalen Zähler deaktiviert werden, vor allem die Speicherung von Tages- und Viertelstundenwerten. Der Anteil jener, die eine "Opt-out"-Variante gewählt haben, ist laut Urbantschitsch mit unter 2 Prozent "überschaubar". Notwendig für die leistungsbemessenen Netztarife ist es, dass zumindest einmal im Monat der höchste Viertelstundenwert an den Netzbetreiber übermittelt wird, auch bei jemandem, der die Opt-Out-Variante gewählt hat. Dies ist derzeit aber gesetzlich noch nicht möglich, momentan muss der höchste Viertelstundenwert nur einmal im Jahr übermittelt werden. Daten, die vor Ort erfasst werden, würden laufend überschrieben, betont Urbantschitsch. Der Netzbetreiber müsse wissen, wie viel Kapazität er seinen Kunden zur selben Zeit zur Verfügung stellen muss. Man müsse auch darauf schauen, dass jene, die noch keinen Smart Meter haben oder die Opt-out-Variante gewählt haben, nicht benachteiligt werden.

Die E-Control hat sich auch angeschaut, wie die neue Struktur von Stromnetzentgelten in anderen europäischen Ländern diskutiert und geregelt wird. Der E-Control-Vorschlag gehe in dieselbe Richtung wie in anderen Ländern. Von den 28 EU-Mitgliedern geben 15 an, bis 2020 großflächig Smart Meter ausgerollt zu haben.

Andere Länder

Im Wasserkraftland Norwegen mit vielen E-Autos können die Netzbetreiber die Tarife selbst festlegen. Sie werden zumeist ähnlich wie in Österreich eingehoben - über einen Pauschalbetrag und einen verbrauchsabhängigen Anteil. Die E-Control sieht dort aber den Nachteil, dass es zu wenig Verursachergerechtigkeit gebe, denn das Laden eines E-Autos kann, wenn nicht gesteuert, sehr hohe Lastspitzen im Netz erzeugen. Das Netz muss darauf ausgerichtet sein, solche Spitzen zu jeder Zeit zu bewältigen. Untersucht wird in Norwegen daher ein Modell mit einer garantierten Leistung - was darüber hinausgeht wird dann deutlich teurer - sowie einer verbrauchsorientierten Komponente.

Italien hat als einziges EU-Land einen progressiven Tarif - mit steigendem Jahresverbrauch steigt der Tarif - und plant ebenfalls Änderungen. In den Niederlanden dagegen müssen Haushalte nur einen fixen Betrag für das Stromnetz bezahlen, allerdings waren bei der Einführung dieser kapazitätsbasierten Tarife im Jahr 2009 noch keine digitalen Stromzähler verfügbar. In Deutschland werden die Tarife von den Netzbetreibern bestimmt, die Regulierungsbehörde achtet aber auf die Kosten. Es gibt es eine Mischung aus Arbeits- und Leistungskomponente.