© Jakob Steinschaden

SIME Vienna
05/02/2011

„Stardoll zwängt Mädchen in keine Klischees“

Virtuelle Puppen anziehen, über Mode und Stars plaudern und online neue Freunde finden – damit begeistert Stardoll mittlerweile mehr als 100 Millionen Nutzer weltweit. Die Plattform hat das Konzept der „Paper Dolls“ erfolgreich in das Web übertragen und eine riesige Community für heranwachsende Mädchen geschaffen. Im futurezone-Interview spricht Stardoll-Chef Mattias Miksche über das Geschäftsmodell der Seite, den indirekten Wettbewerb mit Facebook und warum viel Rosa nichts mit Stereotypen zu tun haben muss.

von Claudia Zettel

Erst kürzlich feierte Stardoll seinen fünften Geburtstag, knapp darauf überschritt die Online-Plattform die magische Grenze von 100 Millionen Usern – überwiegend Mädchen im Teenageralter. Allein in Österreich begeistert die virtuelle Puppen-Community 200.000 Nutzer. Obwohl nur ein kleiner Teil davon für die kostenpflichtigen Premium-Accounts bezahlt, machen diese den größten Teil des Umsatzes der Seite aus. Die futurezone sprach im Rahmen der digitalen Konferenz SIME Vienna mit Stardoll-CEO Mattias Miksche über das Erfolgsrezept der „Paper Dolls“ im Internet.

futurezone: Stardoll zählt inzwischen mehr als 100 Millionen User weltweit. In welchen Ländern ist die Plattform am stärksten vertreten?
Mattias Miksche: Wir haben Nutzer in nahezu jedem Land auf der Welt, monatlich kommen wir auf über 15 Millionen Unique User. Unsere stärksten Märkte sind auf jeden Fall die USA, Europa und Südamerika.

Stardoll basiert auf einem sogenannten Freemium-Modell. Wie viel Prozent der Nutzer haben Bezahl-Accounts und wie viele begnügen sich mit dem kostenlosen Zugang?
Normalerweise geben wir solche Zahlen nicht öffentlich bekannt. Generell kann man aber davon ausgehen, dass sich die Prozentzahl der zahlenden User bei Seiten wie unserer im einstelligen Bereich bewegt. Pro Bezahlaccount werden monatlich durchschnittlich fünf bis sechs Euro investiert. Den Hauptanteil des Umsatzes machen wir über unsere diversen kostenpflichtigen Angebote, daneben gibt es aber auch Werbeeinnahmen.

Bei diesen zahlenden Nutzern handelt es sich durchwegs um Kinder und Jugendliche. Wie stellt Stardoll sicher, dass die Teenager hier nicht unverantwortlich mit ihrem Geld umgehen?
Wir haben zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen – Textfilter, Moderatoren und die Community selbst. Wir haben sehr strenge Regeln und Limits, wie viel Geld ein User pro Monat bei uns ausgeben kann. Für Kinder unter 13 Jahren müssen Eltern die Mitgliedschaft bestätigen. Außerdem haben wir sogenannte „Kid Safe“-Accounts, wo man von anderen in der Community nicht kontaktiert werden kann.

Haben Sie selbst Kinder und dürfen sie Stardoll nutzen?
Ja, meine zehnjährige Tochter und mein siebenjähriger Sohn sind auf der Seite.

Wie viel Prozent der Stardoll-Mitglieder sind eigentlich männlich?
Wir haben an die sechs Prozent Jungs auf der Plattform. Und die haben eine Menge Spaß, mein Sohn ist einer davon und er liebt die Seite!

Wenn man Stardoll besucht, schlägt einem zuerst einmal sehr viel Rosa und Pink entgegen. Alles dreht sich um Mode, Frisuren und Stars. Glauben Sie nicht, dass man junge Mädchen mit so einer Plattform in alte Rollen-Klischees zurückdrängt?
Ich denke definitiv nicht, dass Stardoll alte Rollen-Klischees bedient. Hier kann jeder sein und aussehen, wie immer er oder sie möchte. Das ist auch genau der Grund, warum die Seite erfolgreich ist, wir lassen unsere User genau das sein, was sie sich selbst aussuchen.

Es gibt sehr viel Entertainment auf Stardoll, wie sieht es mit Bildungsangeboten aus?
Zunächst einmal birgt die Seite diverse nützliche Funktionen in sich selbst: Etwa zu lernen, wie man mit einem Computer und dem Internet umgeht, wie man auf einer Webseite navigiert. Das ermutigt zum Beispiel Mädchen, sich für IT zu interessieren. Außerdem lernen unsere Nutzer viel über Netiquette und Sicherheit. Was unsere Games anbelangt, gibt es neben dem Anziehen der virtuellen Puppen auch Geographie-Spiele.

Stardoll hat gerade seinen fünften Geburtstag gefeiert. Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert, spüren Sie den Druck durch Social Networks wie Facebook?
Die Seite selbst hat sich stark weiterentwickelt. Und wir haben immer noch Unmengen an neuen Ideen, unsere User inspirieren uns laufend dazu, noch mehr Spaß auf die Seite zu bringen. Facebook und andere soziale Netzwerke sehen wir nicht als direkte Konkurrenz. Indirekt zählen sie allerdings schon zu unseren Wettbewerbern, da sie um die Zeit unserer User wetteifern.

Wie wird es in Zukunft weitergehen, welche Rolle spielt das mobile Internet bei Stardoll?
Unser vorwiegendes Ziel ist es, unsere User weiterhin glücklich zu machen. Das mobile Internet spielt für unsere Nutzer mit Sicherheit eine große Rolle, daher müssen wir auch da präsent sein. Wir haben gerade erst ein neues iPhone-Game gestartet, das man kostenlos herunterladen kann. Damit kann man sich Gegenstände erspielen, die dann auch für den Account auf Stardoll.com genutzt werden können.

Letzte Frage: Haben Sie selbst als kleiner Junge mit Puppen gespielt?
Ja, ich hatte eine Big Jim Doll (eine Actionfigur Anm.) und habe sie geliebt. Ich denke, Rollenspielen ist ein wichtiger Teil des Heranwachsens und Stardoll ist genau so etwas, eben online.

Zur Person:
Mattias Miksche wurde 1968 in Schweden geboren. Als Sohn eines Österreichers und einer Deutschen spricht er neben Schwedisch auch fließend Deutsch. Bevor Miksche das Zepter bei Stardoll übernahm, war er unter anderem Gründer und CEO des Online-DVD-Verleihs Boxman sowie Mitbegründer von E*Trade in Europa.

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