Digital Life
11.07.2015

Spracherkennung soll Arbeit von Ärzten erleichtern

Nuance arbeitet derzeit an neuen Wegen, wie der Arbeitsalltag von Ärzten mithilfe von moderner Technik produktiver gestaltet werden kann.

Heutzutage ist es immer noch weit verbreitete Praxis, dass Ärzte ihre Notizen mit Stift und Papier machen. Dadurch gehen oft wichtige Informationen bzw. Aufzeichnungen verloren, oder sind genau dann, wenn man sie dringend bräuchte, nicht auffindbar, wie Studien belegen. Das Sprachsteuerungsunternehmen Nuance will diesen Umstand mithilfe von neuer Technik nun ändern. Bekannt ist das Unternehmen unter anderem auch dadurch, dass es Apples Sprachsteuerung Siri realisiert hat. Fokussiert hat man sich nun auch auf den Bereich der klinischen Dokumentation, also dem Aufzeichnen und Verwalten von Informationen zu den Patienten bzw. zur Behandlung.

Um die Notwendigkeit zu untermauern, hat Nuance eine Untersuchung in drei Ländern mit 3.000 Ärzten durchgeführt. Demnach investieren etwa in Deutschland Ärzte im Schnitt 35 Prozent ihrer Zeit in Aufzeichnungstätigkeiten, bei Krankenschwestern sind es rund 30 Prozent der Zeit. Im Vergleich: Lediglich 13 Prozent der Zeit der Ärzte werden mit den Patienten verbracht. Bei der Aufzeichnung setzt ein Großteil der Ärzte auf gewöhnliches Abtippen am Rechner (50 Prozent), während noch 43 Prozent mit Stift und Papier arbeiten. Sechs Prozent nutzen Sprachaufzeichnung, auf automatische Spracherkennung setzt hingegen nur ein Prozent.

Auch die Qualität dieser Art der Dokumentation ist laut Durlach nicht gut. „Studien belegen, dass Patienten dadurch länger in Behandlung bleiben und die Kosten steigen. Sprachsteuerung hilft dabei, spart Stunden und steigert die Qualität. Papier ist nicht mehr zeitgemäß”, so Nuance-Manager Peter Durlach im Gespräch mit der futurezone. “Wir sehen uns nicht mehr nur als Sprachunternehmen, sondern als Dokumentationsunternehmen”, erklärt Durlach.

Virtueller Assistent

Das System von Nuance ermöglicht es den Ärzten, per Sprache ihre Aufzeichnungen zu tätigen und sie in weiterer Folge auch aufzubereiten und intelligent miteinander zu verknüpfen. In Zukunft soll dadurch auch eine Art virtueller Assistent für die Ärzte entstehen. Will ein Arzt einem Patienten etwa ein bestimmtes Medikament verschreiben, könnte das System vollautomatisch darauf hinweisen, dass er gegen einen bestimmten Bestandteil allergisch sei.

Dieser Assistent ist aber erst ein zukünftiges Projekt, derzeit liegt der Fokus am korrekten Erkennen von Sprache: “Das Thema heutzutage im Health-Care-Bereich ist es, Tools zu schaffen, die es dem Arzt ermöglichen, seine Beobachtungen in digitaler Form loszuwerden”, erklärt Markus Vogel, Arzt und klinischer Berater bei Nuance. Besonders schwierig sei es, die Systeme so zu gestalten, dass man sich nicht erst langwierig in den Arbeitsprozess integrieren muss: “Ärzte und Krankenschwestern und das ganze Personal haben sehr wenig Energie übrig, sich in Prozesse einzuarbeiten, bei denen sie nicht sofort den Vorteil erkennen”, so Vogel.

Insgesamt nutzen derzeit bereits 530.000 Ärzte weltweit die Systeme von Nuance, wie Durlach erklärt. Laut eigenen Angaben ist Nuance Unternehmen derzeit der weltweit viertgrößte IT-Provider für den Gesundheitssektor und will in diesem Bereich noch weiter wachsen.

In Sachen Endgeräte sei man äußerst flexibel, so können sie etwa wahlweise auf PCs, Tablets oder Smartphones eingesetzt werden. Besonders in Europa sei der Datenschutz ein wichtiger Punkt, weswegen man den Krankenhäusern ermögliche, die gesamte Software intern auf eigenen Servern laufen zu lassen. Das Programm sei laut Durlach so ressourcensparend, dass bereits einige wenige Standard-Server ausreichen, um die Daten Zehntausender Patienten zu verwalten.

Datenschutz

Trotz dieser abgeschotteten Systeme, werden bei dem automatisierten Verwalten von Gesundheitsdaten immer wieder Datenschutzbedenken geäußert. Vogel denkt, dass es in erster Linie an der Kommunikation mangelt: “Wenn man in ein transparentes und offenes Gespräch mit Datenschützern geht, ist alles möglich. Es ist alles nur eine Frage des Dialogs zwischen verschiedenen Interessensvertretern.”

Insgesamt gibt sich Vogel optimistisch, dass einiges verbessert werden kann: “Ich bin sicher, dass im Gesundheitsbereich eine Menge möglich ist, wenn man die Kommunikation auf vielen Ebenen optimiert. Ich glaube, dass ein Aufatmen einsetzt, wenn man die richtigen Aktionen setzt. Man braucht einen Wandel”, so der Mediziner.