Digital Life
20.06.2015

Taylor Swift stößt Apple vor den Kopf

Apple geht bei den Verträgen für seinen Streamingdienst nicht zimperlich vor. Musiker und Labels sind verärgert. Das Repertoire dürfte beträchtliche Lücken aufweisen.

Bei der Präsentation von Apples neuen Streamingdienst war ihr neues Video „Bad Blood“ noch zu sehen. „1989“, das jüngste Album der US-Sängerin, wird aber nicht auf Apple Music zu hören sein, . Das bestätigte ein Sprecher der Sängerin gegenüber US-Medien. Auch Apple, das mit dem Abspielen des Swift-Videos bei der Vorstellung seines Dienstes noch den Eindruck erweckte, es verfüge über die Rechte an dem Repertoire der Sängerin, musste einräumen, dass das Album zum Apple-Music-Start am 30. Juni nicht verfügbar sein werde.

Swift gilt als Kritikerin des Gratis-Streamings und ließ ihre Titel im vergangenen Jahr auch aus dem Katalog von Streaming-Marktführer Spotify entfernen. Nun trifft ihr Bann auch Apple, das mit einem dreimonatigen kostenlosen Test des Dienstes Kunden locken will.

Keine Tantiemen für Testphase

Das Einstieg in das Streaming-Geschäft ist für Apple, das den Downloadmarkt seit Jahren dominiert, essenziell um in der Online-Musik relevant zu bleiben. Die Brüskierung durch den US-Popstar dürfte aber nur eines von vielen Problemen sein, mit denen sich der Neueinsteiger in den Streaming-Markt derzeit herumschlagen muss.

Denn der Download-Branchenprimus stößt mit seinen Geschäftsmethoden auch bei vielen unabhängigen Labels auf Ablehnung. Weil das Unternehmen während des kostenlosen Tests keine Tantiemen bezahlen will, wollen viele Künstler ihr Repertoire nicht für den Dienst freigeben.

Drohungen kolportiert

Das wiederum würde empfindliche Lücken im Katalog von Apple Music nach sich ziehen, die dem iPhone-Hersteller sicherlich nicht helfen werden, Kunden für den Dienst zu gewinnen. Apple dürfte sich dessen bewusst sein.

Das Unternehmen soll nach Angaben des Sängers der US-Band Brian Jonestown Massacre damit gedroht haben, das komplette Repertoire der Band aus seinem iTunes-Download-Store zu entfernen, sollte die Band den Streaming-Vertragsbedingungen nicht zustimmen. „Das größte Unternehmen der Welt will meine Arbeit drei Monate lang nutzen, ohne mir etwas dafür zu bezahlen“, twitterte der Musiker erbost.

Apple hat die Drohungen mittlerweile dementiert. Vertragsangebote des Streaming-Neueinsteigers mit Indie-Labels, kursieren aber seither im Netz. Sie werfen kein gutes Licht auf das Unternehmen.

Auch deshalb nicht, weil Apple lange vor der Präsentation seines eigenen Streaming-Angebots bei den Labels Druck ausübte, werbefinanziertes kostenloses Streaming zu unterbinden. Auf diesem Freemium-Modell basiert das Geschäftsmodell des größten Konkurrenten Spotify. Die US-Staatsanwaltschaft ermittelt mittlerweile in der Sache.

Korb von den Beatles

Einen Korb holte sich Apple mit seinem Streaming-Service aber nicht nur von Taylor Swift sondern auch von den Beatles. Apple bietet zwar den kompletten Katalog der Band seit 2010 auf iTunes zum Download an, zum Streaming wurden die Titel aber bislang nicht freigegeben.