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Österreich
01/17/2012

Smartphone-Raub wird Alltagsdelikt

Für viele Jugendliche ist das Handy ein Statussymbol, das sie nur allzu gern im Freundeskreis her zeigen. Doch die teuren Geräte werden immer häufiger zum Objekt der Begierde. In Wien gab es im Vorjahr mehr Smartphone-Raubüberfälle als Kalendertage. Warum die Zahl dieses Großstadtdelikts 2012 weiter zunehmen wird und wie die Polizei bei der Tätersuche vorgeht, erzählt Helmut Greiner, Pressesprecher des Bundeskriminalamts, der futurezone.

von Barbara Wimmer

Drei Jugendliche zeigen sich während der U-Bahn-Fahrt neue Bilder von ihren Wochenend-Erlebnissen. Einer benutzt dabei sein neues iPhone 4S, das er erst kürzlich geschenkt bekommen hat. Das iPhone geht durch mehrere Hände, die Jugendlichen scherzen und merken nicht, dass sie durch ihre Aktion die Aufmerksamkeit des gesamten U-Bahn-Waggons auf sich gezogen haben. "Wenn jemand mit Raubabsicht in diesem Wagon sitzt, ist der iPhone-Besitzer soeben zur Beute Nummer eins geworden", sagt Greiner vom Bundeskriminalamt der futurezone.

"Eindeutig ein Großstadtdelikt"
Zwischen Jänner und September 2011 sind laut polizeilicher Kriminalstatistik in Wien 379 Smartphones geraubt worden - das ist mehr als das Jahr Kalendertage hat und 17,3 Prozent mehr als Vorjahr. In ganz Österreich wurden im selben Zeitraum 444 Geräte geraubt, in Burgenland, Kärnten, Tirol und Vorarlberg beliefen sich die Zahlen dabei auf stolze zwei bis vier Raubüberfälle. "Der Smartphone-Raub ist eindeutig ein Großstadtdelikt", erklärt Greiner. "Wenn im Burgenland ein Schüler mit dem Postbus zur Schule fährt und ihm sein Handy geraubt wird, kann der Täter nicht so leicht in die Anonymität abtauchen", fügt Greiner hinzu.

Besonders häufig werden Smartphones aller Hersteller aus dem "höherpreisigen Segment" sowie iPhones zum Objekt der Begierde. "Ein altes Nokia 3810-Handy interessiert keinen mehr", so der Pressesprecher des Bundeskriminalamts. Denn, wie Studien zeigen, zählen Smartphones zu den wichtigsten Statussymbolen bei Jugendlichen. Deswegen glaubt Greiner, dass die Smartphone-Delikte 2012 "sicherlich nicht weniger" werden. "Der Konsumdruck wird immer höher und der Druck in der Gruppe, das neueste Gerät zu besitzen, ist nirgendwo so stark ausgeprägt", erklärt Greiner.

Handy-Ortung mittels Mobilfunkbetreiber
Dieser Druck verleitet die ebenfalls meist sehr jungen Täter dazu, sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln "schwächere Opfer" auszusuchen, um diese dann zu verfolgen und in Seitengassen, fernab der Videoüberwachung von Öffis und Stationen zuzuschlagen. "Wenn ein Raub passiert, sollte man sofort bei der nächsten Polizeidienststelle eine Anzeige erstatten", empfiehlt Greiner, denn dann sei die Wahrscheinlichkeit am größten, dass das Smartphone wieder zum ursprünglichen Besitzer zurückkehrt.

Laut Greiner wird dafür das Smartphone mittels der Daten der Mobilfunkbetreiber geortet. Das Delikt Raubüberfall, das mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet wird, sei für eine Ortung nach den gesetzlichen Bestimmungen ausreichend, so der Oberst. "Die Mobilfunkbetreiber kooperieren hier mit der Polizei sehr gut." Die Aufklärungsquote betrug in Wien zwischen Jänner und September immerhin 21,9 Prozent. Aus diesem Grund ist es beispielsweise auch nicht notwendig, wenn erfahrene Smartphone-Nutzer das Gerät selbst mit vorinstallierten Ortungsdiensten verfolgen.

Damit es jedoch gar nicht so weit kommt, empfiehlt der Pressesprecher des Bundeskriminalamts, dass Jugendliche in Wien Smartphones in den öffentlichen Verkehrsmitteln "nicht zur Schau tragen" sollten. "Ich spreche mich nicht gegen eine Nutzung in der U-Bahn aus, aber das Smartphone sollte so verwendet werden, dass man es nicht gleich erkennt."

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