Digital Life
13.01.2016

Tausende Zwischenfälle mit selbstfahrenden Autos

Im Testbetrieb in Kalifornien mussten Roboterautos in über 2800 Fällen die Kontrolle zurück an den Fahrer geben. Bei den Google-Autos hätte es in 13 Fällen Unfälle gegeben.

Der Bundesstaat Kalifornien ist derzeit der Hotspot für selbstfahrende Autos. Nicht nur, weil in Silicon Valley die High-Tech-Industrie der USA zu finden ist, sondern auch, weil die vielen Sonnentage und der geringe Niederschlag gute Bedingungen für das Testen der Autopiloten liefern. Damit die Unternehmen in Kalifornien ihre Roboterwagen testen dürfen, müssen sie an die Verkehrsbehörde jährliche Berichte über Zwischenfälle abgeben. Jetzt war erstmals der Stichtag. Sieben Unternehmen haben offengelegt, wie viele Kilometer mit dem autonomen Fahrmodus im Zeitraum September 2014 bis November 2015 zurückgelegt wurden und wie oft der Fahrer eingreifen musste.

Komplett ohne Fahrer dürfen in Kalifornien die Autos noch nicht unterwegs sein. Wie die Berichte ergeben haben, aus gutem Grund. In insgesamt über 2800 Fällen wurde die Kontrolle vom Bordcomputer an den Fahrer zurückgegeben oder griff der Fahrer bewusst ein. Nicht in allen Fällen ist bekannt, aus welchen Gründen dies passiert ist, da es noch keine einheitliche Regelung über den Umfang dieser Berichte gibt. Sieben Unternehmen haben die Daten offengelegt: Bosch, Delphi, Google, Nissan, Mercedes, Tesla und Volkswagen.

13 Beinahe-Crashes bei Google

Die ausführlichsten Daten gibt es von Google. Im Testzeitraum wurden über 680.000 Kilometer zurückgelegt, 341 Mal griff der Fahrer ein. 272 Mal gab das Auto die Kontrolle gezielt an den Fahrer wegen technischer Probleme. Dazu zählen etwa Probleme bei der Kommunikation zwischen Steuerung und Sensoren. Laut Google reagierten die Fahrer durchschnittlich innerhalb von 0,8 Sekunden auf die Aufforderung, das Steuer zu übernehmen.

69 Mal entschied der Fahrer selbstständig einzugreifen, etwa um auf Sicherheitsabstand zu einem rücksichtlosen anderen Fahrer oder Fahrradfahrer zu gehen. In 13 Fällen wäre es laut Berechnung von Google allerdings zu einem Zusammenstoß gekommen, wenn der Autopilot weiterhin das Fahrzeug gesteuert hätte.

1031 Fälle bei Mercedes

Die meisten Zwischenfälle gab es bei Mercedes: 1031 auf 3600 gefahrene Kilometer. Die Begründungen dafür sind nur vage. Bei der automatischen Übergabe an den Fahrer ist „Testen der Technik“ angegeben, bei den 534 Eingriffen durch den Fahrer nur „dem Fahrer war unwohl“. Nissan (106 Zwischenfälle) ist da deutlich gründlicher und beschreibt in welchen Komponenten die Fehler aufgetreten sind und in welchen Situationen der Fahrer sicherheitshalber die Kontrolle übernommen hat. In mehreren Situationen haben die Sensoren das vorausfahrende Fahrzeug nicht korrekt erfasst, weshalb der Fahrer sicherheitshalber die Steuerung übernommen hat und in einigen Fällen auch schnell Bremsen musste.

Laut Tesla gab es keinen einzigen Zwischenfall. Allerdings gibt es mehrere YouTube-Videos von Kunden, die die Autopilot-Funktion nutzten und nur knapp Unfälle vermeiden konnten, etwa weil das Auto auf die Gegenfahrbahn geriet.

Österreich

In Österreich könnten die selbstfahrendes Autos bereits Ende dieses Jahres unterwegs sein. Infrastrukturminister Stöger hat angekündigt, dass im April feststehen soll, welches Autobahn-Teilstück für Tests freigegeben wird. Im Gespräch sind derzeit die Inntal-Autobahn und die Innkreis-Autobahn A8. Die Steiermark hat sich ebenfalls als „Testregion“ angeboten. Dies würde auch den 220 Autozulieferern zugute kommen, die in der Steiermark ansässig sind. Bevor die Tests Ende 2016/Anfang 2017 beginnen können, muss die Infrastruktur auf den Strecken angepasst und die Straßenverkehrsordnung geändert werden.